Beratung mit Beat

Praxiserfahrungen sammeln und das für einen guten Zweck – wenn studentische Unternehmensberatungen ehrenamtliche Organisationen unterstützen, profitieren davon beide Seiten. Diese Erfahrung machten die Mitglieder des Berliner Campus Projekt e. V., die dem gemeinnützigen Verein HipHop geht anders!, einer Initiative zur Förderung der Persönlichkeit von Schülern durch Hip-Hop, bei der Organisationsentwicklung halfen.

Im Zuge eines internen Auswahlverfahrens ging der im Jahr 2011 in Berlin gegründete Verein HipHop geht anders! als Gewinner des  diesjährigen Pro-bono-Projekts vom Berliner Campus Projekt e. V. (BCPro) hervor. Durch den Aufbau der Ganztagsschule in Berlin ist die Se-natsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung bestrebt, neue Bildungsangebote durch die Verknüpfung von Schul- und Sozialpädagogik anzubieten. Der Senat setzt hierbei auf Kooperationen mit freien Trägern, um vielfältiges und interkulturelles Lernen zu fördern.

Das innovative pädagogische Konzept von HipHop geht anders! ist in Berlin einzigartig. Im Rahmen der Nachmittagsangebote der Schulen können sich die Schüler ein Schuljahr lang in einem der Elemente des Hip-Hop (Rap, Beat-boxing, Tanz und Graffiti) ausprobieren. Ziel des Vereins ist es, junge Menschen in ihrer Persönlichkeit zu fördern. Zudem soll gezeigt werden, dass Hip-Hop keine gewaltverherrlichende, sexis-tische oder rassistische Kultur ist, sondern eine, mittels derer sich Künstler kreativ ausdrücken.

Ein Projektteam vom BCPro befasste sich 2012 mit der Förderung der Organisationsentwicklung dieses noch jungen Vereins. Voller Vorfreude blickte BCPro-Projektleiter Tim Diekman zum Start im Mai auf die bevorstehende Herausforderung: „Jede Organisation durchläuft spezifische Entwicklungsphasen. HipHop geht anders! befindet sich im ersten Jahr nach der Gründung. Durch den schöpferischen Akt der Pionierphase wurde ein Portfolio erarbeitet. Auf dieser Grundlage können wir gemeinsam aufbauen.“

Inhaltlich gliederte sich das Projekt in die beiden Teilprojekte Freiwilligenmanagement und Qualitätsmanagement. Das Freiwilligenmanagement hat als Teilbereich des Personalmanagements die Aufgabe, ehrenamtliche Mitarbeiter zu betreuen und deren Identifikation mit dem Verein zu stärken. Hierzu installierten die Teammitglieder ein Controlling- und Zeugnistool, formulierten ein Konzept für allgemeine Richtlinien und entwarfen einen Gesprächsleitfaden. Ziel des Qualitätsmanagements von HipHop geht anders! ist es, die Arbeitsabläufe zu verbessern und in einem nächsten Schritt das Vertrauen der Berliner Schulen zu gewinnen. In diesem Teilprojekt erarbeiteten die Berater ein Umfrage-Set, bestehend aus Fragebögen für Schüler und Workshop-Leiter, einem Screencast mit der Anwendungserklärung und einer Handlungsempfehlung zur Durchführung der Umfragen. Alle Ergebnisse wurden zum Projektabschluss im September 2012 an HipHop geht anders! übergeben, wo sie bereits erfolgreich angewendet werden.

Eine der größten Herausforderungen während der Zusammenarbeit war es, geeignete Termine für gemeinsame Absprachen zu finden. In ehrenamtlich geführten Non-Profit-Organisationen ist gegenüber den Mitarbeitern besondere Nachsicht zu gewähren. Wenn ein Termin nicht zustande kommen kann oder kurzfristig verschoben werden muss, geschieht dies nicht aus böser Absicht, sondern häufig aufgrund der eingeschränkten zeitlichen Verfügbarkeit ehrenamtlicher Mitarbeiter durch Studium oder Beruf. Die Treffen selbst waren jedoch stets produktiv und fanden in einem sehr angenehmen Rahmen statt. Das bestätigten sowohl das Projektteam als auch die Vertreter von HipHop geht anders! beim Projektabschluss.

Thomas Hebold, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Hip Hop geht anders! e. V. bedankte sich für die erarbeiteten Ergebnisse: „Für unseren kleinen Verein war die Zusammenarbeit mit BCPro auf eine erfrischende Art und Weise professionell. Sowohl die persönlichen Treffen als auch die Online-Kommunikation waren geprägt von guten und zielführenden Beiträgen seitens des Projektteams.“ Projektleiter Tim Diekmann fügte hinzu: „Eine unserer größten Stärken ist die innovative Denkweise, die wir als Studenten mitbringen. Ich bin überzeugt, dass wir durch unser Engagement einen wertvollen Beitrag zur Organisationsentwicklung von HipHop geht anders! leisten konnten.“

Über den Tellerrand des eigenen Studiengangs hinaus blicken und in einer heterogenen Gruppe seine eigenen Potenziale entdecken, sie zu fördern und auszuschöpfen – das ist es, was für mich den Reiz dieses Engagements ausmacht. Derzeit arbeiten beim BCPro über 80 Mitglieder in den Ressorts Marketing, IT, Externes, HR und Qualitätsmanagement sowie im Projektmanagement interdisziplinär zusammen. Das Schöne daran ist, dass sich die Vielfalt nicht nur auf die Mitglieder, sondern auch auf die Projekte beziehen lässt. Für die Studenten bieten Projekte im dritten Sektor einen schönen Kontrast, denn in erster Linie fördert der Verein, der 1998 an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin gegründet wurde, die aktive Zusammenarbeit mit der privaten Wirtschaft. Das verantwortliche unternehmerische Handeln im Rahmen der eigenen Geschäftstätigkeit, meist durch CSR (Corporate Social Responsibility) abgekürzt, wird von den studentischen Beratern bei BCPro deshalb nicht nur als Aufgabe, sondern auch als neue Herausforderung wahr- und angenommen.

Für das Projektteam war es eine zusätzliche Motivation, durch die geleistete Arbeit etwas Gutes zu tun. Praxiserfahrung sammeln für einen guten Zweck – für wen dies ein guter Grund ist, sich ebenfalls zu engagieren, für den sind eine studentische Unternehmensberatung und deren Projekte genau das Richtige.

Autor: Sven Vetter; Berliner Campus Projekt e. V.