
„Am Ende zählt die beste Lösung, nicht der höchste Titel“
Vom Einstieg als Consultant bis zur Partnerin: Eva-Lotta Hinzpeter hat bei EY-Parthenon alle Karrierestufen durchlaufen. Was sie dabei besonders geprägt hat, ist eine Kultur, in der nicht der Rang, sondern der Beitrag zur besten Lösung zählt. Heute berät sie Unternehmen und Institutionen im Gesundheitswesen zu Strategie- und Transformationsfragen und erlebt zugleich, wie Künstliche Intelligenz die Strategieberatung verändert. Im Interview spricht sie über ihren Karriereweg, gute Führung und die Frage, was KI leisten kann – und was menschliche Beratung auch künftig ausmacht.
Du hast bei EY-Parthenon alle Karrierestufen vom Einstieg bis zur Partnerin durchlaufen. Was hat das Unternehmen aus deiner Sicht richtig gemacht, damit dieser Weg möglich wurde – und was hat sich in dieser Zeit spürbar verändert, was ist gleich geblieben?
Ich bin 2018 auf unserer juniorsten Consultant-Stufe eingestiegen. Von Anfang an hat mich beeindruckt, dass weniger der Rank als der Impact einer Person zählt. Schon in den ersten Monaten durfte ich – und das habe ich wirklich als Alleinstellungsmerkmal und als sehr positiv erlebt – ganz aktiv mit allen Ebenen bis zum Partner auf Augenhöhe mitdiskutieren. Wenn wir später am Abend noch über das Pricing eines Angebots diskutiert haben und unterschiedlicher Meinung waren, wurde die Diskussion immer an der Sache geführt. Am Ende zählte die beste Lösung, nicht der höchste Titel im Raum.
Dazu kommt, dass Entwicklung früh und konsequent gefördert wird. Mit meinem Counselor konnte ich offen über langfristige Karriereperspektiven und Fast-Track-Optionen bei EY-Parthenon sprechen. Ich bin hier sehr stark unterstützt worden und habe wirklich nie das Gefühl, an eine gläserne Decke zu kommen – auch nicht, als ich meine beiden Kinder bekommen habe. Es gab nie eine Bremse, sondern gerade vom gesamten Leadership nur Support. Statt einem „Jetzt mach mal langsam“ kam da ein sehr wohlwollendes und fürsorgliches „Geht da noch was?“. Das hat sich bis heute nicht verändert und da bin ich auch kein Einzelfall, das ist Teil der gelebten DNA.
Du triffst heute selbst Einstellungsentscheidungen. Woran merkst du in einem Gespräch, dass jemand das Potenzial für eine Beratungskarriere mitbringt?
Ich stelle in jedem Gespräch zwei Fragen: „Willst du wirklich Gas geben und mit uns hier gemeinsam richtig viel gestalten?“ und „Was brauchst du, um erfolgreich zu sein?“
Die Antworten geben mir die wichtigsten Insights und sagen oft mehr als der Lebenslauf. Für mich gilt „Mindset over skill“: EY-Parthenon bietet extrem viele Trainings- und Schulungsangebote und fast jeder fachliche Skill lässt sich entwickeln. Mindset aber nicht. Das muss passen, so ziemlich von Anfang an.
Genauso wichtig ist der gegenseitige Fit, für uns und für die Kandidat:innen. Im ehrlichen Austausch zeigt sich, welche Rahmenbedingungen jemand braucht, um erfolgreich zu sein. Die spannendsten Kandidat:innen sind nicht immer die mit dem perfekten Lebenslauf, sondern häufig diejenigen, die neugierig sind, gute Fragen stellen und Lust haben, Dinge besser zu machen.
Fast jeder fachliche Skill lässt sich entwickeln – Mindset aber nicht
Eva-Lotta Hinzpeter // EY-Parthenon
Wie unterstützt EY-Parthenon Berufseinsteiger:innen in den ersten Monaten?
Der gelungene Einstieg ist uns, nach der Einstellungsentscheidung, besonders wichtig. Wir begleiten hier all unsere New Joiner auf mehreren Ebenen: Mit gemeinsamen Welcome to EY Days, einem Counselor für die langfristige Entwicklung, einem Buddy für Fragen im Daily Business und spezifischen Trainings im jeweiligen Team.
Und was sollte man selbst mitbringen, um gut anzukommen?
