Bewerber*innenmarkt: Was erwarten Nachwuchsberater*innen von Unternehmen?

Bewerbermarkt: Unternehmen bewerben sich zunehmend durch ihre Angebote bei ihren zukünftigen Mitarbeiter*innen. Foto: Andrea Piacquadio

Bewerber*innenmarkt: Unternehmen bewerben sich zunehmend durch ihre Angebote bei ihren zukünftigen Mitarbeiter*innen.
Foto: Andrea Piacquadio

Was Studierende von Arbeitgebern erwarten: Ein Gastbeitrag des BDSU zum Thema Bewerber*innenmarkt

Was erwarten studentische Berater*innen von ihren zukünftigen Arbeitgebenden? Und was sind Anregungen und Ideen, die in vielen studentischen Unternehmensberatungen bereits umgesetzt und von den Studierenden angenommen werden? Diesen Fragen widmet sich der folgenden Artikel mit Zahlen aus der Studierendenbefragung 2021, die als Kooperationsstudie des BDU (Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen), BDSU (Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen) und JCNetwork (Junior Consultant Network) erschienen ist.

In den vergangenen Jahren hat sich der Arbeitsmarkt merklich gewandelt. Viele Arbeitgebende suchen nach jungen Talenten und müssen sich dabei nun auf einen sich wandelnden Arbeitgebendenmarkt einstellen. Während ehemals viele Bewerbungen auf eine Stelle trafen, sind es nun wenige Bewerbungen auf eine breite Auswahl an offenen Stellen. Die Herausforderung der Unternehmen ist es, sich den heutigen Studierenden und Absolvierenden zu nähern, um sich den Erwartungen dieser Gruppen anzupassen, sich gegenüber den konkurrierenden Mitbewerbenden durchzusetzen und die vielversprechendsten Talente zu sichern.

Gemeinsam auf Augenhöhe

In den Augen vieler Studierender ist eine der wichtigsten Rahmenbedingungen für eine Arbeitsumgebung, in der sie sich wohlfühlen, eine in der die Kollegen*innen professionell und zugleich locker miteinander umgehen. Sie schätzen eine Kultur, in der man innerhalb eines offenen Austauschs Fragen offen stellen kann.

Des Weiteren begrüßen viele Studierende eine Arbeitskultur, in der unterstützt und Verständnis gezeigt wird, in der Herausforderungen offen angesprochen und zusammen gelöst werden. Eine etablierte Feedback-Kultur ist für viele wichtig, bei der konstruktives Feedback im Vordergrund steht, um eine Kultur der Wertschätzung zu schaffen. Dabei sind besonders persönliches Wachstum und die Möglichkeit, in einem Team gemeinsam Dinge nach vorne zu bringen wichtig.

Die Feedback-Kultur und die Kultur der Wertschätzung schließen die Führungskräfte und Vorgesetzten ein. Ein respektvoller Austausch auf Augenhöhe ist essenziell, um sich weiterzuentwickeln und für die Vorgesetzten von Vorteil, um die Perspektiven der Mitarbeitenden zu verstehen und darauf zu reagieren.

Remote ändert vieles, jedoch nicht alles

Die Einschränkungen während der Pandemie haben die Einstellung der Studierenden in Bezug auf den Wohnort verändert. So hat die Studierendenbefragung von 2021 ergeben, dass im Vergleich zu 2019 doppelt so viele Befragte international umzugsbereit sind. Auslandserfahrungen werden von Studierenden als besonders reizvoll empfunden und bieten eine gute Alternative für eine Workation (die Verschmelzung von Arbeit und Urlaub). Dabei schließt eine internationale Umzugsbereitschaft nicht automatisch eine bundesweite mit ein.

Das Leben vieler Studierender findet meist nicht mehr nur in einer Stadt oder Region statt, sondern bundesweit, wenn nicht sogar international. Dadurch wird die Möglichkeit remote arbeiten zu können, immer wichtiger und für viele Studierende entscheidend bei der Auswahl des Arbeitgebenden. Trotz der Möglichkeit, remote zu arbeiten, ist der persönliche Austausch mit Kolleg*innen und Kund*innen gewünscht. Arbeitgebende sollten dabei einerseits digitale Teambuildings fördern und andererseits eine Atmosphäre schaffen, in der die Mitarbeitenden gerne ins Büro gehen und somit das kollegiale Miteinander stärken. Es wird gerade für die Führungskräfte ein immer größerer Spagat werden, dass bei einem hybriden Modell niemand hinten runterfällt.


