Die Chemie passt immer

Das Chemiestudium ist eine solide Karrieregrundlage und lässt viele Möglichkeiten offen

Das Chemiestudium ist eine solide Karrieregrundlage und lässt viele Möglichkeiten offen

Naturwissenschaftler bei Strategy&

„Man ist von vornherein Experte für ein bestimmtes Fachgebiet und findet dadurch sofort Gehör bei Kollegen und Kunden.” Alexander von Falkenhausen weist auf einen entscheidenden Startvorteil hin, den Junior Consultants mit wirtschaftswissenschaftlichem Hintergrund nicht zwangsläufig genießen. Mit der Wahl seines Studiums folgte der Chemiker seinen Neigungen und hielt sich durch kluge Weichenstellungen viele Wege offen. Einer davon führt ihn Ende des Jahres in die USA.

Oft werde ich gefragt, wieso man etwas so anspruchsvolles wie Chemie studiert, um dann nur Unternehmensberater zu werden. Zur Erklärung muss ich damit anfangen, warum ich überhaupt Chemie studiert habe. Während des Abiturs hatte ich im Rahmen eines Wirtschaftskurses Kontakt mit einer Unternehmensberatung, die unsere Teams bei einem Fallstudienwettbewerb begleitet hat. Sowohl die Berater als auch ihre Arbeitsweise fand ich damals schon sehr spannend. Allerdings lagen meine fachlichen Interessen eher im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich.

Schließlich entschied ich mich aus zwei Gründen für ein Chemiestudium: Zum einen wusste ich aus dem Chemieleistungskurs, dass mir diese Disziplin einfach liegt. Zum anderen hätte ich mit einem Abschluss in Chemie eine solide Grundlage für vielfältige spätere Berufsmöglichkeiten: in der Lehre oder in der Forschung, in der Unternehmensberatung, als Patentanwalt oder im Management eines Chemiekonzerns.


Wegweisend: Mein Wahlpflichtfach an der Uni war BWL für Naturwissenschaftler

Alexander von Falkenhausen, Strategy&


Im Hauptstudium musste ich ein Wahlpflichtfach belegen, dass auch nicht-chemisch sein konnte. An diesem Punkt wollte ich für mich entscheiden, in welche Richtung mein Berufsleben später grob gehen sollte. Daher habe mir überlegt, was mich motiviert und woran ich Spaß habe. Herausgekommen sind ein Mix aus Arbeiten in einem leistungsfähigen Team aus jungen und motivierten Kollegen, anspruchsvolle Themen mit regelmäßiger Abwechslung sowie ein wirtschaftlicher Bezug. Entsprechend hieß mein Wahlpflichtfach dann „BWL für Naturwissenschaftler“. Zusätzlich habe ich bei verschiedenen Unternehmensberatungen an Recruitingveranstaltungen teilgenommen, um die jeweiligen Mitarbeiter und ihre Arbeitsweise besser kennenzulernen.

Mit einem Praktikum bei den Inhouse Consultants eines Chemiekonzern gelang der erste Schritt

Alexander von Falkenhausen, Strategy&

Mit zwei Praktika habe ich dann die Brücke zwischen Chemie und  Wirtschaft geschlagen. Im Inhouse Consulting eines Chemiekonzerns war ich noch in hohem Maße mit dem Produkt vertraut, während ich in der Restrukturierungsberatung das erste Mal erlebt habe, wie schnell man sich als Berater auch in neue Themen und neue Branchen einarbeiten muss. Mit Reedereien und dem Getränkegroßhandel hatte ich mich vorher noch nie detailliert auseinandergesetzt. Genau diese Abwechslung und der hohe Anspruch an mich selbst machen mir Spaß. Allerdings wollte ich mich thematisch nicht auf Restrukturierungen beschränken und habe mich trotz eines Jobangebots des Praktikumsunternehmens bei den größeren und breiter aufgestellten Strategieberatungen beworben.

Bei Strategy&, damals noch Booz & Company, haben mich vor allem die Kollegen überzeugt, ebenso wie der Ansatz, zusammen mit den Kunden umsetzbare Konzepte entwickeln zu wollen. Gerade den ersten Punkt halte ich im Nachhinein für besonders wichtig, da wir Berater so viel Zeit mit unseren Projektteams verbringen. In der Regel sind wir vier Tage in der Woche beim Kunden in einer anderen Stadt, so dass wir mit den Kollegen nicht nur die Arbeitszeit, sondern auch einen Teil der Freizeit zum Beispiel bei den Mahlzeiten oder beim Sport verbringen.

