
Consulting ohne Grenzen: Zwischen deutscher Präzision und amerikanischem Pragmatismus
Seit Juli 2023 arbeitet Dr. Markus Hein, Berater bei Horn & Company, in internationalen Projekten – von Bulgarien über die USA bis nach Marokko. Was für manche eine Herausforderung darstellt, ist für ihn ein wesentlicher Grund, warum er die Beratung so schätzt. Im Interview erzählt er, wie Auslandserfahrung die eigene Beratungskompetenz schärft, warum die Reisebereitschaft in der Branche tendenziell abnimmt und welche kulturellen und methodischen Unterschiede er zwischen Projekten in Deutschland und den USA erlebt. Ein Einblick in eine Beraterkarriere, die bewusst auf internationale Vielfalt setzt.
Markus, du bist seit Juli 2023 in verschiedenen internationalen Projekten tätig – von Bulgarien über die USA bis nach Marokko. Wie kam es zu dieser internationalen Ausrichtung deiner Beratungstätigkeit?
Ich wollte schon immer Auslandserfahrung sammeln und war neugierig auf unterschiedliche Arbeitskulturen und Mentalitäten. Während ich im Studium leider nicht die Möglichkeit dazu hatte, ist es umso schöner, dass sich dies nun im beruflichen Umfeld bei H&C verwirklichen lässt.
Internationale Projekte ermöglichen mir, mich persönlich weiterzuentwickeln und neue Perspektiven einzunehmen. Gleichzeitig bieten sie die Chance, meine Sprach- und interkulturellen Kompetenzen zu vertiefen. Besonders spannend finde ich die Dynamik und die Herausforderungen, die Projekte im Ausland mit sich bringen. Durch die Arbeit in neuen Branchen und Ländern habe ich eine steile Lernkurve erlebt, mein Netzwerk über Ländergrenzen hinweg erweitert und meine Beratungskompetenz auf globaler Ebene weiter ausgebaut.
Bei jungen Berufseinsteiger:innen geht die Reisebereitschaft tendenziell zurück. Kannst du das aus deiner Warte bestätigen und wie beurteilst du diese Entwicklung?
Ich glaube, das hängt stark von der individuellen Lebenssituation ab. Manche haben früh familiäre oder private Verpflichtungen, was längere Auslandseinsätze erschwert. Gleichzeitig gibt es aber immer noch viele, die offen für internationale Erfahrungen sind.
In meinem privaten Umfeld sehe ich beides – einige sind sehr mobil, andere weniger. Die zunehmende Digitalisierung und Remote Work machen internationale Zusammenarbeit heute auch ohne regelmäßige Reisetätigkeit einfacher. Dennoch bleibt Auslandserfahrung aus meiner Sicht sehr wertvoll für die persönliche Entwicklung und die Karriere.
Die Methoden sind ähnlich zu denen in Deutschland – Unterschiede zeigen sich im Detail oder in der Anwendungstiefe
Dr. Markus Hein // Horn & Company
Du lebst jetzt in Charlotte, North Carolina und arbeitest vor Ort in den USA. Wie unterscheidet sich das Arbeiten in den USA von Deutschland – sowohl kulturell als auch methodisch?
In Bezug auf die Kultur finde ich, dass die Menschen in North und South Carolina sowie Tennessee sehr freundlich, aufgeschlossen und interessiert sind. Insgesamt erlebe ich hier eine offenere Haltung gegenüber Neuem und Veränderungen als oft in Deutschland oder Europa. Neue Ansätze werden schneller ausprobiert, es gibt weniger Skepsis in frühen Projektphasen und mehr Pragmatismus. Außerdem ist die Gesprächskultur lockerer und weniger hierarchisch, was den Austausch deutlich erleichtert.
Je nach Bereich – etwa Maintenance oder direkte Produktion – sind die angewandten Methoden sehr ähnlich zu denen in Deutschland. Unterschiede zeigen sich eher im Detail oder in der Anwendungstiefe. In den USA liegt der Fokus häufig stärker auf schnellen, sichtbaren Ergebnissen, den sogenannten „quick wins“. Die Arbeitsweise ist teilweise weniger formalisiert, dafür aber sehr praxisorientiert.
