Bewerbung in der Unternehmensberatung

Bewerbung für die UnternehmensberatungDie Hürde der Bewerbung ist im Consulting nicht leicht zu meistern. Auf Bewerber für einen Berater-Job warten mehrere Gesprächsrunden und Fallstudien, die unter Zeitdruck gelöst werden sollen. junior//consultant beantwortet Fragen von der Zusammenstellung der Bewerbungsunterlagen bis hin zum Ablauf der Interviews, in denen sich vielversprechende Kandidaten fachlich und charakterlich beweisen müssen.


Wie sollte meine Bewerbung aussehen?

„Mein Rat: Versuchen Sie, es dem Recruiter so einfach wie möglich zu machen!“
Franziska Heitzer, Recruiting Manager bei SMC

Die Unterlagen für die Bewerbung umfassen:
–  ein Anschreiben
– einen aktuellen  und gut strukturierten Lebenslauf
– das Zeugnis der Universität / einen aktuellen akademischen Notennachweis
– das Schulabschlusszeugnis
– Arbeitszeugnisse von absolvierten Praktika / vorherigen (Neben-)Jobs, falls vorhanden

Im Anschreiben sollten Motivation des Bewerbers deutlich werden: „Ich möchte verstehen, was Sie antreibt, was Sie interessiert und warum Sie bei uns einsteigen wollen“, so Franziska Heitzer von SMC.

Isa Mackenberg von thyssenkrupp Management Consulting erläutert, auf was es beim Zeugnis ankommt: „Für uns ist es wichtig, dass Bewerber eine hohe Motivations- und Leistungsorientierung mitbringen und diese auch bereits während ihrer Ausbildung bewiesen haben.“ Thyssenkrupp achte besonders auf sehr gute Noten in naturwissenschaftlich bzw. stark analytisch geprägten Fächern in Schule und Studium. „Dabei bedeutet das ‘sehr gut’, in Schulnoten ausgedrückt, eine Eins.“

Eine Bewerbung über ein Online-Formular oder per E-Mail wird meistens einer klassischen Briefbewerbung vorgezogen. „Wir favorisieren die Onlinebewerbung auf eine Stellenausschreibung auf unserer Homepage“, sagt zum Beispiel der Leiter des Recruitings bei zeb Burkhard Hanke. „Die Briefbewerbung ist definitiv out.“


Wie kann ich meinen Lebenslauf aufwerten?

Bewerbung Lebenslauf

Möglichkeiten zur Aufwertung des Lebenslaufs finden sich vor allem in außeruniversitärem Engagement, dem Aneignen von weiterführenden Kenntnissen und Praxiserfahrung.

Praktika sind für die Bewerbung besonders wichtig: „Wir schätzen einen roten Faden im Lebenslauf und achten somit insbesondere auf relevante Praktika im Consulting oder im Strategiebereich eines DAX-Industriekonzerns“, so Isa Mackenberg von thyssenkrupp. Das Gesamtbild aus Persönlichkeit, Erfahrung und Engagement sei jedoch ebenfalls ausschlaggebend für eine Einladung zum Recruiting-Tag.

Marlene Zetsche von A.T. Kearney betont vor allem die außeruniversitären Aktivitäten: „Ich habe mich während meines Studiums für eine politischen Stiftung engagiert und wurde danach auch in den Interviews gefragt.“

Weitere Möglichkeiten:
– Gründung eines eigenen Start-ups
– Mitarbeit in einer studentischen Unternehmensberatung
– ehrenamtliche Arbeit, z.B. als Streitschlichter, Ersthelfer, im Sportverein, Fachbereich oder bei der Asta der Universität
– Sprachkenntnisse erweitern oder auffrischen (belegt durch Sprachzertifikate), am besten durch Auslandsaufenthalte
– Besuch von Universitäts-Kursen, die über den Pflichtinhalt des eigenen Studiums hinausgehen, um weiterführende Kenntnisse in bestimmten Fachbereichen zu erlangen. Zum Beispiel Seminare in Technik,  IT und Psychologie als Ergänzung zum klassischen BWL-Studium (durch Zertifikate belegt)
– Ein außergewöhnliches Hobby, das aus dem üblichen „Lesen, Sport, Reisen“ heraus sticht


Wann sollte ich mich für den Berufseinstieg bewerben?