Auslandserfahrung ist wieder in: Die Studierendenbefragung von 2021 hat ergeben, dass im Vergleich zu 2019 doppelt so viele Befragte bereit sind, international umzuziehen


In vielen studentischen Unternehmensberatungen des BDSU wurde die Motivation durch regelmäßige Online-Socials gestärkt. Digitale Weihnachtsfeiern und Sommerfeste standen oftmals unter einem bestimmten Motto, um so jedes einzelne Treffen zu einem besonderen zu machen und eine gemeinsame Basis für das Netzwerken zu stärken.

Für die Organisator*innen dieser Events bedeutete eine Reduzierung des logistischen Aufwands nicht automatisch eine Reduzierung der Arbeit insgesamt. Vielmehr fand eine Verlagerung des Aufwands in andere Bereiche wie die Programmgestaltung statt. Durch solche und andere Online-Events konnte das Engagement der studentischen Berater*innen weiter aufrechterhalten werden. Nicht zuletzt stellten die studentischen Unternehmensberatungen an einigen Hochschulen die einzige Möglichkeit dar, remote andere Studierende kennenzulernen. Teils steigende Bewerber*innenzahlen während der Pandemie bekräftigen das Engagement der studentischen Unternehmensberatungen.

Calls ersetzen keinen Händedruck

Gerade Networking Events sind für Studierende ein großer Benefit neue Menschen kennenzulernen. Die Möglichkeit, sich gegenüber Kommiliton*innen abzuheben und frühzeitig ein eigenes Netzwerk aufzubauen, wird gerne angenommen und genutzt. So sehr die Pandemie uns in Onlineveranstaltungen und Videocalls geschult hat, so sehr wissen wir auch, dass die digitalen Events allein nicht ausreichen. Sie sind dabei allerdings sehr gut als Ergänzung zu den Präsenzveranstaltungen geeignet.

Berater*innen der BDSU JE (Junior Enterprises), bauen sich durch Netzwerktreffen, wie zum Beispiel die Kongresse sowie Arbeitskreistreffen und andere Events frühzeitig ein eigenes Netzwerk auf. Dabei wird nicht nur der Austausch zwischen den JE gefördert, sondern auch der Austausch mit verschiedensten Unternehmen, die die Berater*innen innerhalb von Workshops und anderen Formaten näher kennenlernen.

Die Events des BDSU bieten den einzelnen Teilnehmenden somit nicht nur die Möglichkeit alte Freund*innen wieder zu treffen, sondern auch neue Bekanntschaften zu schließen. Durch ihre Vernetzung mit Unternehmensvertreter*innen, haben beide Seiten die Möglichkeit sich gegenseitig kennenzulernen und unter anderem den personal fit herauszufinden, was die Suche beidseitig deutlich verfeinert und sicherer macht.

Dadurch, dass studentische Unternehmensberatungen bereits im großen Umfang intern digital zusammenarbeiten und die Arbeit des BDSU rein digital stattfindet, konnten die Kongresse innerhalb kürzester Zeit ins Digitale übernommen und so weiterhin durchgeführt werden. Und auch wenn es unterm Strich kein gleichwürdiger Ersatz ist, zeigt es, dass mit Kreativität und den digitalen Möglichkeiten, auch Online-Events ein Erfolg sein können. Was allerdings auch deutlich wurde, dies funktioniert nicht von jetzt auf gleich, sondern verlangt den Mut neues auszuprobieren und die Bereitschaft neue Herausforderungen anzugehen. Letztendlich stellt es auch für Unternehmen eine Möglichkeit dar, durch digitale Unternehmens-Events Mitarbeiter*innen unterschiedlichster Standorte zusammenzubringen und langfristig die Zusammenarbeit zu stärken.

Diversity & Inclusion

Aufgrund der demokratischen Strukturen innerhalb der studentischen Unternehmensberatungen gibt es per se und braucht es auch keine Frauenquote.

Gleichberechtigung wird im BDSU vorgelebt und ist selbstverständlich. Der Vorstand wird gewählt und jede*r Bewerbende sich und seine Vision für das Amtsjahr präsentiert. In der Vergangenheit hat sich die Konstellation der Vorstände mit verschiedenen Geschlechtern als sehr harmonisch und erfolgreich erwiesen. So bringt eine Geschlechtermischung einerseits deutlich vielfältigere, vor allem aber breitere Perspektiven, in denen sich die Mitglieder auch wiederfinden können, mit sich. Dabei geht es nicht um das Geschlecht. Vielmehr geht es um die Persönlichkeit, die Motivation, die Visionen und was die Person an Wissen mitbringt.


