Hidden Champions: 5 gute Gründe für kleinere Beratungsunternehmen

Hidden Champions: Das sind hochspezialisierte, aber vergleichsweise unbekannte Beratungsunternehmen, die in ihrem Fachgebiet eine hohe Expertise ausweisen. Bild: rawpixel.com from Pexels

Hidden Champions: Das sind hochspezialisierte, aber vergleichsweise unbekannte Beratungsunternehmen, die in ihrem Fachgebiet eine hohe Expertise ausweisen. Bild: rawpixel.com from Pexels

Hinter dem Tellerrand geht’s weiter: Warum auch kleinere Beratungen gute Arbeitgeber sein können und die richtige Wahl für Berufseinsteiger

Branchenübergreifend wird schon lange diskutiert, was für den Einstieg bei einem Konzern und was für den Einstieg bei einem Start-up spricht. In der Consultingbranche und den einschlägigen Foren werden zumeist müßige und ermüdende Streitgespräche darüber geführt, wer noch noch Tier1 ist und wer sich sogar in der Niederung Tier3 suhlt. Dabei sind solche Kategorisierungen weder klug noch nötig. Unter den Boutique gibt es viele Hidden Champions, die für manchen Einsteiger ein gute Wahl sein könnten.

Welche Vorteile könnte es haben, seinen Berufs­einstieg in einer kleineren, aber hochspezialisierten Beratung zu planen? junior //consultant fand 5 gute Gründe für Hidden Champions.

1. Agilität und kurze Wege

Ein Tanker ist sicherer, geht nicht unter, ein Schnellboot ist beweglicher und schneller. Mit steigender Größe geht meist auch der Verlust der Beweglichkeit einher. Das gilt auch für viele Unternehmen. Wer viele Interessen und Mitarbeiter unter einen Hut bekommen will, muss mit längeren Entscheidungsphasen und vielen Absegnungsrunden leben. Kleine Unternehmen können oft schneller und flexibler auf Veränderungen reagieren und sind agiler.

2. Expertise

Kleinere Unternehmen sind normalerweise stark spezialisiert – und somit echte Experten in bestimmten Gebieten, die dort sogar die Branchenprimusse schlagen.

In der Studie „Die Hidden Champions des Beratungsmarktes” der WGMB (Wissenschaftliche Gesellschaft für Management und Beratung, siehe junior //consultant, Ausgabe 2-2018) ist sogar ein Kriterium zur Ausnahme in den Wettbewerb, dass das Unternehmen von seinen Kunden in mindestens einem Spezialgebiet besser bewertet wurde als McKinsey, BCG und Bain. Diese Unternehmen sind also keine Feld-, Wald- und Wiesenberatungen, sondern absolute Spezialisten. Wer also in einem bestimmten Gebiet zur Koryphäe werden will, ist wahrscheinlich bei einer Boutique besser aufgehoben, als bei einem der Dickschiffe der Branche.

3. Individualität

Auch wenn die Branche weicher geworden ist, stellte ein CEO eines der Top-Beratungshäuser im Gespräch mit junior //consultant klar: Natürlich gibt es Up-or-out und dieses Prinzip gilt immer noch. Entwicklung wird erwartet und insbesondere die Bereitschaft, zu führen und Umsatzverantwortung zu tragen. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, aber keine große Beratung wird sich hier anpassen oder verbiegen.

Gleiches sollte auch kein Kandidat tun, sondern eher nach einer Alternative suchen, die zur Persönlichkeit passt. Gerade kleinere Beratungen werben explizit mit anderen Strukturen – und anderen, individuelleren Möglichkeiten der Karriereplanung.

4. Life und Work-Life

Viele große Unternehmen werben mit freier Wohnortwahl – was allerdings oft nur bedeutet, dass die Berater sowieso von Montag bis Donnerstag beim Kunden und damit im Hotel sind. Wo dann genau Homeoffice und das freie Wochenende stattfinden, spielt für das Unternehmen natürlich keine Rolle.
Allen Trends zu Trotz – ohne Reisen geht es im Consulting nicht, wer aber wenig reisen will, findet bei einem kleineren Unternehmen eher eine Nische – auch weil diese Unternehmen den Bewerbern andere Zugeständnisse machen müssen.

Ein anderer Punkt: Großer Name bedeutet zu 90 Prozent: München, Frankfurt, Düsseldorf oder Berlin. Wer privat anders leben will, muss pendeln – oder findet vielleicht eine spezialisierte Beratung in einer kleineren Stadt mit attraktivem Umfeld.

5. Personal fit

Auch wenn McKinsey und BCG 2020 über 1.000 neue Berater einstellen werden: Die Unternehmen selektieren die Bewerber so genau und gründlich wie eh und je. Und nicht jeder, der gerne zum Branchenprimus will, bringt die Voraussetzungen dafür mit. Jeder sollte sich ehrlich fragen: Passe ich dahin und passt das Unternehmen zu mir? Und vielleicht ist es auf Dauer schöner, irgendwo ein wichtiges Rad zu sein, als ein Rädchen, das kaum zu sehen ist.