Wer einen nahtlosen Übergang von Master zum Beruf anstrebt, für den gilt: Je früher, desto besser. Eine Bewerbung vier bis sechs Monate im Voraus sind sinnvoll. Zeitlich einplanen sollte man Absagen und die Dauer des Bewerbungsprozesses, der bis zu zwei Monaten Zeit in Anspruch nehmen kann.


Wie sieht der Bewerbungsprozess aus?

Nach Eingang der Bewerbung wird als Erstes geprüft, ob die Unterlagen vollständig und formgerecht eingegangen sind. Nach der Sichtung der Bewerbungsunterlagen und der Abstimmung mit den Fachbereichen folgt häufig ein Telefon- oder Skype-Interview mit einem Recruiting Manager. Das ist zum Beispiel bei den Unternehmensberatungen zeb und Cofinpro der Fall, wie Burkhard Hanke von zeb und Christian Schmidt von Cofinpro berichten.

Wenn der Eindruck hier positiv ausfällt, werden die Kandidaten zu Case-Interviews sowie zu Gesprächen bezüglich fachlicher Kompetenz und Persönlichkeit eingeladen.

Bei einer Bewerbung für ein Consulting-Unternehmen gibt es meist mehrere Gesprächsrunden, die ein Kandidat durchlaufen muss, bis er ein Angebot für eine Festeinstellung erhalten kann.

Im Mittelpunkt des Auswahlverfahrens steht das gegenseitige intensive Kennenlernen. Der Bewerbungsprozess mit seinen vielen Stufen kann dementsprechend lange dauern: Bei thyssenkrupp Management Consulting dauert der Prozess laut Isa Mackenberg „vom Bewerbungseingang bis zum Vertragsangebot rund sechs bis acht Wochen“.


Wie laufen die Interviews ab?

Vorstellungsgespräch

In der Regel durchläuft ein Bewerber mehrere Gespräche. Je mehr das Unternehmen geneigt ist, den Bewerber einzustellen, desto weiter kommt er in den Gesprächsrunden. Häufig sind diese unterschiedlichen Interviews alle an einem einzigen Tag.

Zeb lädt Kandidaten, die beim Telefoninterview überzeugen, zu einem Case-Interview sowie einem Fach- und Partnergespräch ein. „Diese Interviews finden an einem Tag statt und dauern in der Regel drei Stunden“, so Burkhard Hanke von zeb.  Auch bei thyssenkrupp gibt es laut Isa Mackenberg einen Recruiting-Tag, an dem Bewerber an drei Persönlichkeits- und Case-Interviews teilnehmen.

Bei einer Bewerbung bei SMC findet zunächst eine erste Auswahlrunde mit Analytiktest und Interview statt, bevor erfolgreiche Teilnehmer dieser Runde zum Interviewtag eingeladen werden. „Dieser besteht aus insgesamt vier Gesprächen. Bei dreien legen wir den Fokus auf Fallstudien und die Geschäftsfelder von Siemens. Beim vierten Gespräch möchten wir Sie kennenlernen“, sagt Franziska Heitzer von SMC. Es ist auch möglich, dass Teile der Interviews auf Englisch geführt werden.

Durch die Mischung aus Case- und Persönlichkeitsinterviews bekommen die Unternehmensberatungen eine authentische Kostprobe der Fähigkeiten und Charaktereigenschaften des Bewerbers. „Wir haben ihn dann in verschiedenen Situationen erlebt, uns fachlich und menschlich mit ihm ausgetauscht“, so Christian Schmidt, Head of Human Resources bei Cofinpro.


Was erwartet mich bei einem Persönlichkeits-Interview?

Bei einem Persönlichkeits-Interview geht es darum, mehr über den Charakter des Bewerbers zu erfahren: Was motiviert Sie? Passen Sie in das Team? Warum wollen Sie in genau dieser Unternehmensberatung arbeiten?

Auch der Bewerber hat hier die Chance, das Unternehmen gründlich kennenzulernen und kann seinen Interview-Partnern Fragen stellen. „Stellen Sie so viele Fragen wie möglich!“, rät Franziska Heitzer von SMC.


Was erwartet mich bei einem Case-Interview?

In einem Case-Interview liegt der Fokus auf Case Studies und den Geschäftsfeldern des jeweiligen Consulting-Unternehmens. Hier wird getestet, ob der Bewerber in der Lage ist, Fragestellungen unter Zeitdruck strukturiert zu bearbeiten.


