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Johanna Thiel Deutsche Bahn Beratung

Bild: Deutsche Bahn

In ihrem letzten Projekt vor dem Leave befasste sich Johanna Thiel mit einem der Fokusthemen der Bahn: Pünktlichkeit

Wie so oft fungierte auch bei Johanna Thiel ein Praktikum als Karrieresprungbrett. Als jüngstes Mitglied und damals einzige Frau ihrer Unit stieg die Bachelorabsolventin nach dem Internship direkt als Analyst ein. Für junior//consultant rekapituliert sie die ersten beiden Arbeitsjahre und erzählt, warum sie im Herbst 2016 geht – und sich schon jetzt darauf freut, wiederzukommen.

Früher hatte ich genaue Vorstellungen, was ich einmal werden wollte – erst Seiltänzerin im Zirkus, dann Ärztin, später Diplomatin. Irgendwie ist dann doch alles anders gekommen und ich bin im Consulting gelandet.

Nach dem Abitur entschied ich mich für den Studiengang „Recht-Wirtschaft-Personal“ an der Universität Greifswald und konnte so meine Interessen für Wirtschaft und Rechtswissenschaften gut miteinander vereinen. Erste Berufserfahrungen sammelte ich durch ein Praktikum in der Personalabteilung des Medienunternehmens Reuters in London. Danach war für mich eine Karriere als „Human Resources Manager“ aus dem Rennen. Trotzdem hatte ich viel gelernt – auch über mich selbst: Ich arbeite gern mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammen, suche Abwechslung, finde mich gut in neuen Umgebungen zurecht und  lerne schnell dazu. Durch mehrere Berührungspunkte mit externen Beratungen auf Karrieremessen kam ich schließlich zum Consulting. Vielfältige Projekte, immer wieder neue Herausforderungen, interdisziplinäre Teams und abwechslungsreiche Arbeits­orte – genau das, was ich suchte.

Sofort stürzte ich mich auf der Suche nach einem potenziellen Arbeitgeber in die Online-Recherche. Doch schon wartete die nächste Entscheidungswelle: Interne oder externe Beratung? Strategie-, Personal-, oder IT-Beratung? Das wollte ich in einem Praktikum nach Ende meines Bachelorstudiums herausfinden. IT fand ich persönlich noch nie sonderlich interessant. Personalberatung würde zwar super zu meinen bisherigen Erfahrungen passen, war aber eher Plan B. Strategieberatung – die Zukunft eines Unternehmens mitbeeinflussen – das hörte sich so an, als könne man wirklich etwas bewegen. Die erste Rückmeldung auf meine zahlreichen Bewerbungen an interne und externe (Strategie-)Beratungen kam von DB Management Consulting, der Inhouse Consulting-Einheit der Deutschen Bahn. Eine Woche nach dem Vorstellungsgespräch bekam ich positives Feedback und ein Angebot für ein sechsmonatiges Praktikum. Da mir die lockere Gesprächsatmosphäre und die Vielfältigkeit des beschriebenen Arbeitsalltags sehr zusagte, nahm ich sofort an ohne die anderen Rückmeldungen abzuwarten.


“Ich wurde auch als Praktikantin schnell als neues Teammitglied akzeptiert und in Entscheidungen einbezogen”

Johanna Thiel, DB Management Consulting


Während der nächsten sechs Monate „beschnupperte“ ich den Beratungsalltag in zwei verschiedenen Projekten in Berlin und Essen. Was mich sofort begeisterte, war die Kollegialität und die Stimmung im Team. Ich wurde schnell als neues Teammitglied akzeptiert, in Diskussionen und Entscheidungen miteinbezogen. Meine Aufgaben waren vielfältig – mal eine Recherche, mal eine Analyse, mal unterstützte ich das Team bei der Erstellung von Vorstandspräsentationen. Interessanterweise hatten beide Projekte nichts mit dem zu tun, was man sich zunächst vorstellt, wenn man an die Deutsche Bahn denkt. Einmal ging es um Facility Management, also im weitesten Sinne Hausmeistertätigkeiten am Bahnhof, im zweiten Projekt um Luft- und Seelogistik. Diese Themenvielfalt machte den Beratungsalltag für mich noch spannender.


