Vier Vorständinnen aus studentischen Unternehmensberatungen im BDSU über Herausforderungen, Verantwortung und Führung
Führung kann früh beginnen – lange bevor der erste Jobtitel auf der Visitenkarte steht. Vier junge Vorständinnen aus studentischen Unternehmensberatungen, die im Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen (BDSU) organisiert sind, erzählen, warum sie Verantwortung übernommen haben, was sie dabei über Leadership gelernt haben und welche Erfahrungen sie für ihren weiteren Weg mitnehmen. Ihre Geschichten zeigen: Führung bedeutet nicht nur, Entscheidungen zu treffen, sondern auch zuzuhören, Verantwortung zu übernehmen und anderen Raum zu geben.
„Man muss nicht immer erst bereit sein, um Verantwortung zu übernehmen“
Ich bin Nina, 20 Jahre alt und studiere im dritten Semester Psychologie an der Universität Freiburg. Seit meinem ersten Semester bin ich bei TriRhena Consulting aktiv und darf seit dem Sommersemester 2026 als Vorstandsvorsitzende und Vorstand Unternehmenskontakte Verantwortung übernehmen.
Ich führe das Vorstandsteam und den Verein strategisch und leite gleichzeitig das Team Unternehmenskontakte mit dem Schwerpunkt auf Projektakquise und der Betreuung unserer Kooperationspartner.

Als ich bei TriRhena angefangen habe, war für mich ein Vorstandsamt noch kein konkretes Ziel. Ich bin zunächst im Team Human Resources gestartet und habe dort schnell gemerkt, dass ich gerne Verantwortung übernehme, eigene Ideen einbringe und Dinge mitgestalte. Schon als Trainee habe ich in meinem ersten Projekt eine Leitungsfunktion übernommen. Für mich war das eine gute Möglichkeit, mich bewusst aus meiner Komfortzone herauszubewegen und auszuprobieren, was ich eigentlich alles kann.
Vor meiner Bewerbung für den Vorstand habe ich mich gefragt, ob ich schon genug Erfahrung mitbringe. Gleichzeitig war mir aber wichtig, mich einzubringen, mitzuentscheiden und Verantwortung zu übernehmen. Gerade die Möglichkeit, den Verein aktiv mitzugestalten und andere zu inspirieren, hat mich letztlich dazu bewegt, den Schritt zu gehen. Dadurch habe ich gelernt, dass man nicht immer erst bereit sein muss, um Verantwortung zu übernehmen. Manchmal muss man sich entscheiden, den Schritt trotzdem zu gehen und in die Aufgabe hineinzuwachsen.
Als junge Frau in einem Umfeld mit vielen selbstbewussten Stimmen habe ich außerdem gelernt, die eigene Meinung klar zu vertreten und mir bewusst Raum zu nehmen. Gerade in Gesprächen mit Unternehmen habe ich schon erlebt, dass sich die Aufmerksamkeit manchmal eher an meine männlichen Begleiter richtet. Das sind keine Situationen, die ich ständig erlebe, aber sie haben mir gezeigt, wie wichtig ein selbstbewusstes Auftreten und das Einstehen für die eigene Perspektive sind.
Genau diese Erfahrung möchte ich auch anderen Frauen mitgeben. Ich möchte zeigen, dass man auch früh Verantwortung übernehmen kann, ohne bereits jahrelange Erfahrung mitzubringen. Besonders gefreut hat mich deshalb, dass im kommenden Semester eine weitere Frau in unseren Vorstand kommt. Für mich zeigt das, wie wichtig es sein kann, zu sehen, dass diese Position erreichbar ist.
Aus meiner Zeit bei TriRhena nehme ich vor allem mit, mutig zu sein, für die eigenen Interessen einzustehen und Chancen nicht auszuschlagen, nur weil man sich noch nicht hundertprozentig bereit fühlt. Diese Erfahrung wird mich auch in meinem späteren Berufsleben positiv beeinflussen.