Weiterbildungsmaßnahmen gehören für 94 Prozent der Befragten zu den wichtigsten Nebenleistungen


Neben den demokratischen Strukturen spielt das Geschlecht insbesondere aufgrund der Irrelevanz der Familienplanung keine Rolle. Es mag vielleicht am jungen Alter der studentischen Berater*innen liegen. Studentinnen werden nicht nach ihren Familienplänen gefragt. Höchstens nach ihrer Motivation und Vision für das kommende Amtsjahr. Diese Frage wird allen Bewerbenden gestellt. Denn wer sich bei einer studentischen Unternehmensberatung engagieren möchte, muss nicht nur Zeit und Motivation mitbringen, sondern auch emotionale Intelligenz.

Obstkörbe und Tischkicker reichen nicht

Aus der Studierendenbefragung 2021 durch die Kooperation des BDU, BDSU, JCNetwork geht hervor, dass Zuschüsse zu Weiter- beziehungsweise Zusatzausbildungen für 94 Prozent der Befragten zu den wichtigsten Gehaltsnebenleistungen gehören. Das sieht man auch daran, dass das interne sowie externe Schulungsangebot innerhalb des BDSU rege genutzt wird und für viele Mitglieder einen der größten Mehrwerte darstellt.

Durch die Mitgliedschaft als Berater*in einer studentischen Unternehmensberatung können die Studierenden an vielen verschiedenen Formaten wie Workshops, Case Studies und Schulungen kostenfrei teilnehmen. Die meisten dieser Angebote sind Kooperationsveranstaltungen mit Partner*innen oder auch dem BDSU. So wird unabhängig vom Studium und den Projekten oder Tätigkeiten in der studentischen Unternehmensberatung Wissen vermittelt und gleichzeitig das eigene Netzwerk erweitert.

Raphael G. Würffel

„Mit Work-Life-Balance und Obstkörben wirbt heute jede Beratung. Viel wichtiger sind allerdings Offenheit und Transparenz – und damit Authentizität.“ Raphael Würffel, 1. Vorsitzende des BDSU

Neben Benefits wie Zuschüssen zu Weiter- beziehungsweise Zusatzausbildungen, ist eine betriebliche Altersvorsorge und eine Auswahl an Mobilitätsangeboten jungen Menschen ebenfalls wichtig.

Eine weitere wichtige Gehaltsnebenleistung sind die Zuschüsse zu Betreuungskosten, zum Beispiel für Kinder oder pflegebedürftige Eltern. Das ist für 68 Prozent der Teilnehmenden der Studierendenbefragung relevant bei der Arbeitgebendenwahl. Eine weitere Möglichkeit um Familienfreundlichkeit zu beweisen, ist es, Vorbilder zu zeigen, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Karriere geht. Gerade, wenn sich zum Beispiel Mitarbeiter*innen in Führungspositionen Elternzeit nehmen, kann das ein starkes Signal und positives Beispiel sein.

Interessant ist aber auch ein Phänomen, welches der 1. Vorsitzende des BDSU, Raphael Würffel, vor kurzem im Handelsblatt ausführte. So buhlen viele Beratungen um potenzielle Bewerber*innen mit kostenfreien Snacks und Getränken am Arbeitsplatz. Jedoch sei dies heute nicht mehr das, womit sich Unternehmen gegenüber Mitbewerbenden hervorheben würden. Viel wichtiger sei es, authentisch, klar und offen die Unternehmenskultur zu reflektieren und die Möglichkeiten für Berufseinsteiger aufzuzeigen. Dies schätzen Studierende deutlich mehr als die typischen Standard-Floskeln wie “Bei uns stimmt die Work-Life-Balance”.


Dicle Alak, BDSU
Dicle Alak (25) aus Lüneburg studiert Wirtschaftswissenschaften und Chinesisch (Moderne Ostasienwissenschaften) in Duisburg. Sie ist seit Mai 2021 Mitglied und seit September 2021 Ressortleitung für Compliance and Business Operations der studentischen Unternehmensberatung WIP Student Consulting. Das Ressort umfasst elf Mitglieder und ist unter anderem für die Themen Finanzen, Recht, Organisation und Qualitätsmanagement zuständig. Seit Mai 2022 ist sie Mitglied des Ressorts Öffentlichkeitsarbeit des BDSU.