Nach drei Jahren bei Strategy& bin ich mit meiner Wahl immer noch sehr zufrieden. Inhaltlich war ich mit Projekten rund um Wachstumsstrategie, Werksanalysen, Prozess- und Logistikoptimierung, Reorganisation, Restrukturierung und Produktionsstrategie in der Chemie-, Energie-, Stahl- und Medizintechnikindustrie so abwechslungsreich unterwegs, wie ich es mir gewünscht habe. Und ich lerne mit jeder Projektwoche immer noch Neues dazu. Meine Kenntnisse aus dem Chemiestudium habe ich erst bei einem Projekt wirklich benötigt, als es darum ging, die Synthesewege potentieller neuer Produkte mit den existierenden Produktionsmöglichkeiten eines Kunden abzugleichen. Bei anderen Projekten in der Chemieindustrie war kein spezielles Fachwissen nötig, mein Studienhintergrund hat mir dennoch sehr geholfen, dass die Klienten schnell Vertrauen zu mir aufzubauen konnten und ich ihre Produkte und die Produktion besser und schneller verstanden habe.

Am meisten profitiere ich im Arbeitsalltag von den im Studium trainierten Fähigkeiten wie analytische und strukturierte Herangehensweise an Probleme, effizientes Arbeiten und ein Auge für das Detail – wenn es darauf ankommt. Ein abgeschlossenes BWL-Studium habe ich bisher nicht vermisst, wenn auch die Inhalte meines Wahlpflichtfachs im Hauptstudium sicherlich meinen Kenntnishorizont bereichert haben. Die Firma bietet zudem zahlreiche Trainings an, in denen von Business Case Modeling bis Präsentationstechnik alles abgedeckt wird.

Dem Anspruch nicht nur für, sondern mit dem Kunden zu arbeiten, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse umsetzbar sind, wird Strategy& in allen Projekten gerecht. Beispielsweise haben wir während der Restrukturierung eines Stahlwerks jedes Einsparpotenzial vom entsprechenden Verantwortlichen bestätigen lassen und durch die Unterstützung der Mitarbeiter des Klienten alle gesteckten Ziele während der Implementierung erreichen können. Sehr gefreut habe ich mich, als ich neulich in der Zeitung gelesen habe, dass das Stahlwerk trotz des anhaltend schwachen Marktes weiterhin wirtschaftlich produziert. Das beweist auch, wie nachhaltig unser Konzept war.


Man arbeitet schon als Berufseinsteiger mit Führungskräften zusammen und bekommt viel Vertrauen geschenkt

Alexander von Falkenhausen, Strategy&


Einzigartig in der Beratung ist, wie schnell man Verantwortung übernimmt und dass man mit relativ hoch angesiedelten Führungskräften schon als Berufseinsteiger zusammenarbeitet. Bei meinem momentanen Kunden, einem amerikanischem Medizintechnik-Konzern, bin ich für die Einführung von Centers of Excellence in einer 6.000 Mitarbeiter starken Produktionseinheit verantwortlich. Dafür bin ich in stetigem Kontakt mit dem Leadership Team der Einheit und den beteiligten 15 Werksleitern in Deutschland, Frankreich, Irland und den USA. Letzte Woche war ich drei Tage in Irland, um sicherzustellen, dass die dortigen Stand orte ihre Produktionskapazitäten einheitlich – genauso wie die anderen Werke weltweit – nach einer von mir vorher entworfenen Methode berechnen.

Ich würde sagen, dass Unternehmensberatung genauso anspruchsvoll wie ein Chemiestudium ist, aber auf eine ganz andere Art und Weise. Als Chemiker in der Beratung gehört man zu den sogenannten Exoten. Das hat keinerlei Nachteile, sondern einen entscheidenden Vorteil: Man ist von vornherein Experte für ein bestimmtes Fachgebiet und findet bei Kollegen und Kunden Gehör. Für mich war das naturwissenschaftliche Studium als Grundlage und der Einstieg bei Strategy& als Berater genau die richtige Kombination. Als nächsten Schritt werde ich im Winter 2015 mit einem von Strategy& geförderten zweijährigen MBA-Studium in den USA beginnen, um mein wirtschaftliches Verständnis zu vertiefen und um meine Führungsfähigkeiten weiter auszubauen.


Autor: Alexander von Falkenhausen, Strategy& (ehemals Booz & Company)

Alexander von Falkenhausen ist Associate im Münchner Strategy&-Büro. Nach einem Chemiestudium in Heidelberg und Madrid sammelte er erste Beratungserfahrungen durch Praktika im Inhouse Consulting eines Chemiekonzerns und bei einer Restrukturierungsberatung. Seit drei Jahren ist er Teil der Operations Practice bei Strategy& und arbeitete während seiner Projekte für internationale Unternehmen der Chemie-, Stahl- und Medizintechnikindustrie unter anderem in Schweden, den Niederlanden, Großbritannien und den USA.