Dresscode im Consulting

Die Outfitvorschriften vieler Unternehmen lockern sich immer weiter. Im Consulting jedoch sind lockere Outfits – wie oben im Bild – höchstens am “Casual Friday” erlaubt.

Krawatte ade? Consultants berichten über die Outfitkultur in ihren Unternehmen

Das Business-Outfit – vor allem Neueinsteiger zerbrechen sich häufig den Kopf darüber, wie sie sich in ihrem neuen Beruf angemessen kleiden sollen. Die Krawatte ist längst nicht mehr überall Pflicht und immer mehr Unternehmen lockern ihre Outfitvorschriften. Wie die Outfitkultur im Bereich Consulting aussieht, berichten einige Berater aus ihrem Berufsalltag.

Die früher so festgefahrene Outfitkultur der Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt: Immer mehr Unternehmen schaffen die Krawattenpflicht ab, selbst Vorstandsvorsitzende namhafter Firmen erscheinen inzwischen auch mal im lässigen Look zu öffentlichen Terminen. Denn was früher als absolute Sünde galt, kann heute modern, innovativ und kreativ wirken.

Vorreiter des lässigen Outfits in einer ranghohen Position war der langjährige Daimler-Chef Dieter Zetsche: In seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender der Daimler AG erschien er auch zu hochoffiziellen Terminen regelmäßig in ausgewaschenen Jeans und Sneakern, kombiniert mit Hemd und Sakko. Im klassisch-schicken Anzug mit Krawatte sah man ihn dagegen selten. Auch immer mehr Banken weichen mittlerweile von der Krawattenpflicht ab. So lockerten 2019 etliche Sparkassen ihre langjährigen Outfit-Vorgaben. Man wolle so die Distanz zu den Kunden reduzieren und ihnen mehr auf Augenhöhe begegnen. Selbst die Robert Bosch AG, die lange als sehr korrekt und konservativ galt, verzichtet nun seit einigen Jahren auf einen Dresscode.

Auch bekannte Unternehmer verzichten auf Business-Dresscode

Lange war die Krawatte in der Geschäftswelt ein Symbol der Seriosität. Sie verlieh dem Träger automatisch eine kompetente und zuverlässige Ausstrahlung. Dass das Outfit rein gar nichts mit persönlicher Kompetenz zu tun hat, bewiesen schon etliche erfolgreiche Unternehmer. Facebook-Chef Marc Zuckerberg sticht mit seiner Garderobe heraus: Er erscheint fast ausschließlich in Jeans, T-Shirt oder Hoodie. Lediglich zu ernsteren Angelegenheiten, wie zum Beispiel zu einer Anhörung vor dem US-Kongress, erscheint Zuckerberg in Anzug und Krawatte – was dann umso eindrucksvoller wirkt. Auch der inzwischen verstorbene Steve Jobs verzichtete auf das klassisches Business-Outfit und erschien stets im selben Look: Schwarzer Rollkragenpullover, Jeans und Turnschuhe.

Das Ende der Krawatte – auch im Consulting?

Doch wie sieht das im Bereich Consulting aus? Werden auch Berater in Zukunft in Jeans und Turnschuhen im Kundenmeeting sitzen? Bei thyssenkrupp Management Consulting ist das undenkbar. „Für unsere Berater, egal ob Festangestellte oder Praktikanten, gilt ganz klar von Montag bis Donnerstag der Dresscode Business“, sagt Elisabeth Remm von thyssenkrupp. Das wird neuen Mitarbeitern schon im Vorfeld kommuniziert. Mit einem Anzug oder einem Kostüm kann man also als Neueinsteiger nichts falsch machen. Eine Krawatte zu tragen ist allerdings auch bei thyssenkrupp seit ein paar Monaten keine Pflicht mehr. Die Entscheidung liegt jedoch bei jedem selbst: Wer gerne eine Krawatte tragen möchte, darf dies natürlich tun.

