
Chemie trifft Strategie
Katrin Schubert ist Fellow bei McKinsey – der entscheidende Impuls dafür war ein Praktikum. Nach ihrem Chemiestudium an der FAU Erlangen-Nürnberg suchte sie bewusst nach einem Berufsfeld jenseits des Labors und entschied sich 2024 für ein Praktikum bei McKinsey. Ein Jahr später folgte der feste Einstieg. Im Interview berichtet sie, wie sie die Case-Interviews erlebt und gemeistert hat, welche Kompetenzen aus der Chemie im Consulting besonders wertvoll sind – und warum das Praktikum mehr ist als nur ein erster Einblick.
Katrin, du hast Chemie studiert und arbeitest heute als Beraterin bei McKinsey. Wie kam es zu dieser Entscheidung – und war Consulting für dich schon während des Studiums ein Thema?
Gegen Ende meines Masters wurde mir klar, dass ich nicht den klassischen Weg in die Laborarbeit oder eine entsprechende Leitungsfunktion einschlagen möchte. Ich habe daher gezielt nach Berufsfeldern gesucht, in denen ich meinen naturwissenschaftlichen Hintergrund nutzen kann, ohne im Labor tätig zu sein.
In dieser Phase habe ich verschiedene Bereiche ausprobiert – von Patentanwaltskanzleien bis hin zur Beratung – und mehrere Praktika absolviert, um herauszufinden, was wirklich zu mir passt.
Wo kam es zum ersten Kontakt mit McKinsey?
Meinen ersten konkreten Berührungspunkt mit McKinsey hatte ich 2023 bei einem Karriereevent. Dort kamen Naturwissenschaftler:innen zusammen, um Einblicke in den Beratungsalltag zu erhalten. Besonders beeindruckt haben mich die Teilnehmenden und die Faculty, also die Kolleg:innen von McKinsey. Das Event hat mein Interesse an der Beratung nachhaltig geweckt.
Beim Interviewtag herrscht keine Konkurrenzsituation, da es keine festgelegte Anzahl an freien Stellen gibt
Katrin Schubert // McKinsey
Wie hast du dich auf das Praktikum 2024 bei McKinsey beworben und wie lief der Bewerbungsprozess ab?
Ich habe mich über das Online-Portal beworben. Zunächst folgte ein digitales Interview. Etwa einen Monat später wurde ich zu einem Interviewtag nach Berlin eingeladen, bei dem ich zwei persönliche Gespräche geführt habe. Der Prozess war toll organisiert und sehr wertschätzend. Meine Recruiting-Ansprechpartnerin hat mir stets den nächsten Schritt erklärt.
Obwohl beim Interviewtag mehrere Bewerber:innen sind, herrscht keine Konkurrenzsituation, da es keine festgelegte Anzahl an freien Stellen gibt. Es kann also theoretisch Interviewtage geben, an denen alle Bewerber:innen ein Angebot bekommen oder auch Tage, an denen kein Angebot ausgesprochen wird. Am Abend vor den Gesprächen hat man außerdem die Möglichkeit, am optionalen Vorabend-Dinner teilzunehmen und so mit den anderen Bewerber:innen und zwei McKinsey-Kolleg:innen in den Austausch zu kommen.
Case-Interviews gelten als große Hürde. Wie hast du dich darauf vorbereitet – und welche Tipps würdest du insbesondere Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftlern mitgeben?
Zur Vorbereitung habe ich intensiv mit Portalen gearbeitet, die sich auf die Case-Vorbereitung spezialisiert haben, zum Beispiel CaseCoach. Es ist sehr hilfreich, Übungspartnerinnen und -partner zu finden, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Wenn man gut harmoniert, lohnt es sich, regelmäßig gemeinsam zu üben, um die eigene Entwicklung zu verfolgen.
Für mich war es besonders wichtig, zunächst betriebswirtschaftliche Grundlagen zu verstehen, Kopfrechnen zu trainieren und dann vor allem viele Cases zu üben. Am Anfang fühlt sich das ungewohnt an, aber mit der Zeit entwickelt man eine Routine. Mein wichtigster Tipp: dranbleiben und sich nicht entmutigen lassen.

Wie sah dein Praktikum konkret aus? An welchen Aufgaben oder Projekten hast du gearbeitet und was hat dich dabei besonders überrascht?
Ich war während meines Praktikums bei einem Verpackungshersteller für ein Strategieprojekt eingesetzt. Im Verpackungsbereich für Konsumgüter durfte ich von Beginn an mit der Unterstützung meines Projektleiters einen eigenen Workstream verantworten. Diese frühe Eigenverantwortung hat mir besonders viel Freude bereitet. Ich konnte sowohl in Kliententerminen als auch in der Contentarbeit aktiv mitwirken.
Am meisten überrascht hat mich neben der Verantwortung die Teamkultur. Jede Person im Team hat mich unterstützt und gefördert. Mit vielen Kolleginnen und Kollegen bin ich bis heute in Kontakt und pflege eine Freundschaft.
Es galt immer: Hochschulen bereiten auf eine Laufbahn in Forschung und Lehre vor (und nicht eine Karriere in Industrie oder Dienstleistung), gerade in den Naturwissenschaften. Hat sich das aus deiner Sicht geändert?
