In Company of Bain

Dr. Hannes Hauswald, Bain & Company, im Interview über die Bain-Kultur

Dr. Hannes Hauswald, Bain & Company

Dr. Hannes Hauswald, Bain & Company, im Interview über die “Bain-Kultur”

Dr. Hannes Hauswald ist seit 2008 bei der internationalen Managementberatung Bain & Company. In dieser Zeit durchlief er nicht nur einige Karrierestufen und promovierte, sondern lernte auch das Unternehmen sehr gut kennen. junior//consultant-Chefredakteur Nicolai Haase erzählt der jetzige Manager, welche Unternehmenskultur und Werte das Unternehmen auszeichnen und was für ihn selbst die Gründe waren, nicht nur einzusteigen, sondern auch zu bleiben.

Immer mehr Klienten, die Beratungsleis­tung in Anspruch nehmen, stellen sich auf den Standpunkt: Wir brauchen eine Strategie, aber bitte begleitet uns auch in der Umsetzung. Wie reagiert Bain als klassische Strategieberatung auf diesen Wandel im Beratungsbusiness? Wie nehmen Sie das wahr?

Wir wollen uns an den Ergebnissen unserer Kunden messen lassen. Wenn die Unternehmen mit uns die Implementierung durchführen wollen, oder unsere Unterstützung dabei möchten, haben wir noch mehr Einfluss darauf, Resultate zu erzielen. Am Ende wollen wir, dass der Kunde sagt: Mit Bain haben wir wirklich etwas erreicht, unsere Kundenzufriedenheit ist um 30 Prozentpunkte gestiegen, wir haben unsere Marge signifikant gesteigert, wir haben die Kosten gesenkt. Sichtbare Erfolge geben uns das Gefühl, dass wir einen guten Job gemacht haben. Wenn wir nur ein Strategiepapier abliefern, bedeutet das noch nichts.

Bain war meines Wissens eine der ersten Unternehmensberatungen im deutschen Markt, die sich so konsequent an den Ergebnissen messen ließen. Ist das Ausdruck der Unternehmenskultur und des Bain-Spirit?

Das ist Teil der Bain-Kultur. Am besten ist es, wenn man zurückblickt und feststellt: In der Firma waren wir sehr involviert, wir haben Wert erzeugt für sie und die Shareholder. Deswegen sind uns Ergebnisse extrem wichtig. Je besser wir sie messen können und je transparenter sie sind, desto klarer gestaltet es die Diskussion, ob wir einen guten Job gemacht haben. Das geht auch so weit, dass wir uns bei unserer Vergütung daran messen lassen, wie erfolgreich gearbeitet wurde. Es gibt Vergütungsmodelle, besonders im Einkaufsbereich, wo die Vereinbarung getroffen wird: Das neue Programm reduziert die Einkaufskosten um einen festgelegten Prozentsatz. Wenn wir das erreichen, bekommen wir 100 Prozent des Honorars, wenn wir es nicht erreichen, bekommen wir weniger. Wenn wir mehr erreichen, partizipieren wir an dem Erfolg. Dieses flexible Modell, das an zählbaren Erfolgen anknüpft, kommt sehr gut bei Kunden an, weil es uns eine zusätzliche Verantwortung gibt.

War das für Sie ein Grund, warum Sie zu Bain gegangen sind? War das damals klar für Sie, dass die Erfolgsbeteiligung ein Teil des Geschäftsmodells von Bain ist? 

Das war mir damals vor acht Jahren noch nicht hundertprozentig klar, war aber auch nicht das Wichtigste für mich. Ich habe mich bei verschiedenen Beratungen beworben und da hat sich für mich schnell herauskristallisiert, dass Bain mein Favorit ist.

Grund dafür waren die guten Jobinterviews und die sehr positiven Erfahrungsberichte, die ich aus erster Hand von Freunden und Kommilitonen bekam, die bei Bain angefangen hatten. Tenor: Eine gute Firma, ein sympathisches und gepflegtes Miteinander, mit einer Kultur, die auf die Leistung des Einzelnen abzielt und nicht ein Ausspielen gegeneinander. Das kann ich nach acht Jahren Bain nur bestätigen: Es gibt sehr hohe Ziele, und diese hohen Ziele muss man erreichen, aber man muss dafür niemanden ausstechen. Es gibt bei Bain kein ‘Ich muss besser sein als der andere’.


“Meine Promotion sehe ich rückblickend als erstes eigenes Projekt – und eine wichtige Erfahrung für meine Beratertätigkeit.”

Dr. Hannes Hauswald, Bain & Company


Was hat Sie noch überzeugt? 

Was für mich ebenfalls wichtig war, war pragmatisches und ergebnisorientiertes Arbeiten, wofür Bain in meinen Augen schon immer stand.

Und wie verlief Ihr Einstieg und der weitere Weg?

Ich habe im Februar 2008 angefangen als Associate Consultant, habe zweieinhalb Jahre in dieser Position und danach als Consultant gearbeitet. Dann habe ich im Rahmen des Associate-Consultant-Programms – das ist ein Fortbildungsprogramm von Bain – zwei Jahre  an der WHU  im Bereich Familienunternehmensforschung promoviert. Danach ging es wieder zurück zu Bain.

Helfen Ihnen die Ergebnisse, oder die Beschäftigung mit den Familienunternehmen in Ihrer täglichen Arbeit als Berater? 