“Ich begann 2014 in der Practice Mobilität – als Bachelor und jüngstes Mitglied dieser Abteilung”

Johanna Thiel, DB Management Consulting


Noch vor Ende meines Praktikums sprach mich der Projekt-Partner an, ob ich mir nicht einen Direkteinstieg als Analyst bei DB Management Consulting vorstellen könne. Damit hatte ich nicht gerechnet, wurde mir im Bewerbungsgespräch doch gesagt, dass ein Einstieg mit Bachelorabschluss eher exotisch, wenn nicht gar unmöglich, sei. Begeistert von dem Angebot sagte ich „ja“ und musste mich in einem Zweitgespräch einer letzten Hürde stellen, bevor ich kurze Zeit später stolz meinen ersten Arbeitsvertrag in den Händen hielt. So startete ich im August 2014 als jüngstes und (damals) einziges weibliches Mitglied in der Practice Mobilität. Dass viele meiner neuen Kollegen bereits Beratungserfahrung in namhaften externen Strategieberatungen gesammelt hatten, fand ich eher hilfreich als einschüchternd. Schnell fand ich Routine in meinem neuen Beruf: Montagmorgen Anreise zum Projektort, Donnerstagabend wieder zurück, freitags Home Office.

Seitdem sind mehr als zwei Jahre vergangen, in denen meine Projekteinsätze mich durch verschiedenste Abteilungen und Bereiche des DB-Konzerns geführt haben. Besonders spannend fand ich mein Projekt im Fernbusmarkt für die hauseigene Marke „berlinlinienbus“. Mit der Fusion von MeinFernbus und Flixbus Anfang 2015 war das Marktgleichgewicht entschieden verändert worden. Ziel unseres Projekts war es, die Fernbusaktivitäten der Deutschen Bahn – namentlich den IC Bus und berlinlinienbus – unter einer starken Marke zusammenzufassen und als Low-cost-Anbieter auf dem Markt zu etablieren. Darüber hinaus sollte das Streckennetz deutlich ausgebaut werden, um Marktanteile zu gewinnen und MeinFernbus/Flixbus den Kampf anzusagen. Das hat bislang auch gut geklappt: Obwohl der Zusammenschluss der beiden Marken bis dato nicht vollzogen worden ist, konnte der Marktanteil von sieben Prozent (Anfang 2015) auf 14 Prozent (September 2016) gesteigert werden.*

Auch mein letztes Projekt war besonders interessant. Mit „PlanStart“, einer Initiative des Konzernprogramms „Zukunft Bahn“, wollen wir die Pünktlichkeit im Fernverkehr nachhaltig verbessern. Wer jetzt denkt „Pünktlichkeit bei der Deutschen Bahn – das ist ja mal etwas ganz Neues!“ hat natürlich Recht – das Projektziel ist nicht sonderlich innovativ, dafür aber wirklich wichtig. Pünktlichkeit ist seit Jahren eines der Fokusthemen der Deutschen Bahn. Das liegt zum Teil daran, dass das System mit 40.000 Zugfahrten am Tag sehr komplex ist. Sobald ein Zug auch nur wenige Minuten Verspätung hat, behindert er einen anderen. Dieser behindert wiederum einen anderen Zug, sodass das Ganze schnell zu einer Kettenreaktion führen kann. Mit PlanStart wollen wir die Komplexität des Problems verringern. An den zehn Top-Bahnhöfen in Deutschland, unter anderem in Hamburg, Hannover, München und Frankfurt, sorgen sogenannte Knotenkoordinatoren dafür, dass die Züge planmäßig auf die Minute den Bahnsteig verlassen – getreu dem Motto „wer nicht planmäßig abfährt, kann auch nicht pünktlich ankommen“. Seit Jahresbeginn konnten wir so die Abfahrtspünktlichkeit um 20 Prozentpunkte steigern. Davon profitieren auch der Nah- und Güterverkehr.

Mein Berateralltag ist seit Mitte August vorerst zum Halten gekommen. In einer einjährigen Auszeit absolviere ich momentan ein Master-Studium in „Strategic Management“ an der Erasmus Universität in Rotterdam. Dank dieses neu pilotierten flexiblen Arbeitszeitmodells kann ich nach meinem Studium direkt bei DB Management Consulting weitermachen – und darauf freue ich mich schon!

*Aktueller Nachtrag: Die Deutsche Bahn hat entschieden, ihr Fernbusangebot künftig unter der Marke IC Bus zu führen und als integrierten Bestandteil der DB-Mobilitätskette weiter auszubauen.


Autorin: Johanna Thiel, DB Management Consulting

Johanna Thiel, Jahrgang 1991, studierte „Recht-Wirtschaft-Personal“ an der Universität Greifswald. Noch während ihres Praktikums bei DB Management Consulting bekam sie das Angebot für den Direkteinstieg als Analyst. Nach zwei Jahren Berufspraxis nimmt sich Johanna Thiel im Herbst 2016 eine einjährige Auszeit, um ein Masterstudium in Rotterdam zu absolvieren.