
Teresa Dietl, hier privat unterwegs in Taiwan
Von München nach Mailand durch Office-Rotationen bei Roland Berger
Das European Female Talent Program von Roland Berger eröffnet jungen Frauen einzigartige Karrierewege in der internationalen Beratung. Teresa, Teilnehmerin des Programms, gewährt uns Einblicke in ihre Erfahrungen mit Office-Rotationen, kulturellen Unterschieden und persönlicher Entwicklung. Im Interview erzählt sie von ihrer Zeit in Mailand, besonderen Trainingsformaten und den wertvollen Bindungen, die sie zu ihren Programmkolleginnen aufgebaut hat. Ein authentischer Blick hinter die Kulissen eines Programms, das weit über den klassischen Berufseinstieg hinausgeht.
Teresa, du nimmst derzeit am European Female Talent Program von Roland Berger teil. Kannst du kurz beleuchten, was es umfasst und was der Unterschied zu einem „normalen“ Direkteinstieg ist?
Das European Female Talent Program bietet die Möglichkeit, neben dem Heimatstandort zwei weitere europäische Roland Berger Offices innerhalb der ersten zwei Jahre kennenzulernen.
Besonders schön finde ich, dass alle Teilnehmerinnen des Programms als Kohorte zu einem festen Zeitpunkt starten. Vor dem zweiwöchigen Kickoff-Event, an dem alle Neueinsteiger:innen bei Roland Berger teilnehmen, haben wir Teilnehmerinnen des European Female Talent Programs einen Tag gemeinsam in München verbracht, um uns besser kennenzulernen. Darüber hinaus absolvieren wir gemeinsame Trainings im Rahmen des Programms an verschiedenen europäischen Standorten. Neben dem Start in München haben wir uns beispielsweise schon in Amsterdam und Paris getroffen.
Zwischen uns Teilnehmerinnen aus den verschiedenen europäischen Offices ist inzwischen eine enge Freundschaft entstanden. Für mich persönlich ist diese Bindung und dieser „Safe Space“ zwischen uns wirklich etwas Besonderes. Im Vergleich zum regulären Festeinstieg bietet das European Female Talent Program einige zusätzliche Aspekte, darunter ein bis zwei Auslandsaufenthalte in den ersten beiden Jahren inklusive „Female Mentoring“, ergänzende Trainings sowie die gemeinsame Reise mit der Kohorte.
Mich begeistert das internationale Umfeld mit vielen unterschiedlichen Projekten
Teresa Dietl // Roland Berger
Was hat dich motiviert, dich für dieses Programm zu bewerben?
Ich wusste schon früh, dass ich mich im Consulting sehe, da ich die Möglichkeit zu reisen sehr schätze und mich das internationale Umfeld mit vielen unterschiedlichen Projekten begeistert. Von Anfang an war mir die internationale Komponente sehr wichtig, da ich gerne für längere Zeit in einem anderen europäischen Land leben wollte. Tatsächlich bin ich zufällig bei der Recherche auf das European Female Talent Program von Roland Berger gestoßen und dachte mir „das ist der perfekte Einstieg für mich“. Genauso ist es dann zum Glück auch gekommen. Das Programm beinhaltet Office-Rotationen in Europa und eine enge Begleitung durch Mentoring und Training.
Was war für dich bisher die größte Bereicherung in diesem internationalen Umfeld?
Definitiv mein Office Exchange ins Mailänder Büro – diese Zeit war für mich sowohl beruflich als auch persönlich besonders bereichernd. Ich hatte die Chance, nicht nur in ein anderes Büro, sondern auch in eine völlig andere Arbeitskultur einzutauchen. Obwohl Italien geografisch nah und natürlich Teil Europas ist, sind die Unterschiede im Arbeitsalltag erstaunlich präsent. Auf den ersten Blick wirkt vieles entspannter: Meetings beginnen selten vor 9:30 Uhr, und eine ausgedehnte Mittagspause von bis zu eineinhalb Stunden in leckeren Restaurants ist völlig normal. Hinter dieser entspannten Fassade verbirgt sich jedoch eine starke Arbeitsmoral. Beispielsweise arbeiten die Kolleg:innen häufig freitags bis spät abends im Büro, was bei uns eher unüblich ist, da der Freitag oft das Wochenende einläutet.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Trainingsangebot in Mailand zum Thema Stressbewältigung. Die Atmosphäre war, wie bei allen Trainings, die ich bisher absolviert habe, sehr entspannt und auf einer persönlichen Ebene. In einem Teil des Trainings wurden anhand von besonderen Gegenständen sehr persönliche Geschichten geteilt. Zum Beispiel erinnerte sich eine Kollegin durch ein blaues Armband einer anderen Person an ihre Kindheit am Meer. Das fand ich besonders berührend und hat mir gezeigt, wie viel Kraft auch in Verletzlichkeit steckt.