Am besten funktioniert meiner Auffassung nach eine Kombination aus Remote-Arbeit und persönlicher Präsenz
Dr. Markus Hein // Horn & Company
Deine Projekte reichen von Remote-Arbeit in Bulgarien bis zu fünf Monaten vor Ort in Tennessee. Welche Vor- und Nachteile siehst du bei Remote- versus Vor-Ort-Projekten im internationalen Kontext?
Remote-Projekte bieten hohe Flexibilität und ermöglichen ortsunabhängiges Arbeiten. Zeit wird auf jeden Fall effizienter genutzt, da Reisezeiten entfallen, und die Unternehmen profitieren von geringeren Kosten. Besonders für Analysen, Konzeptarbeit und Follow-ups eignen sich Remote-Setups meiner Meinung nach gut. Gleichzeitig ist es meiner Wahrnehmung nach jedoch schwieriger, persönliches Vertrauen aufzubauen, und spontane, informelle Gespräche kommen seltener zustande. Kulturelle Unterschiede sind schwerer zu erfassen, Kommunikationsbarrieren werden deutlicher und die eigene Sichtbarkeit vor Ort ist geringer.
Die persönliche Präsenz bei Vor-Ort-Projekten stärkt dagegen Vertrauen und Beziehungen. Man erhält direkten Zugang zu Prozessen, Produktionsstätten und Menschen, versteht die lokale Kultur besser und erzielt oft eine höhere Wirkung. Empfehlungen werden vor Ort stärker wahrgenommen und akzeptiert, und die Zusammenarbeit im Team ist intensiver. Allerdings auch zeit- und kostenintensiv, und weniger flexibel. Das kann bei längeren Aufenthalten auch mal das Privatleben belasten.
Am besten funktioniert meiner Auffassung nach eine Kombination aus Remote-Arbeit und persönlicher Präsenz: Remote-Arbeit, wo Effizienz und Flexibilität zählen, und vor Ort sein, um den direkten Kundenkontakt zu pflegen.
Von Solarpark-Auslegung in Bulgarien über Maintenance-Optimierung in den USA bis Asset Management in Marokko – wie stellst du sicher, dass du dich schnell in völlig verschiedene Branchen und Kulturen einfindest?
Ich übertrage Best Practices aus früheren Projekten und passe bewährte Methoden an neue Themen an. Der frühe Austausch mit internen und externen Fachexpert:innen hilft mir, direkt von Praxiserfahrungen zu profitieren. Vieles lernt man aber auch durch „learning by doing“, also durch die Anwendung des Gelernten in realen Projektsituationen. Dabei fokussiere ich mich auf die für das jeweilige Projekt relevanten Kernhebel. Zudem nutze ich KI-Tools als Research-Assistent, um schnell Zugang zu allen wichtigen Inhalten zu bekommen, die ich benötige.
In deiner bisherigen Laufbahn konntest du bereits internationale Erfahrung als Consultant sammeln. Reizt dich der Gedanke, auch künftig noch weitere Auslandsstationen zu absolvieren?
Ja, ich denke, da werden sicherlich noch weitere Auslandsstationen hinzukommen. Wir sind ja bereits in einigen internationalen Projekten aktiv – beispielsweise in Mexiko – und auch China ist für mich ein sehr spannender Markt, den ich mir gut vorstellen könnte.

Dr. Markus Hein ist Berater bei Horn & Company und kam durch den Zusammenschluss mit ConMoto Strategie und Realisierung zum Unternehmen. Nach seiner Promotion am Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen der Leibniz Universität Hannover wechselte er 2023 in die Beratung. Seit Juli 2023 ist er ausschließlich in internationalen Projekten tätig – von der Solarpark-Auslegung in Bulgarien über Maintenance-Optimierung in Tennessee bis zum Asset Management in Marokko. Aktuell lebt er in Charlotte, North Carolina.