Entscheidend ist auf dem Spielfeld

Start-up Sennder im Berliner Spielfeld

Spielfeld soll Unternehmen, Experten und Start-ups wie Sennder zusammenbringen, um digitale Innovationen und Geschäftsmodelle zu entwickeln.

 

Seit Januar 2016 gibt es in Berlin ein neues Spielfeld für Start-ups und Digitalexperten. Dieser digitale Hub ist ein Gemeinschaftsprojekt von Roland Berger und Visa Europe Collab. Spielfeld soll innovativen Ideen einen schnelleren Marktzugang bieten und es großen Unternehmen ermöglichen, ihre eigene digitale Transformation umzusetzen. junior//consultant traf Spielfeld-Geschäftsführer Tobias Rappers (Roland Berger) und Michael Hoffmann (Head of Visa Collab Berlin) zum Interview.

 

Können Sie uns kurz und knapp in drei Sätzen erklären, was Spielfeld genau ist? 

Michael Hoffmann: Spielfeld ist ein Platz für Firmen und Start-ups, um gemeinsam an Projekten rund um das Thema Digitalisierung zu arbeiten. Dieser Platz stellt den Office Space, das Netzwerk und interessante Formate zur Verfügung, um das zu erreichen. Und es baut sich gleichzeitig damit als wichtiger Player innerhalb der Innovationscommunity in Berlin und ganz Deutschland auf.

In welcher Form findet das Networking und die Zusammenarbeit statt?

Michael Hoffmann: Wenn wir mit Firmen Projekte durchführen, bringen wir sie über Spielfeld mit Start-ups in Kontakt, damit der Meinungs- und Ideenaustausch gefördert wird. Daneben haben auch die Start-ups die Möglichkeit, ihre Produkte bei diesen Firmen zu positionieren. Aktuell haben wir fünf Start-ups permanent bei uns auf der Fläche, die aus unserem Spielfeld heraus arbeiten und unsere Infrastruktur nutzen. Über Events und Workshops haben wir viele Firmen zu Besuch. Im Rahmen dieser Veranstaltungen gibt es dann auch immer Kontakt zwischen den Kunden und den Start-ups vor Ort.

Ist es eher so, dass die Unternehmen konkrete Hilfe bei der Umsetzung suchen – oder oft auch nur Inspiration?

Tobias Rappers: Wenn wir im Spielfeld aktiv werden, dann geschieht dies immer im Rahmen eines Strategieprojektes. In großen digitalen Transformationsprojekten kommt man zu dem Punkt, an dem man die Strategie, die man entwickelt hat, in Handlungsfelder unterteilt. Die festgelegte Stoßrichtung ist verbunden mit einzuführenden Maßnahmen, Produkten und Services. Diese Maßnahmen wären früher in PowerPoint-Charts erarbeitet worden. Durch das Spielfeld lässt sich das Konzept hingegen im Idealfall direkt als Prototyp umsetzen. Wir können damit ganz anders an diese Digitalisierungsprojekte herangehen, denn wir stehen nicht mehr in Anzug und Krawatte beim Kunden vor Ort, sondern funktionieren im Austausch mit vielen anderen Parteien aus dem Netzwerk.

Spielfeld ist nicht nur eine Fläche, auf der Workshops stattfinden und Start-ups sich entwickeln. Wenn Roland Berger hier ein Projekt durchführt, dann arbeiten die Mitarbeiter des Kunden zusammen mit den Roland-Berger-Beratern und mit dem externen Dienstleister vor Ort und schaffen Lösungen. Diesen erweiterten Beratungsansatz verfolgen wir schon seit zwei Jahren. Spielfeld ist ein wichtiger Baustein in diesem Zusammenhang.


“Wir sind Teil eines lebendigen Netzwerkes und wissen, womit sich Start-ups und Entwickler momentan beschäftigen”

Tobias Rappers, Roland Berger


Wie funktioniert das Zusammenbringen von Unternehmen und Start-ups?

