„Fordern geht für uns nicht ohne fördern“- Bernhard Sohnke, Director Recruiting bei Bain & Company

Bernhard Sohnke, Director Recruiting bei Bain & Company

Bernhard Sohnke, Bain & Company

Bernhard Sohnke, Director Recruiting bei Bain & Company, im Interview

Bernhard Sohnke, Director Recruiting bei Bain & Company, spricht über die zukünftigen Anforderungen an Consultants. Durch die Digitalisierung und höhere Ansprüche an Nachhaltigkeit und Diversität sind soziale Kompetenzen wichtiger denn je und werden in ihrer Bedeutung noch weiter steigen. Bain & Company bietet dazu viele Programme an, die die individuelle Karrieregestaltung unterstützen, Kontakte knüpfen oder speziell an Frauen adressiert sind.

Corona hat das Arbeiten verändert. Was bleibt davon, wenn die Pandemie überwunden ist? 

Insgesamt findet eine immer stärkere Ausbalancierung unseres Arbeitsmodells – Arbeit vor Ort beim Kundenunternehmen, im Homeoffice und im Büro – statt. Künftig wird es deutlich mehr Projekte mit einem hohen Grad an virtueller Zusammenarbeit geben. Je nach Projektphase lässt sich dies durchaus unterschiedlich ausgestalten. Mit WORK@BAIN 2.x haben wir das noch flexiblere Arbeiten für unsere Mitarbeiter:innen in einem Konzept gebündelt. Doch bei aller Flexibilität bleibt eines unverändert: Unsere Büros behalten ihre Bedeutung als zentraler Ort für Teamspirit und Unternehmenskultur. Und unser Team freut sich schon wieder auf den einen oder anderen „Casual Friday“ nach Ende der Pandemie.

Durch die nur noch eingeschränkten Reisemöglichkeiten hat sich auch die Beratung der Kunden verändert. Wie sehr ist heute die Präsenz vor Ort gewünscht?

In der Consultingbranche wurde schon immer vorausgesetzt, von überall aus arbeiten zu können. Deswegen waren wir von Beginn der Corona-Pandemie an entsprechend gerüstet. In Zukunft wird es allerdings noch einmal stärker darum gehen, die Möglichkeiten einer virtuellen Zusammenarbeit effektiv zu nutzen. Der Grad der physischen beziehungsweise virtuellen Zusammenarbeit hängt letztendlich vom individuellen Projekt, vom jeweiligen Thema und natürlich von den Kundenbedürfnissen ab. Bei uns ist die technische Bandbreite an Möglichkeiten zur virtuellen Zusammenarbeit seit jeher groß – im Zuge der Corona-Pandemie ist sie sogar noch größer geworden. Und auch unsere Kundschaft zeigt sich in der Projektarbeit zunehmend offen für die intensivere Nutzung von Videokonferenzplattformen, Webinaren und flexiblen Projektmanagement-Tools, die physische Präsenz sinnvoll ergänzen oder ersetzen können. In Summe profitieren somit sowohl unsere Kundinnen und Kunden als auch unsere Mitarbeiter:innen von einem größeren Gestaltungsspielraum im Arbeitsalltag.

In Stellenausschreibungen wird oft „Technologiekompetenz” gefordert. Was verstehen Sie persönlich darunter und wie wappnet man sich im Studium dafür?

Unsere Consultingteams sind inzwischen fachlich sehr divers aufgestellt: Medizin, Physik oder Geisteswissenschaften sind längst keine seltenen Studiengänge mehr. Unabhängig von der Studienrichtung freuen wir uns aber immer, wenn Personen, die sich bei uns bewerben, Interesse an Technologiethemen haben. Bereits während des Studiums ist ein guter Zeitpunkt, sich entsprechendes Grundwissen anzueignen, auf dem man später aufbauen kann. Dies kann von Advanced Analytics über erste Programmierkenntnisse bis hin zu Design Thinking reichen – je nachdem für welche Zukunftsthemen man sich interessiert. Viele dieser Kenntnisse können über Onlinekurse oder auch kostenlose Zusatzangebote an Universitäten erworben werden. Derartige Fähigkeiten sind insbesondere dann entscheidend, wenn auf Projekten Technologieexpertise gefragt ist. Bei Bain ergänzen Expertinnen und Experten aus unserem Advanced Digital and Product Team (ADAPT) fast jedes Projekt. Um effektiv zusammenarbeiten zu können, ist es darüber hinaus hilfreich, wenn Consultants ein Grundverständnis für Technologien mitbringen und Spaß daran haben, Themen aus einem technologischen Blickwinkel zu betrachten.

„Bei Bain unterstützen wir die ambitioniertesten Change-Maker der Welt, die Zukunft neu zu gestalten“

Bernhard Sohnke

Eine naheliegende Schlussfolgerung der Entwicklung hin zu mehr KI-gestützter Datenanalyse wäre, als Beratung vor allem in Technologie zu investieren. Diese ist skalierbar, und im Rahmen der Digitalisierung lässt sich ein erheblicher Know-how-Vorsprung erarbeiten. Warum bleiben Menschen trotzdem in der Beratung elementar?

