Consulting bei KPMG: Ioannis Tsavlakidis im Interview

Ioannis Tsavlakidis leitet Consulting bei KPMG

Ioannis Tsavlakidis leitet Consulting bei KPMG

„Ein Wendepunkt in der Digital-Kultur“ – Ioannis Tsavlakidis im Interview

Ioannis Tsavlakidis von KPMG führt als Bereichsvorstand den Consultingbereich in Deutschland und ist als Head of Consulting auch für die gesamte EMA-Region verantwortlich. Professor Dietmar Fink, der wohl renommierteste Branchenexperte, sieht in ihm den Garanten für den Erfolg von Consulting bei KPMG. Im Interview ordnet Ioannis Tsavlakidis die Folgen der Krise ein und spricht die angehenden Absolventen ­direkt an: „Unser Interesse an Nachwuchstalenten ist ungeachtet der Krise weiterhin ungebrochen”.

Herr Tsavlakidis, wie hat sich für Sie und Ihr Team das Arbeiten in der Corona-Krise verändert?

Die Umstellung auf das Homeworking hat bei uns hervorragend funktioniert – nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sind wir alle sehr schnell in einen reibungslosen und effizienten Arbeitsmodus gekommen. Auch die Erfahrung bei unseren Kunden war bisher sehr positiv – hier haben sich die Digitalisierungsinitiativen der Vergangenheit ganz klar ausgezahlt und die Mitarbeiter konnten schnell und ohne größere Komplikationen das normale Tages- und Projektgeschäft weiterführen.


Zukünftig werden sich Unternehmen noch intensiver mit der digitalen Transformation beschäftigen

Ioannis Tsavlakidis, Consulting bei KPMG


Wenn Sie vom Tages- und Projektgeschäft sprechen: Ist man jetzt bei KPMG ganz froh, dass man auf das Brot-und- Butter-Geschäft der Prüfung setzen kann? Dieser Bereich kann von den Kunde schließlich nicht verschoben werden.

Wir haben in den vergangenen Monaten gute Ergebnisse in allen Geschäftsbereichen realisiert – für den Consulting-Bereich kann ich sagen, dass wir auch in den letzten Monaten großartige Wins erzielt haben, darunter einige große Transformationsprojekte. Es zeigt sich, dass wir in der Vergangenheit und auch heute auf die richtigen Themen gesetzt haben und unsere Kunden jetzt optimal bei ihren Herausforderungen begleiten können.

Wie beurteilen Sie die generelle Aussicht im Consulting? Wird der Wirtschaftseinbruch auch die Nachfrage nach Beratung hart treffen?

Wir sehen aktuell, dass zahlreiche Unternehmensbereiche und -funktionen einem hohem Veränderungsdruck unterliegen, den viele Firmen nur schwer mit Bordmitteln adressieren können. Hier sehe ich großes Potenzial für die Beratung. Da wir in den vergangenen Jahren neben fachlichem und technologischem Know-how auch unser sektorspezifisches Wissen konsequent aufgebaut haben, verfügen wir bei KPMG über die optimalen Werkzeuge, Kunden bei diesen Herausforderungen zu begleiten und zu unterstützen. Insofern bin ich optimistisch gestimmt.

Kann die Krise auch zu einem Wendepunkt in der Digital-Kultur werden?

Definitiv! In gewisser Hinsicht wirkt die aktuelle Krise wie ein Katalysator, denn die schnelle, unternehmensweite Umstellung auf Homeoffice über nahezu alle Branchen hinweg hat deutlich gezeigt, dass digitales, mobiles Arbeiten mindestens genauso gut funktioniert wie im Büro. Darüber hinaus bin ich davon überzeugt, dass die aktuelle Situation auch für viele Unternehmen einen nachhaltigen Impuls hinsichtlich der eigenen digitalen Transformation bedeutet. Die Firmen haben erkannt, dass sie schnell und flexibel auf neue Gegebenheiten reagieren müssen – und in schlanken, digitalen Prozessen liegt der Schlüssel zu ebenjener Flexibilität.

