
Tipps aus der Bewerbungspraxis von Janina Topp, Managerin bei Simon-Kucher in Stockholm
Janina Topp ist seit 2023 bei Simon-Kucher und kennt den Bewerbungsprozess aus beiden Perspektiven: Als Bewerberin in München hat sie selbst Case-Interviews gemeistert, heute führt sie diese als Managerin regelmäßig mit Kandidatinnen und Kandidaten. Aus dieser Erfahrung hat sie wertvolle Tipps zusammengestellt.
Wer sich für eine Position in der Unternehmensberatung bewirbt, wird im Interview mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Case Study bearbeiten. Dahinter steckt eine praxisnahe Fragestellung, häufig angelehnt an ein reales Beratungsprojekt. Dabei geht es nicht darum, die perfekte Lösung zu finden. Entscheidend ist, wie strukturiert du an ein Problem herangehst, deine Analyse aufbaust und deinen Gedankengang kommunizierst.
Eine gute Vorbereitung macht den Unterschied
Informiere dich vor deinem Interview darüber, wie Case Studies im jeweiligen Unternehmen aufgebaut sind. Manche Interviews folgen einem Candidate-led-Ansatz: Du entwickelst die Struktur selbst und entscheidest, welche Informationen du benötigst. Andere Unternehmen setzen auf Interviewer-led-Cases, bei denen dich dein Gegenüber Schritt für Schritt durch die Fragestellung führt.
Ein weiterer Tipp: Schau dir vorab die beruflichen Profile deiner Interviewer:innen an. Viele Cases orientieren sich an Projekten, die sie selbst begleitet haben. Das erleichtert dir den Einstieg in die Aufgabenstellung und bietet gleichzeitig einen guten Gesprächseinstieg.
Warum setzen Beratungen auf Case Studies?
Case Studies bilden den Beratungsalltag besonders realistisch ab. Sie zeigen, wie du mit komplexen Fragestellungen umgehst, Informationen strukturierst und fundierte Entscheidungen ableitest.
Interviewer:innen achten dabei insbesondere auf vier Aspekte:
1. Strukturierte Problemlösung: Kannst du komplexe Fragestellungen logisch zerlegen?
2. Analytisches Denken: Wie gehst du mit Zahlen, Daten und Fakten um?
3. Kommunikation: Erklärst du deinen Gedankengang nachvollziehbar und beziehst dein Gegenüber aktiv mit ein?
4. Kreativität: Entwickelst du auch über offensichtliche Lösungsansätze hinaus sinnvolle Ideen?
Gerade Kreativität wird häufig unterschätzt. Originelle und zugleich gut begründete Lösungsansätze bleiben Interviewer:innen besonders positiv in Erinnerung.
So läuft eine typische Case Study ab
1. Verstehe zunächst die Aufgabenstellung
Zu Beginn stellt dir dein Interviewer oder deine Interviewerin die Ausgangssituation vor. Höre aufmerksam zu und notiere insbesondere Zahlen sowie wichtige Fakten.
Bevor du mit der Analyse beginnst:
• Strukturiere deine Notizen.
• Stelle gezielte Rückfragen.
• Fasse die Ausgangssituation mit eigenen Worten zusammen und lasse sie bestätigen.
So stellst du sicher, dass ihr beide auf derselben Informationsbasis arbeitet.
2. Entwickle eine klare Struktur
Bevor du in die Analyse einsteigst, solltest du dein Vorgehen skizzieren. Ob Problembaum oder individuelles Framework: Entscheidend ist, dass deine Struktur logisch, klar und nachvollziehbar ist. Welches Framework du verwendest, ist dabei weniger wichtig als eine schlüssige Begründung deiner Herangehensweise.
3. Arbeite den Case Schritt für Schritt durch
Jetzt beginnt die eigentliche Analyse. Je nach Aufgabenstellung arbeitest du mit Diagrammen, Marktgrößen, Schätzfragen oder Brainstormings.
Bei Diagrammen hilft ein einfaches Vorgehen:
1. Analysieren: Was zeigt die Grafik?
2. Kontext einordnen: Welche Bedeutung hat sie für den Case?
3. Schlussfolgerungen ziehen: Welche Erkenntnisse lassen sich daraus ableiten?
Auch bei Brainstormings lohnt sich ein systematisches Vorgehen. Erkläre deinem Gegenüber zunächst, nach welcher Logik du Ideen entwickelst, anstatt einfach Begriffe aufzuzählen.
Schätzfragen lassen sich meist deutlich einfacher lösen, wenn du das Problem in kleinere Bestandteile zerlegst und deine Annahmen transparent machst.
Während des gesamten Cases gilt: Denke laut. Interviewer:innen möchten deinen Lösungsweg nachvollziehen können und nicht nur dein Endergebnis.