Gab es für dich einen Moment im Programm, der ein echtes Aha Erlebnis war – vielleicht ein Workshop, ein Training oder ein Gespräch mit einem Mentor oder einer Mentorin?
Im Rahmen des European Female Talent Programs haben wir gemeinsam ein „Presence & Performance“-Training in München absolviert. Dabei hatten wir die Möglichkeit, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und unser schauspielerisches Talent unter Beweis zu stellen. Diese Erfahrung hat nicht nur viel Spaß gemacht, sondern mir auch verdeutlicht, wie wichtig es ist, die eigene Komfortzone zu verlassen, Feedback anzunehmen und konstruktiv umzusetzen. Besonders leicht fiel es mir, mich darauf einzulassen, da wir Teilnehmerinnen in unserem „Safe Space“ waren, was ich sehr geschätzt habe. Darüber hinaus hatte ich bei meinem aktuellen Projekt das Aha-Erlebnis, dass mir die Zusammenarbeit mit Menschen, die eine Leidenschaft für ihre Arbeit haben, am meisten Spaß macht und mich motiviert. Auch dies war für mich ein bedeutender Moment, und ich habe mir vorgenommen, niemals für etwas zu arbeiten, das mich nicht begeistert.
Ich arbeite seit meinem Einstieg im Bereich Energy & Infrastructure und begleite Projekte zu Nachhaltigkeitsthemen
Teresa Dietl // Roland Berger
Du hast bereits erste Einblicke in Projektarbeit gewonnen. An welchen Themen arbeitest du und was begeistert dich daran?
Ich arbeite seit meinem Einstieg im Bereich Energy & Infrastructure und begleite Projekte zu ganz unterschiedlichen Nachhaltigkeitsthemen – oft geht es um grüne Technologien oder ESG-Strategien (Environmental, Social, Governance).
Für mein erstes Projekt durfte ich nach Amsterdam zu einem Scale-up, das eine revolutionäre Technologie für Direct Air Capture entwickelt hat. Dabei wird CO2 direkt aus der Umgebungsluft gefiltert und anschließend gespeichert oder wiederverwendet – eine vielversprechende Lösung, um bestehende Emissionen aktiv aus der Atmosphäre zu entfernen. Unsere Aufgabe war es, den Business Case des Kunden zu prüfen und eine Standortempfehlung auszusprechen. Der Austausch mit dem Kunden war unglaublich spannend, da sehr viel Interesse und Begeisterung für unsere Ergebnisse vorhanden war.
In einem anderen Projekt habe ich intern am ESG-Report für Roland Berger mitgearbeitet. Besonders interessant war es, ein internes Projektteam kennenzulernen und dabei mit Kolleg:innen aus allen Offices weltweit zusammenzuarbeiten. Ein Schwerpunkt war die Berechnung und Validierung der CO2-Emissionen aller Standorte. Überraschend für mich: Ein großer Teil der Emissionen entsteht durch Hotelaufenthalte und Restaurantbesuche – ein Aspekt, den ich im Alltag vorher unterschätzt habe.

Mich begeistert besonders der Gedanke, dass Nachhaltigkeit ein strukturelles Thema ist, bei dem Veränderungen auf Ebene von Unternehmen und Institutionen entscheidend sind. Natürlich kann und sollte jede:r Einzelne einen Beitrag leisten, aber die große, spürbare Transformation wird erst auf dieser Ebene möglich. Durch meine Projekte habe ich die Chance, diesen Wandel ein kleines Stück mitzugestalten – und genau das motiviert mich jeden Tag aufs Neue.