„KPMG hat in der technologischen Unternehmensberatung unter der Führung von Ioannis Tsavlakidis enorm zugelegt.“ Professor Dietmar Fink untersucht zusammen mit Bianka Knoblach an der WGMB die Leistungsfähigkeit der einzelnen WP-Gesellschaften

„KPMG hat in der technologischen Unternehmensberatung unter der Führung von Ioannis Tsavlakidis enorm zugelegt.“ Professor Dietmar Fink untersucht zusammen mit Bianka Knoblach an der WGMB die Leistungsfähigkeit der einzelnen WP-Gesellschaften

Im Ranking der Fink-Studie, deren Grundlage die Befragung des Top-Managements bildet, ist die IT-Beratung von KPMG erneut zur Nummer 1 gekürt worden. Wo sehen Sie selbst die größten Kompetenzfelder in Ihrem Bereich?

Unsere Stärke liegt darin, dass wir uns sehr breit aufgestellt haben und somit in der Lage sind, große Transformationsprogramme ganzheitlich zu begleiten und hierbei von der Strategie bis hin zur Umsetzung unser Wissen und unsere Erfahrung einzubringen. Ergänzt wird dies durch unsere Technologie- und Sektorexpertise. So können wir unsere Services mithilfe von innovativer Technologie entlang der Wertschöpfungskette anreichern, das Expertenwissen von Brancheninsidern einfließen lassen und bei Bedarf auf das Know-How unserer Technologie-Partner zurückgreifen.


Unser Stärke liegt darin, dass wir in der Lage sind, große Transformations­programme ganzheitlich zu begleiten

Ioannis Tsavlakidis, KPMG


Darüber hinaus profitieren unsere Kunden davon, dass wir Lösungen wie beispielsweise Datensicherheit, Steuer- und Rechtsberatung in unsere Consulting-Projekte integrieren, um den gesamten Transformationsprozess abzusichern und begleiten zu können – durch unsere globale Aufstellung völlig unabhängig von Landes- und Bereichsgrenzen.

In unserem Schwestermagazin high potential wurden Sie im „WP-Absolventenradar“ von Professor Fink hoch gelobt. Laut seiner Studie zeichnet Ihre Arbeit vor allem das Verständnis der Kundenanforderungen aus sowie die Fähigkeit, Technologien darauf aufbauend sehr passgenau einzusetzen. Können Sie uns ein Beispiel nennen, mit welchen Fragestellungen Kunden auf Sie zukommen und welche Lösungen Sie mit Ihren Teams dann entwickeln?

Über Professor Finks Einschätzung habe ich mich persönlich außerordentlich gefreut und es zeigt eindeutig, dass wir die richtigen strategischen Schwerpunkte gesetzt haben. Wir können mit Stolz sagen, dass Technologie inzwischen eine unserer relevanten Kernkompetenzen darstellt. Grundsätzlich ist die Bandbreite der Anfragen sehr hoch, und insbesondere bei großen Transformationsvorhaben sind die Fragestellungen unserer Kunden niemals singulärer Art. Am Beispiel COVID-19 wird diese sehr deutlich: Hier arbeiten wir beispielsweise mit unseren Kunden daran, Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu schaffen. Dies bedeutet, dass wir einerseits prozessual beraten, daneben aber auch mithilfe von Data & Analytics und weiteren technologischen Mitteln innovative Lösungen einsetzen.

Worauf können sich Absolventen neben diesen innovativen Lösungen verlassen, die in das Consulting von KPMG einsteigen?

Wir bieten ein hoch professionelles Umfeld, das Mitarbeiter von Anfang an motiviert, sich proaktiv einzubringen und neben einer steilen Lernkurve auch zahlreiche Möglichkeiten zur individuellen Karriereentwicklung bietet. Darüber hinaus fördern wir innovatives Denken und Handeln mit verschiedenen Formaten – beispielsweise können im Rahmen von regelmäßigen Innovation Challenges eigene Ideen bis hin zur marktreifen Solution entwickelt werden. Was Einsteigern bei uns als erstes auffallen wird, ist unser ausgeprägter Team-Spirit. Wir sind offen und arbeiten über Servicegrenzen zusammen. So gehen wir als Team gemeinsam die Extrameile und machen den Unterschied.


