Weiterbildung im Consulting: Promovieren im Leave bei McKinsey

Nach zwei Jahren Beratungstätigkeit bei McKinsey nahm Verena Thaler den Leave und promovierte an der Universität Potsdam

Dr. Verena Thaler, McKinsey

„Die Unterstützung ist sehr groß”: Nach zwei Jahren Beratungstätigkeit bei McKinsey nahm Verena Thaler den Leave und promovierte an der Universität Potsdam

Verena Thaler hat ihr Herz nicht nur an Berlin, sondern auch an die Wissenschaft verloren. Deshalb war es ihr besonders wichtig, noch zu promovieren – ein Anliegen, mit dem sie bei McKinsey auf offene Türen stieß. Im Interview erzählt die 30-Jährige über die ersten zwei Jahre im Beraterberuf und den anschließenden Leave, der sie mit Doktortitel zurückkehren ließ.

Wann kam bei Ihnen der Wunsch auf, als Unternehmensberaterin zu arbeiten?

Unternehmensberatung war ehrlich gesagt bis kurz vor meinem Studienende gar nicht auf meiner Agenda. Bis dahin hatte ich Erfahrung bei Praktika in unterschiedlichen Branchen und Funktionen gesammelt, weil ich ein breites Spektrum an Bereichen sehen wollte, bevor ich mich entscheide, in welche Richtung es für den ersten Job geht. Ironischerweise ist mir im erst im Nachhinein aufgefallen, dass die Beratung ja genau diese Dinge erfüllt.

Wann war dann der erste Kontakt zum Bereich Unternehmensberatung? Und wie sind Sie zu McKinsey gekommen?

Auf die Unternehmensberatung bin ich dann erst aufmerksam geworden, als ich für einen ganz bestimmten Zeitraum – ich hatte durch Auslandssemester und einige Verpflichtungen nur wenige, eher ungünstig gelegene Wochen Zeit – ein spannendes Praktikum gesucht habe. Und das Schöne an der Beratung ist, dass man zu jedem Zeitpunkt ein Praktikum machen kann. Während meines Projekteinsatzes konnte ich eine neue Industrie kennenlernen und habe direkt Verantwortung für einen Aufgabenstrang übernehmen dürfen.

Die Erfahrung fand ich so toll, dass für mich sofort feststand: Hier möchte ich nach meinem Studium fest einsteigen. Es hat mich begeistert, dass ich in vielen Industrien und Funktionen arbeiten kann, wenn ich das möchte, dass ich aber auch bereits früh eine bestimmte Richtung einschlagen kann. Ich habe die Möglichkeit, Projekte im Ausland zu machen und – das war mir besonders wichtig – ich hatte die Gewiss­heit und die Unterstützung, dass ich nach zwei Jahren promovieren kann. So bin ich dann rund ein halbes Jahr nach meinem Praktikum fest bei McKinsey eingestiegen.


Nach den ersten Wochen blickt man mit etwas Stolz darauf zurück, wie viel in so kurzer Zeit passiert ist und wie viel man gelernt hat

Dr. Verena Thaler, McKinsey


Wie erlebten Sie den Einstieg und die meist sehr intensiven ersten Wochen?

Nach dem Onboarding und einem Mini-Training in der ersten Arbeitswoche geht es direkt auf das erste Projekt. Man wird also wirklich schnell ins kalte Wasser geworfen, natürlich mit einem Sicherheitsnetz. Ich fand das sehr aufregend und hatte auch wirklich Respekt vor meinem ersten Projekteinsatz – rückblickend muss ich sagen, dass das der beste Einstieg war. Man lernt direkt on-the-job und bereits nach den ersten drei bis vier Wochen blickt man mit etwas Stolz darauf zurück, wie viel in so kurzer Zeit passiert ist und wie viel man bereits gelernt hat.

Gab es auch schwierige Situationen?

So schnell, wie man die ersten Erfolge feiern kann, kommen dann natürlich auch schwierige Situationen. Das Tolle ist, dass man in solchen Momenten nie allein ist. Wir arbeiten immer im Team und man hat stets einen Ansprechpartner, auf den man zugehen kann. Ich habe in dieser aufregenden Anfangszeit sehr viel von meinen Kollegen gelernt und so zählen sie auch jetzt noch zu meinen Mentoren und Sparringspartnern, wenn ich Rat brauche.

Was mich in meiner Anfangszeit fasziniert hat, war die Offenheit und Zugänglichkeit meiner Kollegen in der täglichen Zusammenarbeit, gerade auch, wenn ich Hilfe gebraucht habe – und das, obwohl man sich ja noch gar nicht lange kennt. Ganz egal, um welche Frage es ging – eine Experteneinschätzung, die Suche nach Best-Practice-Beispielen oder etwas so Profanes wie eine Reisebuchung – ich konnte mich stets an jemanden wenden. Auch heute finde ich es noch beeindruckend, dass ich einen Kollegen, den ich gar nicht kenne, einfach anrufen kann und mit welcher Selbstverständlichkeit wir dann zusammenarbeiten.

Sie sprachen davon, dass gleich zu Beginn vereinbart wurde, dass Sie nach rund zwei Jahren promovieren können. Diesen Leave haben Sie jetzt gemacht.

Ich habe während meines Studiums lange Zeit als studentische Hilfskraft an einem Lehrstuhl gearbeitet und dabei fing mein Herz an, für die Wissenschaft zu brennen. Daher war für mich auch klar, dass ich unbedingt promovieren möchte. Als ich vor der Entscheidung stand, was ich nach Ende des Studiums machen möchte, hatte ich die Wahl zwischen den Optionen Promotion direkt im Anschluss oder Einstieg bei McKinsey inklusive späterer Promotion im Rahmen des Fellow-Programms. Die Entscheidung fiel mir denkbar leicht, denn ich musste keine Entscheidung für oder gegen etwas treffen. Bei McKinsey konnte ich beides machen, direkt einsteigen und promovieren. Ich habe dann etwa zwei Jahre nach meinem Festeinstieg den Leave und meine Promotion begonnen.

Gibt es bestimmte Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen, um einen Leave machen zu dürfen?

Im Rahmen des Fellow-Programms, also wenn man direkt nach der Uni als Generalist bei McKinsey anfängt, macht normalerweise jeder Kollege/jede Kollegin einen Leave. Dabei kann man sich für einen MBA, eine Promotion oder einen Social Leave entscheiden. Im Social Leave kann man zum Beispiel ein Jahr bei einer NGO Erfahrungen sammeln. Das ist das Besondere an dem Programm. Man kann sich natürlich auch gegen einen Leave entscheiden, das ist aber eher die Ausnahme.

Inwiefern unterstützt McKinsey einen während des Leaves – finanziell und immateriell?

Die Unterstützung ist wirklich sehr groß und wertvoll. Zum einen kann man auf viele Ressourcen zurückgreifen, wie den Erfahrungsschatz der Kollegen, die dir zum Beispiel bei Fragen helfen wie: Wie finde ich mein Thema und meinen Betreuer oder wie plane ich das Ganze eigentlich am besten? Zum anderen unterstützt McKinsey den Leave auch finanziell, indem man sich bis zu drei Jahre freistellen lassen kann und im ersten Jahr davon das volle Gehalt weiterbezahlt bekommt. Diese Unterstützung ist aus meiner Sicht einzigartig. Zudem hat man große moralische Unterstützung um sich herum, denn man sitzt mit vielen Gleichgesinnten im selben Boot – es gibt immer Kollegen, die auch gerade promovieren – und kann so voneinander lernen. Diese Dinge haben die Promotion im Fellow-Programm wirklich einzigartig für mich gemacht – und ich würde es auch wieder so machen.

Können Sie eigentlich dann zukünftig noch weitere Auszeiten machen, beispielsweise um zu reisen oder sich andere Träume zu erfüllen?

Den vorgesehenen Leave im Fellow-Programms wollte ich in jedem Fall dazu nutzen, um zu promovieren. Währenddessen hatte ich auch genügend Zeit und Flexibilität, um auch die ein oder andere Reise zu machen. Das ist also nicht zu kurz gekommen.

Abgesehen davon gibt es bei McKinsey auch immer die Möglichkeit, länger frei zu nehmen. Das Programm nennt sich Take Time. Jedes Jahr kann man zwischen den Projekten bis zu zwei Monate unbezahlte Auszeit nehmen – zusätzlich zum regulären Urlaub. Das Jahresgehalt wird dann entsprechend nach unten angepasst und man bekommt natürlich weiterhin monatlich seinen Lohn. Viele Kollegen nutzen das für Reisen oder um Zeit für die Familie zu haben. Manche engagieren sich in sozialen Projekten oder gehen auf Klavierkonzerttour. Ich habe auch vor, dieses Jahr einen Monat Take Time zu nehmen, um eine längere Segeltour zu unternehmen. Darauf freue mich schon sehr!


Dr. Verena Thaler, 30, ist eine geborene Wienerin, hat aber ihr Herz an Berlin verloren und kann sich nicht mehr vorstellen dort wegzuziehen. Sie hat Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien und der London School of Economics studiert und später an der Universität Potsdam promoviert. Als Österreicherin liebt sie die Berge (Skifahren!), steirisches Kürbiskernöl und guten Kaffee – zum Glück findet man zumindest zwei der drei Dinge auch in Berlin.