Auf der Suche nach dem Perfect Fit

Ganz ohne Kompromisse geht es selten. Aber je näher dran am Ideal, desto besser // Foto von Tom Fisk von Pexels

Ganz ohne Kompromisse geht es selten. Aber je näher dran am Ideal, desto besser // Foto von Tom Fisk von Pexels

So finde ich heraus, ob Unternehmen und ich zusammenpassen – ein Gastbeitrag von Personalberaterin Stephanie Schorp

Um beruflich aufzusteigen, braucht es den Perfect Fit zwischen Persönlichkeit und Position. Der richtige Match entscheidet über Erfolg und Erfüllung. Ob ein Mensch zum Unternehmen passt, lässt sich rauskriegen, wenn Betroffene sich mit ihren Werten, Zielen, Motiven beschäftigen – Selbstkenntnis legt die Basis für eine fruchtbare Zusammenarbeit.
Ein Gastbeitrag von Stephanie Schorp

Karriere machen bedeutet, den richtigen Job zur richtigen Zeit zu finden – right time, right place, right person. Nur dann können Menschen aufblühen. Ebenso profitieren Unternehmen, wenn die richtige Person an relevanten Knotenpunkten in der passenden Umgebung agiert. Die Energie, die sich durch diesen Win-win ergibt, pusht Karrieren und Organisationen. Nicht nur als Fach- oder Führungskraft entscheidet die berufliche Tätigkeit über Zufriedenheit und Fortschritt. Auch externe Experten und Berater, die einzelne Stellschrauben eines Business ölen oder dem ganzen System auf ein neues Level verhelfen sollen, brillieren nur, wenn sie zur Firmenkultur passen. Stoßen hier zwei Welten aufeinander, bremst das sowohl Berater als auch Organisation.

Wer aufsteigen will, braucht eine klare Philosophie

Viele Young Professionals fragen sich daher: Wie finde ich heraus, ob ein Unternehmen und ich zusammenpassen? Die Antwort kurz und knapp: indem sie sich selbst erst einmal kennenlernen. Wer beruflich aufsteigen, Profi auf seinem Gebiet, ein starkes Teammitglied oder erfolgreiche Führungskraft sein will, braucht eine klare Philosophie: Wo ist mein Anliegen? Was treibt mich an? Was will ich in Leben und Beruf erreichen? Wo sehe ich den Sinn meiner Arbeit? Warum mache ich das und nichts anderes? Wer diese Gedanken beiseiteschiebt, kommt bei vielen Entscheidungen ins Straucheln. Das hinterlässt nie einen guten Eindruck.

Oft wissen Bewerber, neue Mitarbeiter oder Dienstleister nicht, was sie in einem Job genau erwartet, wie die Kollegen ticken und welche Kultur sie leben. Umso elementarer wiegt, zu wissen, was man selbst kann und will. Der Schlüssel zu dieser Sicherheit liegt in der Selbstwahrnehmung. Je besser jemand sich und andere beobachten kann, desto besser für das weitere (Berufs-)Leben. Profis merken in einem Meeting zum Beispiel intuitiv, wie die Teilnehmer zu ihnen stehen und die Machtverhältnisse aussehen – je höher die Etage desto wertvoller ist diese Fähigkeit. Das gelingt, wenn ich mir meiner selbst bewusst bin. Nur durch Selbstkenntnis lässt sich herausfinden, wie jemand zum Unternehmen passt oder wo Reibung droht.

Ohne Selbstreflexion keine Karriere

Auf dem Weg zur Selbstwahrnehmung hilft folgendes Duo: Feedback und Reflexion. Zum einen gilt es, sich mit anderen austauschen sowie Rückmeldungen zur eigenen Wirkung und Wahrnehmung einzuholen. Zum anderen ist es nötig, in die Stille zu gehen, zu sich kommen und tief in die eigenen Wünsche, Motive, Werte, Sehnsüchte einzutauchen. Beides bedarf Disziplin, Übung und Unterstützung.

Ohne Selbstwahrnehmung bekommen wir in der modernen Gesellschaft zunehmend Probleme. Ohne Selbstreflexion gelingt keine Karriere, weil Menschen sich immer seltener in kalkulierbaren Situationen befinden. Entsprechend wichtiger wird eine solide Basis, von der aus sich agieren lässt. Wer sich der Frage „Wer bin ich?“ nähern will, startet mit der Überlegung, was ihn von anderen unterscheidet und welche Stärken er oder sie mitbringt. Wer hier bereits ins Trudeln kommt, wendet folgende Methoden an, um mehr über sich selbst zu erfahren.