Tobias Rappers: Es funktioniert nicht über Datenbanken, sondern weil wir Teil eines lebendigen Netzwerkes sind.

Michael Hoffmann: Das Netzwerk muss in alle Richtungen funktionieren. Zum einen müssen wir als Spielfeld, als Visa und als Roland Berger wissen, was im Markt passiert. Welche Ideen werden entwickelt? Welche Firmen, welche Gründer arbeiten an welchen Innovationen? Dann können wir selbst aktiv auf sie zugehen. Zum anderen müssen diese Entwickler und Start-ups wissen, dass es mit dem Spielfeld einen Ort gibt, an dem wir uns mit solchen Themen beschäftigen. Das ist genau dieses Netzwerk, was wir angefangen haben, aufzubauen. Wenn man feststellt, dass eine Firma eine Fragestellung in einem Themengebiet hat und wir wissen, wer daran konkret arbeitet, dann laden wir beide Parteien zu uns ein. Und das funktioniert sehr, sehr gut.

Wie kam es überhaupt zur Zusammenarbeit von Roland Berger und Visa?

Michael Hoffmann: Das war eine glückliche Fügung. Wir kamen beide zur gleichen Zeit auf eine ähnliche Idee, nämlich Berlin als die Basis für Innovationsprojekte zu nutzen, um uns mit der Community auszutauschen und interessante Projekte durchzuführen. Wir haben zu der Zeit gemeinsam an einem ganz anderen Projekt gearbeitet und zum Glück miteinander geredet. Dabei haben wir festgestellt, dass wir gerne etwas ähnliches machen wollen.

Sie sagten, Sie haben auch einige junge Firmen direkt bei sich vor Ort sitzen. Können Sie da ein, zwei vorstellen?

Michael Hoffmann: Wir haben mit Sennder ein Logistik-Start-up hier, das daran arbeitet, freie Kapazitäten von Fernbussen zu nutzen, um Pakete zu verschicken. Daneben gibt es noch Hyko by CareToSave. Die emotionalisieren das Energieprodukt Strom und haben dazu eine Eisbären-Lampe designt, die an Smart-Home-Devices angeschlossen werden kann.

Der Bär wechselt die Farbe, wenn viel Strom in der Wohneinheit verbraucht wird. Kinder können durch den Eisbären den Stromverbrauch erleben. Das sind zwei von fünf Start-ups, die im Moment bei uns sind.

Zum Abschluss: Wie kann man denn als Entwickler oder interessierter Student Spielfeld zwanglos kennenlernen?

Tobias Rappers: Wir haben zu diesem Zweck einige Veranstaltungsformate ins Leben gerufen. Eines davon nennt sich Founders Kitchen. Es wurde im April das erste Mal durchgeführt und richtet sich an Leute mit interessanten Ideen. Im Rahmen von Founders Kitchen geben wir ihnen die Möglichkeit, ihre Idee vorzustellen, diese im Anschluss mit Experten sowie anderen Gleichgesinnten zu diskutieren und eventuell konzeptionell weiterzuentwickeln. Ziel ist es, in der nächsten Stufe sagen zu können, ob es sich lohnt, aus der Idee tatsächlich ein Start-up zu machen und in eine Gründung zu gehen. Schauen Sie einfach ab und zu auf www.founderskitchen.de, hier werden die kommenden Events und die jeweiligen Schwerpunkte angekündigt.


Tobias Rappers, Roland Berger

Tobias Rappers ist seit 2012 bei Roland Berger und seit Januar 2016 Managing Director bei der Spielfeld Digital Hub GmbH in Berlin. Der ehemalige Teilnehmer von “Join the best” wurde als bester Absolvent im Fach Marketingmanagement an der HHL Leipzig Graduate School of Management ausgezeichnet.


Michael Hoffmann, Visa

Michael Hoffmann ist seit 2001 bei Visa Europe. Nach verschiedenen Stationen im Marketing, Vertrieb und Processing in Frankfurt und London ist er seit Juli 2015 Innovation Partner and Head of Visa Collab Berlin.