4. Schließe mit einer klaren Empfehlung ab
Am Ende fasst du deine Ergebnisse zusammen und leitest eine konkrete Handlungsempfehlung ab. Eine bewährte Struktur lautet:
1. Empfehlung: Was sollte das Unternehmen tun?
2. Begründung: Warum ist das die beste Option?
3. Risiken: Welche Herausforderungen gilt es zu berücksichtigen?
4. Nächste Schritte: Wie sollte die Umsetzung beginnen?
Beginne immer mit deiner Kernaussage und erläutere anschließend deine Argumentation. Diese Top-down-Kommunikation gehört auch zum Beratungsalltag.
Die wichtigste Erkenntnis
Die beste Vorbereitung besteht darin, Cases regelmäßig zu üben, idealerweise gemeinsam mit anderen Bewerber:innen. Nutze unterschiedliche Fallstudien, probiere verschiedene Frameworks aus und trainiere insbesondere deine Kommunikation.
Vor allem solltest du eines im Hinterkopf behalten: Eine Case Study ist keine Wissensprüfung. Niemand erwartet Perfektion. Entscheidend ist, dass du strukturiert denkst, nachvollziehbar argumentierst und offen mit deinem Gegenüber zusammenarbeitest.
Mit dem richtigen Mindset wird die Case Study nicht zur Hürde, sondern zu deiner Chance, analytisches Denken, Struktur und Kommunikationsstärke unter Beweis zu stellen.
Nachgefragt bei Janina Topp
„Mache im Interview deutlich, warum du dich genau hier bewirbst!”
Janina, du hast deine Karriere bei Simon-Kucher als Consultant in Deutschland begonnen und bist heute Managerin in Stockholm. Welche Erfahrungen haben dich auf diesem Weg am meisten geprägt?
Die Möglichkeit, von Beginn an Kunden aus unterschiedlichen Industrien zu begleiten, hat mir geholfen, schnell herauszufinden, wofür ich wirklich brenne. Dabei habe ich meine Leidenschaft für die Softwarebranche entdeckt und gezielt mein Wissen aufgebaut. Besonders geprägt hat mich aber die Unterstützung durch unsere Partner und Direktoren, die ich auf diesem Weg erhalten habe. Sie haben mich von Anfang an gefordert und gefördert, mir früh Verantwortung übertragen und mich dabei unterstützt, über mich selbst hinauszuwachsen. Dieses Vertrauen hat es mir ermöglicht, mein Know-how im Softwarebereich kontinuierlich auszubauen, Führungsverantwortung zu übernehmen und mich innerhalb weniger Jahre zur Managerin weiterzuentwickeln.
Wenn du auf deinen eigenen Bewerbungsprozess zurückblickst: Welche Erkenntnisse haben dir damals besonders geholfen und welche Tipps gibst du Bewerber:innen heute für die Case-Interviews mit?
Auf die Motivation achte ich bei Bewerber:innen besonders. Simon-Kucher ist für mich ein einzigartiges Unternehmen: Unser klarer Fokus auf Wachstumsthemen, die Unternehmenskultur und die Unterstützung, die man auf allen Ebenen erhält, haben mich von Anfang an überzeugt – und sind auch heute noch die Gründe, warum ich mich jeden Tag aufs Neue für Simon-Kucher entscheide. Deshalb mein Tipp: Beschäftige dich intensiv mit Simon-Kucher als Unternehmen und mache im Interview deutlich, warum du dich genau hier bewirbst. Zeige, was dich an unserer Arbeit begeistert, was du lernen möchtest und wie du dich bei Simon-Kucher weiterentwickeln willst. Authentische Motivation und echtes Interesse machen oft den entscheidenden Unterschied.

Janina Topp studierte Consumer Science mit den Schwerpunkten Marketing, Strategy und Leadership an der Technischen Universität München. Bereits während ihres Studiums sammelte Janina umfassende praktische Erfahrungen in der Softwarebranche sowie in der Unternehmensberatung. Schon gegen Ende ihres Bachelorstudiums stand für sie fest, dass sie nach ihrem Abschluss bei Simon-Kucher einsteigen und dort ihre Beratungslaufbahn beginnen möchte. Mit ihrem Einstieg bei Simon-Kucher in München im Januar 2023 hatte Janina die Möglichkeit, Kunden aus unterschiedlichsten Industrien bei Wachstums- und Pricing-Themen zu begleiten. Dabei wurde schnell klar, wo ihre Leidenschaft liegt: in der Softwarebranche. Die Dynamik des Marktes, innovative Themen und die strategischen Herausforderungen begeistern sie bis heute. Seit über einem Jahr leitet sie Projekte für Softwareunternehmen in den Nordics und unterstützt ihre Kunden dabei, nachhaltiges Wachstum durch innovative Pricing- und Go-to-Market-Strategien zu erzielen.