Sicherlich können dank des technologischen Fortschritts einfache Routinetätigkeiten zunehmend von Maschinen oder Systemen übernommen werden. Vor diesem Hintergrund gewinnen Fähigkeiten wie Kreativität, Problemlösungsexpertise oder soziale Kompetenz der Beschäftigten noch mehr an Bedeutung. Künstliche Intelligenz mit ihren Algorithmen kann bei bestimmten Teilaufgaben unterstützen. Doch die Ergebnisse zu bearbeiten und in den entsprechenden Kontext zu setzen, sie dann mit den Ansprechpersonen auf Kundenseite zu diskutieren und schließlich individuell zugeschnittene Konzepte zu erstellen – das wird nach wie vor von erfahrenen Fachleuten geleistet.

Die demografische Entwicklung sowie sich verändernde Arbeitswelten werden zunehmend zu einem erfolgskritischen Faktor für das Erreichen wirtschaftlicher Ziele. Sie und Ihr Unternehmen haben diese Entwicklung frühzeitig antizipiert. Wie nehmen Sie diese Entwicklung heute wahr und welche Schlussfolgerungen ziehen Sie daraus für Ihre Arbeitsorganisation?

Viele Menschen befassen sich mittlerweile eingehend damit, wie ihr Job künftig aussehen und welche Rolle er in ihrem Leben spielen soll. Dies zeigt unsere aktuelle Studie „The Working Future“, an der weltweit 20.000 Beschäftigte teilgenommen haben. Lediglich für 20 Prozent ist eine gute Bezahlung noch das entscheidende Jobkriterium. Dagegen werden eine interessante Tätigkeit, eine sichere Anstellung sowie flexible Arbeitszeiten immer wichtiger. Gerade die jüngeren Beschäftigten suchen auch nach einer übergeordneten Sinnhaftigkeit in ihrer Arbeit. Wir haben all diese Trends frühzeitig erkannt. Unser Engagement für Diversität und Inklusion ist der Schlüssel für unsere außergewöhnlichen Teams, die den Projekten durch ihre verschiedenen Perspektiven zu anhaltendem Erfolg verhelfen. Anders als bei einem „One size fits all“-Ansatz stehen bei uns individuelle Karrierewege und Gestaltungsfreiheit im Vordergrund, damit sich unsere Bainies entsprechend ihrer persönlichen Vorstellungen und Wünsche weiterentwickeln können. Als besonders wertschätzend beschreiben unsere Beschäftigten auch die Zusammenarbeit mit den Kundinnen und Kunden: Bei Bain unterstützen wir die ambitioniertesten Change-Maker der Welt, die Zukunft neu zu gestalten.

Wir würden Ihnen nachfolgend gerne drei Stichworte geben, um in Erfahrung zu bringen, mit welchen Inhalten Ihr Haus heute Top-Absolvent:innen überzeugt.

Als Erstes nennen wir Challenge …, 

Herausfordernde Aufgaben und frühzeitige Verantwortung stehen bei uns auf der Tagesordnung und sind wesentliche Gründe dafür, dass sich Bewerber:innen für uns entscheiden. Unsere Beschäftigten sind auf ihrem Weg jedoch keineswegs auf sich allein gestellt. Zum einen vermitteln wir im Rahmen umfassender Trainingsprogramme auf allen Leveln breites Business- und Management-Know-how und bieten damit Raum zur individuellen Karrieregestaltung. Zum anderen lassen sich über Netzwerke und Affinity Groups wertvolle Kontakte knüpfen und man kann sich über alle Ebenen hinweg austauschen. Beispiele hierfür sind DACH-weite Communitys, die speziell Frauen, Non-Business-Hires sowie Mitglieder der LGBTIQ+-Community oder anderer Interessengruppen adressieren. Verschiedenste Eventformate wie „Friday Afterworks“, lokale Aktivitäten und Informationsveranstaltungen bieten die Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen und aktuelle Themen zu diskutieren. Individuelle Fragestellungen und Herausforderungen können außerdem auf persönlicher Ebene mit Mentorinnen und Mentoren besprochen werden. Kurzum: Fordern geht für uns nicht ohne fördern. Ein ausgewogenes Verhältnis ist notwendig für Wachstum, neue Perspektiven und Entfaltung.

