IT doesn’t matter? Von wegen!

Expertenbeitrag

In den meisten großen Unternehmen gehört der Chief Information Officer (CIO) mittlerweile zur obersten Führungsebene – das zeigt unter anderem, welch großem Bedeutungswandel das Thema IT unterliegt. Um den gewachsenen Anforderungen kompetent entgegentreten zu können, benötigen IT-Manager und Consultants entsprechende Qualifikationen. Mit welchen Herausforderungen es die Experten zukünftig zu tun haben und was sie dafür mitbringen sollten, erläutert Professor Jan Helmke von der Hochschule Wismar.

Unternehmensberatung beziehungsweise Consulting allgemein hat das Ziel, „betriebswirtschaftliche Probleme des beauftragenden Unternehmens interaktiv mit dem Klienten zu definieren, zu strukturieren und zu analysieren sowie Problemlösungen zu erarbeiten und auf Wunsch ihre Umsetzung gemeinsam mit Vertretern des Klienten zu planen und im Unternehmen zu realisieren“, wie es Volker Nissen in seiner Einführung „Consulting Re-search“(erschienen im Deutschen Universitätsverlag) beschreibt.

Das IT-Consulting war in der Vergangenheit dagegen eher auf die Implementierung von Informationssystemen beschränkt. Hier findet allerdings aufgrund der veränderten Relevanz des IT-Bereichs ein grundlegender Wandel statt. Die zunehmende Globalisierung der Wirtschaft und der damit einhergehende Wandel von Verkäufer- zu Käufermärkten haben in den letzten Jahrzehnten zu einer immer weiteren Verschärfung des Wettbewerbs geführt. Diesen Veränderungen im Unternehmensumfeld kann nur effektiv und effizient begegnet werden, wenn die Organisationen der Unternehmen sich entsprechend anpassen. Diese Anpassung ist als ein permanenter Prozess zu verstehen, wenn das Überleben der Unternehmen langfristig gesichert werden soll. Nur ein ganzheitlicher Ansatz ermöglicht hierbei das Erkennen von Synergieeffekten. Nicht eine operative Einzelprojektorientierung, sondern eine auf das Unternehmen bezogene, ganzheitliche Betrachtungsweise der betrieblichen Abläufe ist für die Erfüllung der strategischen Unternehmensziele notwendig. Ein IT-Consultant muss sich auf diese Situation einstellen. Seine Aufgabe liegt darin, technologische mit organisatorischen Gestaltungsmerkmalen vor dem Hintergrund der Unternehmensstrategie zu verknüpfen.

Die Organisation von Unternehmen muss permanent angepasst werden, wenn sie überleben wollen

Der technologische Wandel bringt es mit sich, dass der IT-Consultant sich immer wieder mit neuen Technologien auseinandersetzen muss. Daraus ergeben sich neue Potenziale. Zu beachten ist dabei, dass für den Berater bei der Problemlösung nicht die Technologie, sondern die Erfolgschancen im Vordergrund stehen, die sich für das zu beratende Unternehmen aus den technologischen Innovationen ergeben.

Hierzu ist zum einen eine strategische Denkweise erforderlich, das heißt, der Consultant muss die strategischen Ziele und die sich daraus ergebenden Maßnahmen korrekt interpretieren können. Zum anderen muss er über organisatorisches Know-how verfügen, denn Strategien werden über die Geschäftsprozesse eines Unternehmens realisiert und die Technologie stellt in der Regel nur das Werkzeug dar, mit dem die organisatorische Lösung verwirklicht wird.

IT wird wieder als ‘strategische Waffe’ im Kampf um Wettbewerbsvorteile betrachtet

Dennoch sind neue Technologien in der Regel die Treiber für den Wandel in den Unternehmen und damit der Auslöser für die Nachfrage von Beratungsleistungen. Während noch vor einigen Jahren die Meinung „IT doesn´t matter“ zu hören war, ist gegenwärtig ein grundlegender Wandel spürbar. Die meisten großen Unternehmen verfügen heute über einen CIO, der Mitglied der obersten Führungsebene des Unternehmens ist, und die IT wird wieder als „strategische Waffe“ im Kampf um Wettbewerbsvorteile betrachtet.