Was sind „Case Studies“?

Case Studies sind Fallstudien und in der Regel echte Projektbeispiele, die bereits einen guten Eindruck von den alltäglichen Aufgabenstellungen eines Beraters bieten, wie SMC Recruiting Manager Franziska Heitzer bestätigt.

Die größte Herausforderung ist dabei, die gestellte Aufgabe in kurzer Zeit zu bearbeiten. Die Unternehmensberatung möchte hier vor allem die Herangehensweise der Bewerber sehen. Die richtige Lösung steht dabei an zweiter Stelle. „Uns ist es wichtig, zu verstehen, wie Sie denken und wie Sie zu Ihrer Lösung kommen“, meint Franziska Heitzer.

Die Case Studies bieten Unternehmensberatungen wertvolle Erkenntnisse über die Bewerber: Wie arbeitet der Kandidat unter Zeitdruck? Welche Prioritäten setzt er? Geht er das Problem strukturiert und systematisch an? Fragt er nach den richtigen Informationen, die er zur Problemlösung benötigt?

Dr. Nordal Cavadini und Dr. Michael Lierow von Oliver Wyman erläutern: „Zur Problemlösung müssen sich die Kandidaten beispielsweise in die Rolle eines Beraters oder eines Geschäftsführers hineinversetzen. Genau hier zeigt sich, wie die Bewerber denken und welche Entscheidungen sie warum treffen würden – sei aus Berater- oder aus Kundensicht.“


Welche Eigenschaften sollte ich als Bewerber mitbringen?

„Sehr gute analytische Fähigkeiten, unternehmerisches Denken, hohe Kommunikationsfähigkeit sowie Überzeugungskraft.“
Julia Cedrati, CTcon

„Ein Berater muss sich – im Gegensatz zur Fachkraft – nicht nur in einem bestimmten Themengebiet sehr gut auskennen, sondern darüber hinaus wissen, wie ein Thema strukturiert, methodisch und analytisch angegangen wird. Er muss bereit sein, sich in komplexe Inhalte einzuarbeiten und lösungsorientiert arbeiten können.“
Christian Schmidt, Cofinpro

„Nicht zuletzt entscheiden soziale Kompetenz, ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten und Flexibilität sowie Motivation und Eigeninitiative mit über den Einstieg bei Oliver Wyman.“
Dr. Nordal Cavadini und Dr. Michael Lierow, Oliver Wyman

Eine Übersicht der bei Beratungen erwünschten Eigenschaften und Erfahrungen:

– Auslandserfahrung und interkulturelle Kompetenz
– Praxiserfahrung durch Praktika oder Beruf
– hervorragende Leistungen in Schule und Studium
– außeruniversitäres Engagement
– Teamgeist und soziale Kompetenz
– Bereitschaft zum Reisen und Freude an internationaler Arbeit
– große Begeisterung für die spezifischen Geschäftsfeldern des Beratungsunternehmens
– analytisches und unternehmerisches Denken
– sicheres Auftreten und sehr gute Präsentationsfähigkeit
– hervorragendes Kommunikationsvermögen
– Bereitschaft zum ständigen Austausch mit Kunden
– Eigeninitiative und hohe Motivation
– Flexibilität, Lernbereitschaft und Neugier
– Fähigkeit, sich zügig in komplexe Themenbereiche einzuarbeiten


Woran scheitern viele Bewerbungen?

Der Bewerbungsprozess im Bereich Consulting ist anspruchsvoll und langwierig. Vom Sichten der Bewerbungsunterlagen bis zu einer Zu- oder Absage für eine Festanstellung können bis zu zwei Monate vergehen. Selbst wenn ein Kandidat ein Telefoninterview und mehrere Case Studies sowie ein Persönlichkeits-Interview erfolgreich durchläuft, kann er kurz vor einem möglichen Angebot bei der letzten Fallstudie scheitern.

Die Präsentation einer Fallstudie setzt Kandidaten bewusst unter Druck, um zu testen, wie sie solche Situationen meistern. Unter diesem Druck eine strukturierte Herangehensweise zu finden, sich sein analytisches Denken zu bewahren und zu einer erfolgsversprechenden Lösung zu gelangen, ist nicht einfach.