Feedbackkultur: Mit anderen reden

Für die Selbstwahrnehmung hilft Feedback. Nur wer das Fremdbild der anderen kennt, kann es mit dem eigenen vergleichen. Nicht um sich anzupassen, sondern als Reality Check. Besser jemand geht zu kritisch in Reflexion, als dass er sich mit Charmeuren umgibt. Wer sich nur in der eigenen Blase bewegt, verliert schnell die Bodenhaftung.

Besonders Berufseinsteiger müssen sich aktiv darum kümmern, ein Gefühl für ihr Fremdbild zu bekommen. Indem sie sich immer wieder Rat bei Menschen holen, die sie aus der Reserve locken oder gar provozieren, die nicht alles glauben, sondern Fragen stellen. Aber auch von Kunden, Kollegen, Chefs sind Rückmeldungen wahres Gold wert. Die aktive Nachfrage nach Feedbackstimmen strahlt zudem ins Unternehmen. Viele Mitarbeiter wünschen sich mehr Feedback. Warum also nicht mit gutem Beispiel vorangehen?

Assessment & Diagnostik

Fans von Persönlichkeitsdiagnostik vertreten die Position, dass sich Persönlichkeit messen lässt. Dagegen steht die Skepsis, dass Individuen sich nicht in ein Raster zwängen oder durch Zahlen abbilden lassen. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Verfahren dieser Art können Tendenzen zeigen und Gewichtungen herstellen. Sie werden aber niemals der Individualität völlig gerecht. Oft analysieren sie Werte und Motive, Stärken und Schwächen. Andere Module prüfen, wie Personen unter Stress reagieren.

Meine Meinung: Persönlichkeitstests sind mäßig geeignet, um eine Person zu beurteilen, die man nicht kennt. Sie sind weit besser geeignet, um das Bild eines Menschen zu verfeinern, den man kennt. Solche Tools können helfen, sich selbst besser zu beurteilen. Machen Sie also ruhig so viele Test wie möglich. Interessant wird es, wenn etwas herauskommt, das der Selbsteinschätzung widerspricht. Dann hilft es, über sich selbst nachzudenken. Dabei geht es geht nicht darum, sich abzustrafen, sondern Potenziale zu erkennen.

Manche Module gibt es kostenlos im Netz, für andere brauchen Anwender ein Buch oder zahlen eine Gebühr, bei manchen kauft man den Test mit einem Coaching. Wer will, kann sich auch jährlich selbst einen Brief schreiben, jeden Abend den Arbeitstag reflektieren, ein Dankbarkeitstagebuch führen oder To-do-Listen sammeln. Wichtig ist, sich strukturiert mit sich selbst zu beschäftigen, schriftlich, regelmäßig und mit Rückschau. Schätzen Sie sich realistisch ein, damit Sie sich Strategien für den Umgang überlegen können. Reden Sie sich nichts ein und nichts aus. Je früher Berufsstarter mit einer Feedbackanalyse beginnen, desto größer die Chance, aus den Eindrücken etwas zu lernen und zu wachsen.

In die Stille gehen und sich selbst zuhören

Anders als bei der aktiven Suche geht es in anderen Momenten darum, in die Stille zu gehen. Wenn der Lärm abebbt, können Gehetzte sich selbst wieder zuhören – ohne über sich, über Kunden, Kollegen oder Change-Projekte nachzudenken. Diese Ruhe ist ein Investment in die Zukunft. Je verantwortungsvoller die eigene Position im Laufe der Karriere wird, desto mehr stürzt alles auf einen ein, Entscheidungen, Herausforderungen, Fragen.

Topkräfte achten in jeder Minute auf ihre Worte, Gesten, Gesichtsausdrücke. Das Abschalten fällt zunehmend schwer. Wer nicht im Hamsterrad landen will, genießt bewusst die Stille. Das Gehirn braucht Pausen, damit es sich nicht festfährt. Immer seltener können Berufstätige ohne Druck von außen machen, was ihnen am Herzen liegt. Manchen gelingt die Qualitätszeit gut, sie schotten sich ab, sodass der Rummel der Außenwelt draußen bleibt. Andere müssen den Rückzug in die Stille durch Yoga, Meditation, Massagen oder ein Wochenende im Kloster aktiv organisieren. Auch ein spezieller Platz in der Wohnung, ein immer entspannendes Ritual oder eine längere Auszeit können Akkus aufladen.