Berufseinsteiger:innen sollten eine gute Portion Motivation, Neugier und den Mut mitbringen, aktiver Teil des Teams zu sein. Entscheidend ist es, Verantwortung zu übernehmen und auch bei vermeintlich kleinen Aufgaben einen hohen Qualitätsanspruch zu zeigen. Als New Joiner kann man an jedem Punkt Leistungsbereitschaft zeigen. Und das wird gesehen. Wer sich einbringt und die besten Lösungen mitgestalten möchte, kann bei uns sehr schnell viel lernen. Und genau dafür fördern wir ein Umfeld, in dem auch Berufseinsteiger:innen sich trauen, mitzusprechen, Fragen zu stellen und Dinge zu hinterfragen.
Du bist inzwischen Partnerin bei EY-Parthenon und warst zuvor Mitglied des Europe West Young Leadership Boards. Was bedeutet es, nicht nur Kund:innen zu beraten, sondern gleichzeitig die Entwicklung der eigenen Beratung mitzugestalten?
Das Europe West Young Leadership Board verbindet das Senior Leadership von heute mit den Leader:innen von morgen und bringt unterschiedliche Perspektiven früh zusammen. Wir konnten eigene Themen einbringen, Initiativen entwickeln und mit Unterstützung des Senior Leaderships umsetzen: zum Beispiel zu flexiblem Arbeiten, Laufbahnen, Feedback-Strukturen und strategischem Kundenaufbau oder Förderprogramme.
Besonders wichtig war für mich, strategische Prioritäten für jüngere Kolleg:innen greifbar zu machen und gleichzeitig ihr Feedback ins Leadership zurückzutragen. So entsteht keine Einbahnstraße, sondern echter Austausch – und genau der ist entscheidend, damit Strategien im Arbeitsalltag Wirkung entfalten.
Führung bedeutet heute weit mehr als fachliche Exzellenz. Welche Eigenschaften sind aus deiner Sicht entscheidend, um Menschen für Veränderung zu gewinnen?
Für mich ist es das ideale Szenario, wenn die Menschen auf meinem Projekt in ihrem jeweiligen Fachgebiet besser sind als ich. Meine Aufgabe ist es dann, die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen, Hindernisse aus dem Weg zu räumen und im richtigen Moment Orientierung zu geben oder Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört auch Leadership rund um Strategie, Eskalationsmanagement und Kommunikation intern wie extern. Das ist ehrlich gesagt der beste Job überhaupt.
Dafür braucht es Empathie, Entscheidungsfähigkeit und kommunikative Klarheit. Menschen reagieren unterschiedlich auf neue Veränderungen: Die einen brauchen Orientierung, andere vor allem Freiraum und wieder andere möchten früh mitgestalten. Gute Führung erkennt diese Bedürfnisse und schafft einen Rahmen, in dem Menschen ihre Stärken einbringen und Verantwortung übernehmen können. Dann erleben sie Veränderung nicht als etwas, das mit ihnen passiert, sondern als etwas, das sie selbst mitgestalten können.

Du bist im Healthcare-Bereich tätig. Das ist eine der Branchen, die gleichzeitig unter enormem Veränderungsdruck und hoher gesellschaftlicher Verantwortung stehen. Was macht gerade diese Kombination für dich spannend?
Gesundheit ist ein besonderes Gut. Wenn die eigene Gesundheit betroffen ist, rückt vieles andere in den Hintergrund. Gleichzeitig hat auch die Gesundheitsversorgung eine ökonomische Dimension: Medizinisch wird immer mehr möglich, die verfügbaren Ressourcen sind aber begrenzt. Dieses Spannungsfeld erfordert einen besonders verantwortungsvollen Umgang und betrifft die Gesellschaft wie kaum ein anderes Thema.
Genau das macht den Healthcare-Bereich für mich so spannend. Unsere Arbeit bleibt nicht abstrakt. Wir können dazu beitragen, die Versorgung von morgen stärker von den Patient:innen her zu denken und Digitalisierung dort einzusetzen, wo sie einen echten Mehrwert schafft. Am Ende geht es darum, mit den verfügbaren Ressourcen eine möglichst gute Versorgung zu ermöglichen, ohne die Menschen aus dem Blick zu verlieren. Viel relevanter kann eine strategische Fragestellung kaum sein.
Wie verändert Künstliche Intelligenz konkret die tägliche Arbeit in der Strategieberatung und welche Rolle spielt sie in euren Healthcare-Projekten?
KI verändert unsere tägliche Arbeit, indem sie Analysen beschleunigt, große Datenmengen strukturiert und dabei unterstützt, Informationen aufzuarbeiten und Hypothesen zu entwickeln. Aufgaben, in die Teams vor wenigen Jahren noch viel Zeit investiert haben, funktionieren heute teilweise auf Knopfdruck. Dadurch verändern sich nicht nur Aufgaben, sondern auch Schulungsformate und Arbeitsweisen.