Wie erlebst du die Unterstützung bei Roland Berger in Bezug auf Karriereplanung und persönliche Weiterentwicklung – auch im Vergleich zu deinen bisherigen Erfahrungen?
Meine Mentorin unterstützt mich sehr stark in professioneller und persönlicher Weiterentwicklung. Wir sprechen alle zwei bis drei Wochen und ich kann mit allen Themen auf sie zukommen. Ich könnte mir gut vorstellen, in Zukunft eines der vielen Angebote zur Weiterentwicklung von Roland Berger im Rahmen der B&me Initiative, beispielsweise ein Social Fellowship zu absolvieren. Hier besteht die Möglichkeit, bis zu drei Monate eine gemeinnützige Organisation zu unterstützen und gleichzeitig finanzielle Unterstützung von Roland Berger zu erhalten.
Generell reise ich sehr gerne. Daher schätze ich auch beispielsweise das Angebot von bis zu 25 zusätzlichen unbezahlten Urlaubstagen. Das sind auch Themen, die ich mit meiner Mentorin bespreche und die von ihr auch unterstützt werden. Darüber hinaus bin ich aktuell selbst Mentorin für Studentinnen der Universität Mannheim, an der ich meinen Bachelor gemacht habe. Aktuell spreche ich einmal im Monat mit drei Studentinnen und unterstütze sie in allen Fragen rund um Studium, Praktika oder Berufseinstieg. Solche Angebote gab es während meines Studiums noch nicht, aber ich finde es eine super Möglichkeit und glaube, dass es mir früher auch sehr geholfen hätte, von den Erfahrungen anderer zu profitieren.
Ich durfte bereits in mehreren Projekten mit internationalen Kolleg:innen zusammenarbeiten
Teresa Dietl // Roland Berger
Du hast im Studium internationale Stationen absolviert. Inwiefern hilft dir diese internationale Perspektive jetzt bei Roland Berger?
Da ich während meines Studiums sowohl in Brasilien als auch in Hongkong war, habe ich gelernt, in verschiedensten Kulturen zu leben und mit den unterschiedlichsten Menschen zu arbeiten. Das gibt mir ein sehr großes Einfühlungsvermögen in der Zusammenarbeit mit internationalen Kolleg:innen bei Roland Berger oder bei Kunden.
Bisher durfte ich schon in mehreren Projekten mit internationalen Kolleg:innen zusammenarbeiten, wurde mit unterschiedlichsten Kulturen konfrontiert und konnte gleichzeitig von den diversen Blickwinkeln profitieren. Tatsächlich durfte ich bei meiner Mitwirkung am internen ESG-Report mit Kolleg:innen aus allen Roland Berger Offices weltweit zusammenarbeiten und konnte so auch Einblicke in die unterschiedlichen Arbeitsatmosphären in den verschiedenen Ländern bekommen.
Was würdest du jungen Frauen raten, die überlegen, sich ebenfalls für das European Female Talent Program zu bewerben?
Ich kann das European Female Talent Program nur empfehlen und glaube, dass es perfekt geeignet ist für alle Berufseinsteigerinnen, die im Consulting durchstarten möchten. Man lernt unglaublich viel, baut sich durch den Auslandsaufenthalt schnell ein internationales Netzwerk auf und erhält vielfältige Unterstützung, sowohl von Mentorinnen als auch im Austausch mit den anderen Teilnehmerinnen, was ich besonders schätze. Übrigens: Gerne stehe ich jederzeit für Fragen über LinkedIn zur Verfügung.
Teresa Dietl // Roland Berger
Teresa Dietl, Jahrgang 1997, hat Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim studiert und anschließend einen Master in International Management (CEMS) an der WU Wien absolviert, inklusive Auslandsaufenthalten in Hongkong und Rio de Janeiro. Sie ist Teilnehmerin des European Female Talent Programs bei Roland Berger. Im Rahmen des Programms sammelt sie Erfahrungen in verschiedenen europäischen Offices, arbeitet an Beratungsprojekten mit und profitiert von Trainings und Mentoring Formaten. In ihrer Freizeit macht sie viel Sport liest gern, reist viel oder verbringt Zeit in ihrer Wahlheimat Wien mit ihren Freund:innen.
Dieser Artikel ist auch erschienen in der Printausgabe von junior //consultant 3-2025 Female Consulting