Ich schätze es sehr, wenn junge Kollegen sich eine eigene Meinung bilden – und diese auch vertreten

Ioannis Tsavlakidis, KPMG


Und worauf achten Sie persönlich besonders bei Berufseinsteigern?

Mir ist es besonders wichtig, dass junge Kollegen sich eine eigene Meinung bilden und diese dann – auch gegenüber Vorgesetzten oder Kunden – vertreten. Neueinsteiger sollten in jedem Fall die Bereitschaft mitbringen, Herausforderungen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, kritisch zu hinterfragen und gemeinsam mit dem Kunden zu lösen. Hinsichtlich des akademischen Hintergrunds sind wir sehr breit aufgestellt. Neben den klassischen Studienausrichtungen wie BWL und VWL, haben wir, neben vielen Wirtschaftsingenieuren, Informatikern oder MINT-Absolventen, auch Kollegen aus weiteren technisch-orientierten sowie geisteswissenschaftlichen Studiengängen bei uns.


Die Tage des Problemlösers im stillen Kämmerlein sind vorbei

Ioannis Tsavlakidis, KPMG


Sie selbst sind seit 1991 bei KPMG. Wie hat sich Beratung seitdem für Sie verändert und wie hat sich auch der Berater als Typ geändert?

Einerseits ist der Berater ganz klar vom Problemlöser zum Sparringspartner geworden, der dem Kunden die verschiedenen Lösungsoptionen aufzeigt, ihn bei der Entscheidungsfindung unterstützt und anschließend bei der Umsetzung begleitet. Darüber hinaus werden heute eine Vielzahl an verschiedenen Kompetenzen vorausgesetzt – die Tage des Problemlösers im stillen Kämmerlein sind lange vorbei. Natürlich gibt es vor allem bei denjenigen, die in den nächsten zwölf Monaten ihr Studium beenden, Sorgen, ob die Krise ihnen den Einstieg in das Consulting verhageln wird.

Wie sind die Planungen bei KPMG was den Absolventenbedarf betrifft?

Unser Interesse an Nachwuchstalenten ist ungeachtet der Krise weiterhin ungebrochen, schließlich lebt das Beratungsgeschäft von kontinuierlichen neuen Ideen und Inputs. Wir verfolgen eine klare Wachstumsagenda und sehen auch in den kommenden Jahren keine Gründe, von dieser Strategie abzuweichen. Insofern freuen wir uns über jede Bewerbung, die uns erreicht und stellen auch weiterhin ein – in einzelnen Bereichen stärker als in anderen.

Wir führen dieses Interview Ende Mai, während immer mehr Lockerungen des Ausgangsbeschränkungen in Aussicht gestellt werden. Worauf freuen Sie sich am meisten, es wieder zu dürfen?

Im privaten wie im beruflichen Kontext – auf persönlichen, unbeschwerten Kontakt. Obwohl ich es auch schon vor COVID-19 gewohnt war, einen Großteil meiner Termine digital zu halten, wird einem in solchen Zeiten einmal mehr bewusst, wie unersetzbar zwischenmenschliche Interaktion ist. Und natürlich auf meinen Sommerurlaub in Griechenland!


Ioannis Tsavlakidis

Ioannis Tsavlakidis, KPMG
Ioannis Tsavlakidis ist Bereichsvorstand Consulting Deutschland und Head of Consulting EMA (Europe, Middle East and Africa) bei KMPG.

Der Diplom-Mathematiker begann seine berufliche Laufbahn bei KPMG 1991 in der Stuttgarter Niederlassung. Seit 2015 ist er Bereichsvorstand für Consulting Deutschland und hat seit 2019 die Verantwortung als Head of Consulting in der EMA-Region.