Gerade im Gesundheitsbereich gelten besonders hohe Anforderungen an Vertraulichkeit, Datensicherheit und Qualität. KI ist kein Allheilmittel, sondern muss gut evaluiert und dort eingesetzt werden, wo sie einen echten Mehrwert schafft, ohne Vertrauen zu gefährden.
Gleichzeitig merken wir sehr deutlich, was KI nicht ersetzen kann. Strategieberatung lebt vom gemeinsamen Denken und davon, eine Frage so lange aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten, bis wir wirklich die beste Antwort haben. Dabei stellen wir konsequent unsere Kund:innen ins Zentrum: Viele unserer Kundenbeziehungen sind über Jahre gewachsen, und im persönlichen Austausch nehmen wir Nuancen wahr, die sich kaum in Daten oder Prompts übersetzen lassen. KI kann uns dabei unterstützen, aber nicht ersetzen. Deshalb überlegen wir heute wieder bewusster, wann persönliche Meetings vor Ort sinnvoll sind, um genau diese Nuancen mitzunehmen – nicht als Gegenbewegung zu Digitalisierung oder KI, sondern weil beides unterschiedliche Stärken hat, die wir sinnvoll zusammenbringen müssen.
Kannst du ein konkretes Projekt bei EY-Parthenon beschreiben, das dich geprägt hat? Woran habt ihr gearbeitet und was war das Ergebnis?
Da kann es für mich nur eine Nummer 1 geben: Die elektronische Patientenakte. Wir sind seit 2019 verantwortlich für die elektronische Patientenakte für bis zu 27 Millionen Menschen in Deutschland, zunächst nur im Frontend, seit 2022 auch im Backend und Betrieb. Seit letztem Jahr haben wir eine komplett neue, hochmoderne technologische Lösung entwickelt, mir der wir zukünftig noch mehr Kund:innen erreichen wollen. Für diese Projekte bin ich seit Beginn in verschiedenen Rollen dabei und seit über zwei Jahren Teil des übergreifenden Leadership-Teams.
Mich begeistern vor allem die Größe und gesellschaftliche Relevanz der Aufgabe. Die ePA ist eine zentrale Säule der digitalen Gesundheitsversorgung in Deutschland. Sie bringt Gesundheitsinformationen zusammen, macht sie für Versicherte verfügbar und schafft damit Transparenz über die eigene Gesundheit. Der Go-live der bundesweiten „ePA für Alle“ Anfang 2025 war ein besonderer Meilenstein. Gleichzeitig besteht der Erfolg für mich nie allein darin, eine technische Lösung live zu bringen. Entscheidend ist, was daraus entsteht und welchen Nutzen die ePA für die Versicherten und für die Gesundheitsversorgung insgesamt entfalten kann.
Deshalb entwickeln wir sie kontinuierlich weiter und schaffen die Möglichkeiten, Gesundheitsdaten zukünftig noch sinnvoller und sicherer zu nutzen. Für mich ist das unglaublich spannend, weil die ePA damit eben kein abgeschlossenes Digitalprojekt ist, sondern eine lebendige und wachsende Grundlage für die Gesundheitsversorgung von morgen.

Eva-Lotta Hinzpeter ist seit 2026 Partnerin bei EY-Parthenon und berät Unternehmen und Institutionen im Gesundheitswesen zu Strategie- und Transformationsfragen, mit dem Schwerpunkt Digitalisierung. Nach ihren Studien der Betriebswirtschaftslehre und Gesundheitsökonomie an der Universität zu Köln sowie einem Masterstudium mit Schwerpunkt Healthcare Policy, Innovation and Management an der Maastricht University stieg sie 2018 bei EY-Parthenon ein. Neben ihrer Projektarbeit engagierte sie sich im Europe West Young Leadership Board, in dem ausgewählte Nachwuchsführungskräfte gemeinsam mit dem Senior Leadership an der strategischen Weiterentwicklung der Region arbeiten. Auch wissenschaftlich beschäftigt sie sich mit der Frage, wie der Mensch konsequent in den Mittelpunkt der Versorgung gestellt werden kann. In ihrer Forschung zu Patientenpräferenzen untersucht sie, was Patient:innen in der Gesundheitsversorgung wirklich wichtig ist. Eva-Lotta lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Köln. Ihre beiden Kinder kennen die EY-Parthenon-Büros schon von klein auf und winken gelegentlich in Videocalls in die Kamera.