„Frauen in Führung sind für mich keine Besonderheit“
Ich bin Jennifer, 24 Jahre alt, Wirtschaftspsychologin und Masterstudentin in Business Innovation & Technology an der Hochschule Bielefeld. Ehrenamtlich bin ich 3. Vorständin Processes & Organisation bei STUNT e. V., leite die IT unseres Dachverbands BDSU e.V. und bin Teil des Leitungskreises der BDSU-TrainerAkademie.

Dabei verantworte ich Themen von Finanzen und Vereinsorganisation über IT bis hin zu Qualitätsmanagement und Trainingskoordination.
Meine STUNT-Reise begann Ende 2022. Bereits 2024 übernahm ich als 2. Vorständin People & Culture erstmals Führungsverantwortung und seit eineinhalb Jahren bin ich 3. Vorständin. Im BDSU übernahm ich 2024 die IT-Leitung, seit Oktober 2025 bin ich außerdem Teil der TA-Leitung.
STUNT hat eine lange Tradition von Frauen in Führungspositionen: Schon die Initiative zur Gründung 2001 ging von einer Frau aus. In 25 Jahren Vereinsgeschichte war der Vorstand insgesamt nur dreieinhalb Jahre rein männlich besetzt. Ich bin stolz, mich in die Reihe starker Frauen einzureihen, die STUNT geprägt und weiterentwickelt haben. Meine Führungsrollen haben mir gezeigt, worauf es für mich ankommt: Flexibilität, Respekt, Vertrauen, gegenseitige Unterstützung und Authentizität. Besonders wichtig ist mir, Menschen in neue Rollen hineinzuentwickeln und Wissen weiterzugeben. Leidenschaft und Freude an der eigenen Arbeit sind für mich ansteckend und werden immer gezeigt und geteilt.
STUNT und der BDSU sind für mich die wichtigsten Orte meiner persönlichen Entwicklung geworden. Hier kann ich Verantwortung übernehmen, ausprobieren und über mich hinauswachsen. Dass ich eine Frau bin, war dabei nie ein Hindernis, auch nicht als Leiterin eines eher männlich geprägten IT-Bereichs. Mir ist bewusst, dass das gesellschaftlich noch nicht selbstverständlich ist. Umso mehr schätze ich es, sagen zu können: In meinem Netzwerk erlebe ich Frauen in Führung nicht als Besonderheit, sondern als Selbstverständlichkeit.
„Das Wie ist genauso wichtig wie das Was“
Ich bin Leah, 26 Jahre alt und studiere an der Uni Osnabrück Psychologie. Seit November 2024 bin ich Mitglied bei StudenTop e.V. und aktuell Vorständin für Internes und stellvertretende Vorstandsvorsitzende.
Neben der Verantwortung für interne Strukturen und Personalthemen betreue ich das Ressort Marketing & Events und die Stabsstelle Finanzen & Recht.
Als ich bei StudenTop angefangen habe, war mein Ziel nicht, irgendwann im Vorstand zu sitzen. Ich wollte Erfahrungen sammeln, Leute kennenlernen und mich in einem sicheren Rahmen ausprobieren. Doch mit der Zeit sah ich eine Chance, mich noch stärker weiterzuentwickeln.

Zu Beginn des Amtes dachte ich, dass ich den Überblick über den gesamten Verein haben müsste und Verantwortung übernehmen, delegieren und Entscheidungen treffen würde. Das war auch nicht falsch, aber schnell wurde deutlich, dass eine Führungsposition viel mehr bedeutet: Führung bedeutet nicht nur, vorne zu stehen und den Weg vorzugeben, sondern zuzuhören, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und Entscheidungen zu treffen, ohne dabei zu vergessen, dass hinter jeder Aufgabe und jedem Projekt echte Menschen stehen. Es sind gar nicht immer die großen Dinge, sondern viele kleine Schritte, die man gemeinsam und aufeinander zugeht, die den Verein und Projekte wirklich voranbringen.