Die Information hat sich zum wesentlichen Produktionsfaktor entwickelt. Damit ist die Wertschöpfungsfunktion der Information im betrieblichen Leistungserstellungsprozess gemeint. Diese Entwicklung liegt sicherlich auch darin be-gründet, dass die IT zum Bestandteil des All- tagslebens geworden ist und potenzielle Kunden heute Technologien als Selbstverständlichkeit betrachten, an die vor einigen Jahren noch nicht zu denken war. Als Beispiel ist das zunehmende Engagement der Unternehmen im Bereich So-cial Media zu nennen. Hier entsteht neben den bisherigen Aktivitäten im World Wide Web ein neuer Bereich, der zu einer weiter ansteigenden Datenflut führt. Eine der großen Aufgaben, vor der Unternehmen stehen, ist es, diese Datenflut zu beherrschen beziehungsweise die Informationen so auszuwerten, dass strategische Vorteile für das Unternehmen erzielt werden. Der IT-Consultant soll durch seine externe neutrale   Perspektive, die frei von Betriebsblindheit ist, den Unternehmen mit neuen Ideen eine wesentliche Hilfe zur erfolgreichen Erfüllung ihrer Aufgaben leisten. Das Studium der Wirtschaftsinformatik liefert dabei mit seinem interdisziplinären Ansatz eine hervorragende Ausgangsbasis für den Beruf.

Der IT-Consultant soll frei von Betriebsblindheit den Unternehmen mit neuen Ideen Hilfe leisten

Der IT-Consultant hat es bei seiner Beratungsaufgabe mit unterschiedlichen Technologien aus den Bereichen Anwendungssoftware, Datenbanken, Systemsoftware, Hardware und Kommunikation zu tun. Dies erfordert ein technologisches Grundverständnis, das mit strategischem und organisatorischem Wissen kombiniert werden muss. In Prozessen zu denken, hat hierbei eine besonders hohe Bedeutu

Das Ziel des Masterstudienganges Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Wismar mit seiner Profillinie „IT-Management und IT-Consulting“ liegt darin, den von der Praxis geforderten ganzheitlichen Ansatz für das IT-Management beziehungsweise IT-Consulting zu liefern. Der Unterschied zwischen den beiden ist die Perspektive auf die Probleme. Der dargestellte Ansatz kann sowohl dem IT-Manager eines Unternehmens als auch dem IT-Consultant einer Beratung zur Orientierung bei der Gestaltung der IT dienen. IT-Manager und ihre Mitarbeiter nehmen dabei zunehmend die Rolle interner Berater ein, sodass es zu einer Annäherung der Perspektiven kommt. Die Fachabteilungen können aufgrund ihrer eingeschränkten Sichtweise meist nicht den organisatorischen Ansatz der Prozessorientierung verfolgen. Deshalb ist es Aufgabe der IT-Abteilung, diese strategische Aufgabe in den Unternehmen zu übernehmen. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Studienganges ist die Förderung der interkulturellen Kompetenz. Weltweit operierende Unternehmen setzen globale, unternehmensweite Informationssysteme ein. Die Globalität des Informationssystems ist dabei ein strategischer Erfolgsfaktor, der sich auf die Wettbewerbsposition des Unternehmens auswirkt. Hierbei muss zur Verbesserung des Wertschöpfungsprozesses weltweite Teamarbeit mithilfe entsprechender Kommunikations- und Anwendungsstrukturen realisiert werden. Der IT-Consultant benötigt hierfür interkulturelle Kompetenzen, die es ihm ermöglichen, die internationalen Belange erfolgreich zu lösen.

Ausgehend von der Unternehmensstrategie über die organisatorische Gestaltung bis zur Zusammensetzung technologischer Gestaltungsmerkmale liefert der an der Hochschule Wismar im Präsenz- und im Fernstudium (über die WINGS) angebotene Masterstudiengang einen durchgängigen Gestaltungsrahmen. Neben diesen Studiengängen existiert ein internationaler Masterstudiengang mit gleicher Ausrichtung, der in Kooperation mit der Universität Stettin durchgeführt wi

Prof. Dr. Jan Helmke ist Studiengangsleiter der Wirtschaftsinformatik-Studiengänge an der Hochschule Wismar. Gleichzeitig ist er im Beirat der TGCG Management Consultants, Düsseldorf, und Aufsichtsratsvorsitzender der Panther AG, München.