Teilweise würde ich dieser Sichtweise auch heute noch zustimmen. Gerade in den Naturwissenschaften liegt der Fokus häufig stark auf Forschung und Detailtiefe. Dabei geht manchmal der pragmatische Blick auf die Anwendung verloren. Doch die naturwissenschaftliche Methodik – Probleme präzise erfassen und aus verschiedenen Perspektiven lösen – ist genau das, was die Beratung braucht. Und genau deshalb sind diverse Fachrichtungen so wichtig.
Inwiefern hilft dir dein Chemiestudium heute in der Beratung? Welche Fähigkeiten aus dem Studium – etwa analytisches Denken oder strukturiertes Arbeiten – sind besonders wertvoll, und wo siehst du konkrete Überschneidungen zur Beratung?
Ich habe bereits an Projekten mit chemischem Bezug gearbeitet, bei denen mir mein fachliches Hintergrundwissen insbesondere im Austausch mit dem Klienten geholfen hat.
Darüber hinaus sind es vor allem übertragbare Kompetenzen aus dem Studium, die wertvoll sind: analytisches Denken, strukturiertes Problemlösen und die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte zu durchdringen. Diese Fähigkeiten lassen sich in der Beratung direkt anwenden und kontinuierlich weiterentwickeln.
Gab es auch Herausforderungen, weil du keinen klassischen BWL-Hintergrund hast? Musstest du dir bestimmte Themen oder Denkweisen erst aneignen?
Zu Beginn war vieles neu – insbesondere betriebswirtschaftliche Begriffe und typische Buzzwords. Es kommt auch heute noch vor, dass ich auf unbekannte Begriffe stoße.
Der Vorteil ist jedoch: Die Lernkurve ist steil. Vieles erschließt sich schnell, und Kolleginnen und Kollegen unterstützen jederzeit. Für mich hat hier ganz klar „Learning by Doing“ funktioniert. Die wichtigsten Grundbegriffe und Konzepte erlernen Berater:innen bei Trainings direkt nach ihrem Einstieg. Grundsätzlich wird man bei McKinsey immer mit den Ressourcen ausgestattet, die man für die erfolgreiche Projektarbeit benötigt, vom Wirtschaftswissen hin zu AI-Tools.
Unterschiedliche fachliche Hintergründe führen zu unterschiedlichen Denkansätzen, die in Projekten zusammenkommen und dadurch die Qualität der Lösungen deutlich erhöhen
Katrin Schubert // McKinsey
McKinsey rekrutiert gezielt auch Naturwissenschaftler:innen und First-Generation-Students. Ist diese Diversität im Arbeitsalltag spürbar – und welche Rolle spielen unterschiedliche fachliche Hintergründe in der Projektarbeit?
Ja, diese Diversität ist im Arbeitsalltag deutlich spürbar. Unterschiedliche fachliche Hintergründe führen zu unterschiedlichen Denkansätzen – und genau das bereichert die Zusammenarbeit.
In Projekten kommen verschiedene Perspektiven zusammen, was die Qualität der Lösungen deutlich erhöht. Dieses Zusammenwirken unterschiedlicher Sichtweisen ist aus meiner Sicht ein zentraler Erfolgsfaktor.
2025 bist du fest als Beraterin eingestiegen. Wie kam es zur Übernahme, war das schon während des Praktikums absehbar – und was hat sich seitdem verändert, beispielsweise in Bezug auf Verantwortung, Erwartungen und Arbeitsalltag?
Am Ende meines Praktikums habe ich ein Übernahmeangebot erhalten. Ich habe zunächst intensiv überlegt, ob ich direkt promovieren oder zunächst Berufserfahrung sammeln möchte. Letztlich habe ich mich entschieden, zunächst bei McKinsey einzusteigen und perspektivisch im Rahmen eines Educational Leaves meine Promotion nachzuholen. Als Fellow trägt man mehr Verantwortung. Ich sehe das als natürlichen Entwicklungsschritt und als Chance, weiter zu wachsen.
Wie würdest du die Kultur bei McKinsey beschreiben, gerade für Berufseinsteiger:innen? Welche Unterstützung, Trainings oder Mentoring-Angebote hast du erlebt – und wo siehst du dich selbst in den nächsten Jahren?
Ich habe bei McKinsey eine sehr unterstützende und offene Kultur erlebt. Kolleginnen und Kollegen haben mich sowohl fachlich als auch persönlich begleitet und gefördert. Die Trainingsformate sind inspirierend und praxisnah – ich nehme aus jedem Training neue Impulse mit. Besonders wertvoll ist für mich das Mentoring-Netzwerk, das ich mir über die Zeit aufbauen konnte. Es gibt immer Ansprechpersonen, die unterstützen und ehrliches Feedback geben.
In den kommenden Jahren freue ich mich darauf, mich weiterzuentwickeln und zusätzliche Verantwortung zu übernehmen. Perspektivisch plane ich, im Rahmen eines Educational Leave meine Promotion im Bereich Medizinphysik nachzuholen.

Katrin Schubert ist Fellow bei McKinsey & Company in München. Sie studierte Chemie (M.Sc.) an der FAU Erlangen-Nürnberg und absolvierte ein Auslandssemester an der University of Oslo. Während ihres Studiums sammelte sie praktische Erfahrungen unter anderem in Praktika sowie als Academic Tutor. Im Oktober 2024 begann sie ihr Fellow Internship bei McKinsey und wurde im April 2025 als Fellow übernommen. Ergänzend engagierte sie sich mehrere Jahre ehrenamtlich, unter anderem als Vorständin der Fachschaftsinitiative Chemie und Molekularwissenschaften an der FAU und als Coach beim Bayerischen Roten Kreuz in der Wasserrettung.