Gerade als junge Frau in einer Führungsposition habe ich gelernt, mich nicht hinter anderen zu verstecken. Ich muss nicht die lauteste Stimme im Raum sein oder auf alles sofort eine Antwort haben, um meine Meinung sinnvoll einzubringen. Das Amt hat mich gelehrt, wie wichtig gute Kommunikation ist. Egal, ob es um Aufgabenbeschreibungen, rechtzeitige Eventankündigungen oder schwierige Gespräche geht: Am Ende ist das Wie genauso wichtig wie das Was.
Genau diese Erfahrungen aus meiner Vorstandszeit nehme ich auch ins Consulting mit. Gute Zusammenarbeit bedeutet eben nicht nur, fachlich gute Lösungen zu entwickeln, sondern sich intern so aufzustellen, dass man als Team gut und stark zusammenarbeiten kann. Wichtig ist, für andere Perspektiven offen zu sein, die richtigen Fragen zu stellen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Führung und wahres Leadership haben für mich nichts mit unserem Geschlecht zu tun, sondern damit, wer wir bereit sind zu sein, wenn wir Verantwortung übernehmen.
„Was bedeutet es, als junge Frau Verantwortung zu übernehmen und zu führen?”
Ich bin Sarah, 20 Jahre alt, studiere an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Psychologie und BWL und bin die Vorstandsvorsitzende von UNICONSULT Kiel.
Zu UNICONSULT kam ich bereits in meinem ersten Psychologie-Semester im Oktober 2025. Im März 2026 übernahm ich zunächst die Leitung für Marketing & PR. Der Schritt in den Vorstand war für mich eine bewusste Entscheidung für mehr Verantwortung. Gleichzeitig motivierte mich, dass es vor mir bei UNICONSULT noch keine Frau als Vorstandsvorsitzende gegeben hatte. Ich wollte diese Chance nicht nur für meine eigene Entwicklung nutzen, sondern auch ein Zeichen setzen und andere Frauen ermutigen, Führungsverantwortung zu übernehmen.

Mein Ziel war es, Leadership auch mal anders zu denken, unterschiedliche Perspektiven zu betrachten und mich Herausforderungen mit Mut zu stellen. Das Vorstandsamt zeigt mir, dass Leadership bedeutet, Entscheidungen zu treffen, auch wenn nicht immer alle Antworten feststehen. Als Vorstandsvorsitzende bin ich für die strategische Führung des gesamten Vorstands verantwortlich. Dazu gehört, Entscheidungen zu treffen, die ich für essenziell und richtungsweisend halte, auch wenn meine Vorstandskollegen zunächst anderer Meinung sind.Gleichzeitig bedeutet gute Führung für mich, die eigenen Vorstellungen zurückzustellen, wenn eine gemeinsame Lösung im Sinne des Teams oder des Vereins sinnvoller ist.
Durch meine beiden Studiengänge lerne ich, sowohl die menschliche als auch die wirtschaftliche Perspektive zu betrachten. Gerade im Consulting und in Führungspositionen sehe ich darin einen entscheidenden Vorteil: Nachhaltige Entscheidungen entstehen selten aus nur einer Perspektive.
Sichtbar sein und andere Frauen ermutigen, das ist mein Motto. Ich glaube, wir alle haben eine Frau im Kopf zu der wir aufschauen, wo wir sagen, diese Stärke und Verantwortung möchte ich auch eines Tages verkörpern. Genau das ist mein Ziel: selbst ein Vorbild für andere Frauen zu sein und sie zu ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen.
Für meine Zukunft nehme ich den Mut mit, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und an neuen Herausforderungen zu wachsen. Führung beginnt für mich nicht mit einem Titel, sondern mit der Bereitschaft, Verantwortung zu tragen.
Also: Traut euch, sichtbar zu sein, Verantwortung zu übernehmen und anderen Frauen zu zeigen, was möglich ist!