Bewerber können aber nicht nur stressbedingt und an fachlichem Wissen scheitern, auch Persönlichkeits-Interviews sind eine Hürde. Hier sollen sich Bewerber selbst präsentieren, aber gleichzeitig Authentizität wahren. Die Herausforderung liegt darin, eine Balance zwischen diesen beiden Anforderungen zu finden, was nicht immer gelingt.

SMC Recruiting Manager Franziska Heitzer meint, Bewerber scheitern „an den fachlichen Anforderungen oder daran, dass sie sich nicht authentisch zeigen. Offenheit ist für uns genauso wichtig wie die fachliche Qualifikation.“

Vielleicht stimmt manchmal auch einfach die Wellenlänge zwischen Kandidat und Interview-Partner nicht: „Am Ende des Tages gehört zu unserer Entscheidung immer auch ein Stück weit das Bauchgefühl“, verrät Christian Schmidt von Cofinpro.


Brauche ich ein abgeschlossenes Studium, um erste Erfahrungen im Consulting zu sammeln?

Um fest in der Beratungsbranche zu arbeiten, ist ein erfolgreich abgeschlossenes Bachelor- oder Master-Studium zwingend erforderlich – um erste Arbeitserfahrung zu sammeln aber nicht: Wer sich für den Bereich Consulting interessiert, kann sich zum Beispiel für ein zwei- bis sechsmonatiges Praktikum in einer Unternehmensberatung bewerben.

Ein Praktikum dient dazu, erste Arbeitseindrücke zu sammeln, das Unternehmen kennenzulernen und seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Es kann auch Türen zum Festeinstieg öffnen, wie es bei Marlene Zetsche von A.T. Kearney der Fall war: „Ein Praktikum zu machen war für mich ideal – so konnte ich A.T. Kearney von innen kennenlernen und sichergehen, dass ich hier auch dauerhaft arbeiten möchte.“

Häufig sind ist auch das Anfertigen einer Bachelor- beziehungsweise Masterarbeit in einem Consulting-Unternehmen möglich.


Kann und sollte ich mich bereits nach dem Bachelor-Abschluss bewerben?

Bereits für Bachelor-Absolventen gibt es Stellen, zum Beispiel als Consulting Analyst. Bei zeb können sie in das zeb.bachelor-welcome-Programm einsteigen. „Dabei arbeitet man zunächst ein Jahr als Analyst bei Projekten einer der Beratungsbereiche mit und absolviert anschließend ein Masterstudium an einer Universität eigener Wahl. Nach Abschluss des Masters wird man dann zum Consultant befördert“, so Burkhard Hanke von zeb.

Er sagt aber auch: „Nach einem Masterabschluss oder einer Promotion steigt man bei zeb direkt als Consultant ein.“ Als Master-Absolvent kann man direkt als Junior Consultant in die Unternehmensberatung einsteigen, was mit einem Bachelor-Abschluss nicht möglich ist. Laut Hanke ist auch der Einstieg als Senior Consultant möglich, wenn ein Young Professional bereits relevante Berufserfahrung vorzuweisen hat.

Julia Cedrati von CTcon berichtet, dem Beratungsunternehmen sei ein Master-Abschluss bei der Bewerbung sehr wichtig – „idealerweise ergänzt durch eine Promotion oder mehrere anspruchsvolle Praktika.“ Sie erklärt diese Entscheidung damit, dass Wissen und Erfahrung in den Projekten von CTcon eine besonders große Rolle spielen.


Muss ich Wirtschaft studiert haben, um im Bewerbungsprozess eine Chance zu haben?

„BWL-Kenntnisse sind bei uns kein Muss.“
Franziska Heitzer, Recruiting Manager bei SMC

Für Einsteiger, die kein BWL studiert haben, gibt es in Unternehmensberatungen spezielle Kurse, die die wichtigsten Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre abdecken. Im Consulting wird immer mehr Wert auf Vielfalt in den Teams gesetzt, weshalb Studenten der unterschiedlichsten Fächer auf eine Festanstellung hoffen können.

Es werden nach wie vor viele klassische Wirtschafts-Absolventen eingestellt, aber die Beratungen suchen auch nach Informatikern, Ingenieuren, Naturwissenschaftlern und manchmal nach Geisteswissenschaftlern.


Autor: Silvia Schilling