Obwohl auf der inhaltlichen Ebene alles stimmt, reiben sich Akteure besonders in den höchsten Etagen: Persönlichkeit macht nicht nur Karriere, sie kann sie auch verhindern

Stephanie Schorp


You are hired for your skills and fired for your personality

All diese Methoden helfen, sich selbst besser zu erkennen. Ergibt die Selbstanalyse, dass Mensch und Mensch oder Mensch und Kultur eines Unternehmens nicht zusammenpassen, löst diese Erkenntnis erste Knoten. Und die Beteiligten können Konsequenzen ziehen. Manchmal passt es einfach nicht. Obwohl auf der inhaltlichen Ebene alles stimmt, reiben sich Akteure – besonders in den höchsten Etagen. Persönlichkeit macht nicht nur Karriere, sie kann sie auch verhindern.

Die Gründe für Dissonanzen sind vielfältig. Häufige Ursachen liegen in Neid, Machtfragen oder Misstrauen. Arbeitet der Berater richtig gut, kann eine Führungskraft schon mal neidisch werden. Jemand anders fühlt sich durch die Topperformance sogar angegriffen. Auch Misstrauen ist ein großes Thema. Manchmal äußert sich die Disharmonie einfach durch ein mieses Bauchgefühl. Am Ende entscheidet oft die Mentalität: Da gibt es irgendetwas, was das Gegenüber stört – ein forsches Auftreten, die falsche Etikette. Und alles, was stört, kann auch zerstören.

Eine feine Selbstwahrnehmung verhindert, dass solche Situationen entstehen oder Überhand nehmen. Meistens entsteht schlechte Luft durch eine große Differenz zwischen Eigen- und Fremdbild. Ein Mitarbeiter empfindet den Junior als Eindringling, obwohl der produktive Absichten verfolgt. In der Regel helfen hier schon kleinere Maßnahmen. Wer weiß, dass er eher impulsiv und das Gegenüber zurückhaltend agiert, spricht diese Differenz an. So können Selbstbild und Fremdbild zusammenrücken.

Die Erfahrung zeigt: Menschen können negative Wirkungen des eigenen Temperaments abmildern, sie können sich in positive oder negative Richtung entwickeln – aber sie können ihre Persönlichkeit nicht einfach wechseln. Wer merkt, dass es über kurz oder lang häufig auseinanderklafft, hält frühzeitig nach anderen Perspektiven Ausschau. Das Gleiche gilt, wenn jemand in eine Position gerufen wird, von der er vermutet, sie nicht ausfüllen zu können. In diesem Fall ist es besser, einen Schritt zurückzutreten und andere Wege einzuschlagen.


Stephanie Schorp
Die Unternehmerin und Geschäftsführerin der Personalberatung Comites perfect placements gilt als eine der renommiertesten Headhunterinnen Deutschlands. Seit über 20 Jahren ist die Diplom-Psychologin mit der Auswahl, Beurteilung und Entwicklung von Führungskräften beschäftigt. Ihre Erfahrungen sammelte Stephanie Schorp sowohl im Großkonzern als auch im Mittelstand und in der Beratung. Sie verfügt über diverse Zusatzausbildungen in Coaching, Leadership und im therapeutischen Bereich. Ihren Ansporn, Leadership und Management von morgen besser zu gestalten, nutzt Stephanie Schorp auch als Zen-Leadership-Trainerin und für die Beratungsplattform „Philosophy meets Management“.


Dreimal zu gewinnen!

Stephanie Schorps Buch Persönlichkeit Macht Karriere

So stellen Sie die Weichen für Ihren eigenen beruflichen Weg In Persönlichkeit Macht Karriere verrät Headhunterin und Psychologin Stephanie Schorp ihr Insiderwissen. Heute ist Karriere kein Wettbewerb mehr, bei dem alle über die gleiche Latte springen, kein schneller, höher, weiter. Vielmehr erweist sie sich als komplexes Zusammenspiel zahlreicher Faktoren, als Konglomerat von Kompetenzen, Talenten, Zeitgeist, Situation. So vielfältig, wie Unternehmen, Jobs und deren Anforderungen inzwischen geworden sind, so unterschiedlich gestalten sich die Zugänge. Trotzdem gibt es für jeden einen Platz, der ihn oder sie vom Rohdiamanten zum Brillanten schleift.
Zur Teilnahme an der Verlosung reicht eine Mail bis 15. 11. 2022 mit Betreff: Schorp an redaktion@juniorconsultant.net. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen.