
„In der Beratung ist es extrem wichtig, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen”
BWL und Mechanical Engineering – wer beides an der TU München studiert, hat früh verstanden, dass die interessantesten Probleme selten mit nur einer Disziplin lösbar sind. Alina Iskander, Beraterin bei McKinsey im Münchener Büro, hat diese Kombination nicht aus Unentschlossenheit gewählt, sondern aus echtem Interesse an beiden Themen. Im Interview spricht sie darüber, wie ein Praktikum sowie die Programme Firsthand und College ihr den Einstieg erleichtert haben.
Du hast Betriebswirtschaftslehre und Mechanical Engineering an der TU München studiert. Wie kam es zu dieser eher ungewöhnlichen Kombination und was war dein Plan?
Nach dem Abitur habe ich mir tatsächlich lange überlegt, in welche Richtung ich gehen möchte. Am Ende habe ich mich zunächst für Betriebswirtschaftslehre entschieden, weil ich mir möglichst viele Optionen offenhalten wollte.
Gleichzeitig hatte ich direkt nach dem Abitur ein Praktikum bei einem Telekommunikationsanbieter gemacht, bei dem ich gemerkt habe, wie spannend ich die Verbindung aus wirtschaftlichen Fragestellungen und technischen Themen finde.
Für Mechanical Engineering habe ich mich entschieden, weil mich schon immer interessiert hat, wie Dinge funktionieren und ich es mochte, wenn Inhalte nicht nur abstrakt bleiben, sondern greifbar werden. Rückblickend war das genau die richtige Entscheidung, weil ich heute von beiden Perspektiven profitiere.
Mir hilft mein technischer Hintergrund dabei, schnell ein Gefühl für die
Umsetzbarkeit von Lösungen zu entwickeln
Viele Studierende entscheiden sich früh für Wirtschaft oder Technik. Was hat dich gereizt, beide Welten miteinander zu verbinden?
Mich hat besonders gereizt, nicht nur durch eine einzelne „Brille“ auf Probleme zu schauen. In der reinen BWL geht es oft darum, Prozesse möglichst effizient und wirtschaftlich zu gestalten. Durch meinen technischen Hintergrund verstehe ich noch besser, warum auf Klientenseite bestimmte Entscheidungen getroffen werden, zum Beispiel, wenn ein teureres Material gewählt wird, weil es langlebiger ist oder es spezifische Anforderungen erfüllt.
Inwiefern hilft dir diese Schnittstellenkompetenz heute in der Beratung?
Gerade in der Beratung ist es extrem wichtig, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. Diese Kombination hilft mir dabei, sowohl strategisch als auch technisch an das Problem zu treten und Lösungen ganzheitlicher zu bewerten.
Wo ergänzen sich in der Praxis analytisch-technisches Denken und strategische Fragestellungen besonders gut?
Ein Beispiel sind Produktions- oder Transformationsprojekte: Strategisch stellt sich vielleicht die Frage, wie ein Unternehmen effizienter oder nachhaltiger produzieren kann. Um das wirklich beurteilen zu können, braucht es aber auch ein Verständnis für technische Prozesse, Lieferketten oder Materialien.
Auch bei Themen wie Dekarbonisierung, Digitalisierung oder Produktentwicklung greifen beide Welten stark ineinander. Mir hilft mein technischer Hintergrund dabei, schnell ein Gefühl für die Umsetzbarkeit von Lösungen zu entwickeln und gleichzeitig die strategischen Implikationen mitzudenken.
Du warst zunächst als Praktikantin bei McKinsey und bist inzwischen fest eingestiegen. Wann war für dich klar: Das passt?
Ich war mir ehrlicherweise lange nicht sicher, ob ich in die Beratung möchte. Während meines Praktikums hat sich das aber schnell geändert. Ich hatte ein unglaublich unterstützendes Team und habe mich vom ersten Tag an sehr willkommen gefühlt. Gleichzeitig wurde ich gefordert und konnte in kurzer Zeit extrem viel lernen. Nach diesen zwei Monaten war für mich klar, dass ich genau in so einem Umfeld arbeiten möchte.
McKinsey Firsthand ist ein Talentprogramm von McKinsey für Studierende, die Interesse an der Beratung haben, sich aber noch nicht direkt bewerben möchten
Das Kennenlernen begann eigentlich schon vor dem Praktikum, denn du warst Teil des Firsthand-Programms. Was genau steckt hinter dem Programm?
Firsthand ist ein Talentprogramm von McKinsey für Studierende, die Interesse an der Beratung haben, sich aber vielleicht noch nicht direkt bewerben möchten. Es bietet die Möglichkeit, die Firma früh kennenzulernen und kontinuierlich in Kontakt zu bleiben. Im Rahmen von Firsthand habe ich an verschiedenen Webinaren, lokalen Events und kleineren Workshops teilgenommen. Besonders wertvoll fand ich die Einblicke in echte Projektbeispiele und den offenen Austausch mit Berater:innen. Dadurch habe ich ein viel besseres Gefühl dafür bekommen, wie der Arbeitsalltag bei McKinsey tatsächlich aussieht und welche Themen die Berater:innen bewegt. Gleichzeitig konnte ich früh Kontakte knüpfen, was mir den späteren Einstieg erleichtert hat.

Wie bist du auf Firsthand aufmerksam geworden – wird man dafür angesprochen oder bewirbt man sich aktiv?
Ich bin damals über meine Universität und Kommiliton:innen darauf aufmerksam geworden. Die Bewerbung ist sehr unkompliziert: Du reichst im Grunde nur deinen Lebenslauf ein, der dann geprüft wird und wenn es passt, wirst du in das Programm aufgenommen. Für mich war das eine super Möglichkeit, mit McKinsey in Kontakt zu bleiben, ohne mich direkt bewerben zu müssen.
Nach deinem Praktikum bist du Teil von McKinsey College geworden. Was verbirgt sich hinter diesem Programm?
Das College-Programm richtet sich an erfolgreiche Praktikant:innen. Es beinhaltet beispielsweise verschiedene Trainings und Seminare, die sehr nah an den Beratungsaufgaben sind. Ich habe zum Beispiel an einem Kommunikationsseminar teilgenommen, von dem ich heute noch in Klientengesprächen und Experteninterviews profitiere.
Welche Möglichkeiten bietet College ehemaligen Praktikant:innen?
Für mich war es eine tolle Möglichkeit, schon vor dem offiziellen Start als Fellow zukünftige Kolleg:innen aus verschiedenen Offices kennenzulernen. Dadurch fühlt man sich am ersten Arbeitstag direkt deutlich vertrauter mit dem Umfeld.
Wo(hin) möchtest du dich in den kommenden Jahren fachlich oder persönlich weiterentwickeln?
In den nächsten Jahren möchte ich vor allem mein Toolkit weiter schärfen und verschiedene Industrien kennenlernen, um ein breites Verständnis für unterschiedliche Problemstellungen zu entwickeln. Langfristig interessiert mich besonders das Sport- und Fußballumfeld, weil dort strategische und emotionale Aspekte aufeinandertreffen. Ebenso begeistern mich aber auch Themen rund um Nachhaltigkeit, Energiewende, Dekarbonisierung und die Transformation von Industrie und Infrastruktur. Die Beratung bietet mir dafür eine ideale Grundlage und durch das tolle McKinsey Alumni-Netzwerk auch jetzt schon spannende Einblicke.
Alina Iskander // McKinsey
Alina Iskander ist Fellow bei McKinsey am Standort München. Nach einem Praktikum im November und Dezember 2024 stieg sie im September 2025 fest in die Beratung ein. Sie studierte Betriebswirtschaftslehre sowie Mechanical Engineering an der Technischen Universität München und verbindet damit wirtschaftliches Verständnis mit technischem Know-how. Bereits während des Studiums war sie Teil des McKinsey-Programms Firsthand und nahm an zahlreichen Events teil. Nach ihrem Praktikum wurde sie außerdem in das Netzwerkprogramm College für erfolgreiche Interns aufgenommen.
Dieser Artikel ist auch erschienen in der Printausgabe junior //consultant 2-2026