„Auch im täglichen Miteinander schätzen wir Personen, die sich für Herzensangelegenheiten einsetzen“

Bernhard Sohnke

… als Zweites Sinnstiftung … 

Die Consultingbranche verspricht auch in den kommenden Jahren ein sehr interessantes Betätigungsfeld zu sein. Wer in der Beratung tätig ist, kann die großen Transformationsprojekte über verschiedene Industrien hinweg mitgestalten. Die Themen Digitalisierung, Vernetzung oder Elektrifizierung der Fahrzeuge werden die Automobilbranche beispielsweise für die nächsten ein bis zwei Jahrzehnte beschäftigen. Vielen Unternehmen ist zudem die Fragilität ihrer Lieferketten bewusst geworden, hier gibt es ein großes Unterstützungspotenzial beim Neujustieren. Hinzu kommt das Thema Nachhaltigkeit, das für Firmen zukünftig wichtiger sein wird als die Digitalisierung. Dabei geht es nicht darum, sich als Unternehmen einen grünen Anstrich zu geben. Vielmehr muss Nachhaltigkeit in den Geschäftsmodellen vieler Firmen organisatorisch verankert werden. Abseits der Kundenarbeit haben unsere Berater:innen verschiedenste Möglichkeiten, sich sozial zu engagieren. Gelegenheit hierfür bieten Pro-Bono-Projekte oder die Tätigkeit als Sparringspartner für studentische Gründerteams. Auch im täglichen Miteinander schätzen wir Personen, die sich für Herzensangelegenheiten einsetzen, Spendenaktionen organisieren oder Nachhaltigkeitsinitiativen in ihren Offices vorantreiben.

… und schließlich Arbeit & Leben.

Wir bieten unseren Mitarbeiter:innen maximale Flexibilität bei der Gestaltung ihrer individuellen Weiterentwicklung. Der Grundsatz „Build your own Bain“ ist keine leere Worthülse, sondern ein Versprechen, das jeden Tag mit neuen Beispielen, Modellen und Möglichkeiten befüllt wird. Einerseits wird Flexibilität im beruflichen Alltag durch unser Arbeitskonzept WORK@BAIN 2.x proaktiv gefördert und gelebt. Andererseits gibt es eine Reihe von Optionen, mit denen im Job und im Leben ein neuer Fokus gesetzt werden kann – seien es Teilzeitmodelle, Leave-Optionen oder individuelle Staffing-Modelle. Gerade in puncto Teilzeitmodelle ist es ein Irrglaube, dass diese im Consultingalltag nicht umsetzbar seien. Das Gegenteil ist der Fall. Ob mit oder ohne Nachwuchs: Es lassen sich verschiedenste Möglichkeiten nutzen, um Freiräume zu schaffen. Für alle, die sich akademisch weiterbilden oder persönliche Projekte umsetzen möchten, bieten sich Leave-Optionen an. Im Vergleich zu anderen Jobs hat Consulting den großen Vorteil, nach einer Auszeit genau da einsteigen zu können, wo man aufgehört hat. ​

Zum Ende noch eine persönliche Frage: Wie hat sich im Laufe Ihres Berufslebens Ihre Sichtweise auf Menschen verändert, was ihr Potenzial betrifft? 

Der Beratungsberuf ist sehr herausfordernd und erst mit zunehmender Erfahrung wächst man in die Rolle wirklich hinein. Die Anforderungen an zukünftige Consultants sind dementsprechend hoch, was sich auch in der Wahl der Evaluationskriterien und Bewertungsmethoden im Bewerbungsprozess widerspiegelt. Die sogenannten Case-Interviews sind ein gutes Beispiel dafür, wie anhand von sehr realitätsnahen Fallbeispielen aus dem Consultingalltag festgestellt werden kann, wer sich für den Beratungsberuf eignet. Das Assessment mithilfe von Case-Interviews wurde in den letzten Jahren durch Online-Assessments ergänzt. Diese testen im Rahmen eines Gamification-Ansatzes vor allem analytische und numerische Fähigkeiten und ermöglichen eine vermehrt datengetriebene Bewertung.
Außerdem haben sich zwei größere Veränderungen in der Bewertungsmethodik ergeben. Zum einen steht nun der kulturelle beziehungsweise persönliche Fit verstärkt im Fokus. Case-Interviews wurden beispielsweise um reine Persönlichkeitsinterviews ohne Fallstudienlösung ergänzt. Zum anderen wird großer Wert auf den Abbau von Vorurteilen, der sogenannten „bias reduction“, auf Seiten der Interviewenden gelegt, um bewusste oder unbewusste Fehldiagnosen durch Vergleiche mit gelernten kognitiven Mustern zu eliminieren. Wer sein Gegenüber beraten möchte, muss natürlich auch den Willen zum lebenslangen Lernen mitbringen. Außerdem sollte man in der Lage sein, Bodenhaftung zu bewahren und Risiken mitzudenken, die sich aus der Umsetzung der Empfehlungen ergeben könnten. All diese Kriterien werden bei uns bei der Entscheidung für oder gegen eine Person immer mitberücksichtigt. Die Bedeutung der sozialen Kompetenz wird in Zukunft eher noch zunehmen, es geht nicht nur um Wirtschaftswissenschaften.


Bernhard Sohnke, Director Recruiting bei Bain & Company
Als Director Recruiting verantwortet Bernhard Sohnke das gesamte Consultant-Recruiting, die Talentprogramme sowie die strategische Ausrichtung des Consultant-Recruiting bei Bain & Company in der DACH-Region. Er hat an der Universität Hamburg Business Administration mit den Schwerpunkten Human Resources, Public Management und Business Law studiert und verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Executive Search sowie Management- und Strategieberatung.