Freitags sieht der Dresscode ganz anders aus. „Da leben wir den Casual-Friday“, sagt Elisabeth Remm. Die Mitarbeiter dürfen dann gerne in Freizeitkleidung kommen, die sportlich sein darf, jedoch nicht zu ausgefallen sein sollte. Berater, die freitags Kundentermine haben, müssen aber natürlich trotzdem im Business-Outfit kommen. Insgesamt habe sich die Outfitkultur in den vergangenen Jahren allerdings etwas gelockert.

Ähnliches berichtet Björn Schütte von Fiducia & GAD. „Der Anzug ist derzeit noch Standard, aber zum Beispiel auf unserer Messe  – der COM19 – war die Krawatte schon Schnee von gestern“, erzählt der Consultant. Die klassischen Anzugsschuhe werden immer öfter durch weiße Sneaker ersetzt, ganz nach dem Vorbild von Dieter Zetsche.

Alexander Bruns arbeitet als Consultant bei A.T. Kearney. Ursprünglich kommt er jedoch aus einem anderen Bereich, er studierte Wirtschaftsingenieurwesen mit der Fachrichtung Maschinenbau an der TU Braunschweig.  Durch ein Praktikum bei einem Automobilhersteller fand er seinen Weg in die Beratung. Der Dresscode im Consulting ist für ihn kein Problem: „Grundsätzlich muss ich sagen, dass ich gerne Anzüge trage“, sagt der 30-jährige. Er sei deshalb froh darüber, bisher bei jedem seiner Projekte vor Ort beim Kunden einen Anzug getragen zu haben. Das heißt: Von Montag bis Donnerstag arbeitet Alexander Bruns im Anzug. Beim sogenannten „Office-Friday“ sind dann aber auch T-Shirt und Sneaker gern gesehen. Auch Alexander Bruns berichtet, dass das Tragen von Krawatten immer weniger wird. „Ich hatte bis jetzt nur ein Projekt mit Krawattenpflicht“, sagt er. Pauschal zu sagen, welches Outfit zu welchem Anlass angebracht ist, sei jedoch schwierig. Denn je nach Kunde und Art des Projektes gibt es unterschiedliche Anforderungen an Beraterinnen und Berater. Diese spiegeln sich auch im Outfit wider.

Bewerbungsgespräch – Was ziehe ich an?

Bei all diesen Veränderungen in den vergangenen Jahren – wie sollte man heutzutage als Bewerber zu einem Vorstellungsgespräch erscheinen? Früher konnte man mit einem schicken Outfit eigentlich nichts falsch machen. Männer im Anzug mit Krawatte, Frauen mit Kostüm und hohen Schuhen. Heute ist alles komplizierter geworden: Bei einem Start-Up könnte man in einem zu schicken Outfit fehl am Platz wirken. Underdressed zu einem Bewerbungsgespräch zu erscheinen, wäre jedoch noch schlimmer. Wichtig ist: Was sich ranghohe und berufserfahrene Mitarbeiter leisten können, gilt natürlich nicht automatisch auch für Neueinsteiger. Deshalb lieber auf Nummer sicher gehen und fürs erste Kennenlernen das schickere Outfit auswählen.

Außerdem kann es hilfreich sein, im Vorfeld zu recherchieren und auf der Homepage des Unternehmens nach Bildern von Mitarbeitern verschiedener Abteilungen zu suchen. Auch auf Portalen wie Xing oder Linkedin könnten Fotos von Mitarbeitern zu finden sein, die auf die Outfitkultur im Unternehmen schließen lassen.

Manche Unternehmen machen es ihren Bewerbern einfacher und klären die Outfitfrage schon im Vorfeld. „Den Bewerbern bei thyssenkrupp wird davor Bescheid gegeben, dass sie am Recruiting-Tag nicht zwingend mit Krawatte erscheinen müssen“, sagt Elisabeth Remm. Das Beratungsunternehmen Confinpro geht einen Schritt weiter, erzählt die Beraterin Majlen Herrmann: Für Einsteiger übernimmt das Unternehmen das erste Business-Outfit.