Das Thematische meiner Doktorarbeit hat durchaus Bezug zu unseren Kunden. Aber das wichtigere Learning war, die Promotion als erstes eigenes Projekt zu sehen, das man vollkommen selbstständig über einen längeren Zeitraum durchzieht. Mich selbst zu organisieren, einzuarbeiten, zu etablieren und etwas qualitativ Hochwertiges auf die Beine zu stellen, das bringt einen enorm weiter.

Und Sie wurden dabei auch von Bain unterstützt?

Ja, ich habe in dieser Zeit weiter Gehalt bezogen – ausreichend, um als Promotionsstudent über die Runden zu kommen. Diese finanzielle Unterstützung ist super, denn man würde sonst seinen Job wahrscheinlich nicht einfach kündigen und   zwei Jahre an einer Dissertation schreiben.

Sie sagen, Sie haben viel dabei gelernt. Wie steil ist denn die Lernkurve in der Beratung – vor allem nach acht Jahren? 

Die steigt die ganze Zeit. Man lernt kontinuierlich sehr viel dadurch, dass man immer wieder mit neuen Situationen konfrontiert wird. Das kann ein inhaltlich neues Thema sein, eine neue Industrie, aber auch eine neue Herangehensweise. Wenn man Manager wie ich ist, hat man vier bis sieben Teammitglieder. Da kommt schnell die Leadership-Komponente hinzu, an der man arbeiten muss. Und wenn man Partner wird, dann geht es darum, wie man Projekte verkauft. Es ist ein konstantes Lernen, das von vielen Trainings begleitet wird.

Wie viele Trainings machen Sie im Jahr? 

Es gibt viele kleinere, so etwa fünf bis sechs pro Jahr und pro Karrierestufe auch ein großes internationales Training. Alle, die gerade bei Bain weltweit auf dem gleichen Level sind, treffen sich in einer Location für ein bis zwei Wochen und gehen den internationalen Bain-Toolkit durch, der für die Stufe relevant ist. Das ist nicht nur inhaltlich ein Gewinn, es macht auch wahnsinnig viel Spaß, mit Leuten aus der ganzen Welt zusammen Zeit zu verbringen. Bain hat international eine sehr homogene Kultur und ein sehr homogenes Skill- und Themenset. Das wird stark gepflegt.

Durch die unterschiedliche kulturelle Herkunft und die verschiedenen akademischen Hintergründe stimmt aber auch der Mix. Wir haben Mediziner bei uns, haben Physiker bei uns. In England habe ich beispielsweise mit einem ausgebildeten ‘Cow Vet’ zusammengearbeitet, das ist ein Tiermediziner, der auf Kühe spezialisiert ist.

 

Der Bain-Spirit: Neben Erfolgs- und Ergebnisorientiertheit macht vor allem Kollegialität und ausgeprägtes Teamdenken den Geist und die Unternehmenskultur der Strategieberatung aus.


Sie haben Ihren Lebensmittelpunkt in München, aber sind vermutlich viel unterwegs. Wie sieht denn der Berateralltag bei Ihnen aus? 

Ich habe von Anfang an Projekte in verschiedenen europäischen Ländern gemacht, weil ich gerne in internation­alen Teams arbeite. Darauf habe ich meinen Fokus gelegt. Wenn man allerdings sagt: Ich möchte viel in Deutschland arbeiten und weniger reisen, dann lässt sich das auch regeln. Aktuell bin ich von Montag bis Donnerstag in London, den Rest der Woche, also nur drei Tage, in München. Dass das in einem so fordernden Umfeld keine Acht-Stunden-Tage sind, versteht sich von selbst.

Gibt es auch längere Pausen zwischen den Projekten, um wieder aufzutanken? 

Zwischen den Projekten bietet es sich an, Urlaub zu nehmen. Man kann sich auch längere Auszeiten nehmen, hier gibt es verschiedene Modelle bei Bain.

Haben Sie das bereits genutzt und länger freigenommen?

Ja, mit großen Plänen! Ich wollte reisen, den Flugschein machen und Kitesurfen lernen. Aber irgendwie fand ich es dann gut, zu Hause zu sein, einfach mal nichts zu machen und fünf Staffeln Breaking Bad zu sehen. Und dank meines Bruders spiele ich seitdem Golf.

Die meisten unserer Leser stehen am Anfang einer Karriere im Consulting. Was würden Sie ihnen raten?

Sehen Sie zu, dass die Attribute der Firma zu Ihren eigenen passen! Machen Sie sich ein Bild von in Frage kommenden Unternehmen! Gehen Sie so nah wie möglich ran ans Unternehmen, damit man die Realität spürt!

Wir hatten letzten Sommer in Barcelona ein europäisches Recruiting-Event für Absolventen, für das wir sehr gute Kandidaten eingeladen haben. Da waren zehn bis fünfzehn aktive Berater von Bain vor Ort, mit denen man sich austauschen konnte. Wenn man an so etwas teilnehmen kann, bekommt man einen wirklich guten, gewinnbringenden Einblick.


Dr. Hannes Hauswald, Bain & Company

Dr. Hannes Hauswald absolvierte ein Doppelstudium International Business an der ESB Reutlingen und der Tec de Monterrey, Mexiko. Nach verschiedenen Praktika, unter anderem in Singapur, Peru und Uruguay, stieg er 2008 bei Bain & Company als Associate Consultant ein. Nach einem Leave, in dem er an der WHU promovierte, kehrte er zu Bain zurück und ist seit 2015 dort Manager.