Via MINT in der Beratung

Die Umweltingenieurwissenschaftlerin Fiona Walman ist Beraterin bei Kearney

Fiona Walman von Kearney

Die Umweltingenieurin Fiona Walman ist Beraterin bei Kearney

Wie viele andere Naturwissenschaftler und Ingenieure lockte auch Fiona Walman einer der größten Vorteile, die Beratungen zu bieten haben: die Vielfalt der Tätigkeitsfelder. Denn damit geht die Möglichkeit einher, sich nicht am Anfang der Karriere bereits auf eine Branche festlegen zu müssen. Im Interview berichtet die Umweltingenieurin, wie sie den Weg ins Consulting fand und welche Rolle ihr Studium bei ihrem Job bei Kearney spielt.

Frau Walman, wenn man wie Sie Umweltingenieurwissenschaften beziehungsweise Umweltverfahrenstechnik studiert, tut man das selten mit dem festen Ziel, UnternehmensberaterIn zu werden. Warum studierten Sie, was Sie studiert haben?

Mich haben in der Schule schon immer die Naturwissenschaften am meisten begeistert. Mathe, Biologie und Chemie waren meine Lieblingsfächer. Daher hatte ich mir am Anfang gar nicht zu viele Gedanken um den Beruf gemacht, den man nach dem Studium ergreift, sondern mir überlegt, was mir am meisten Spaß macht und wo ich meine Fähigkeiten am besten nutzen kann. Da liegt ein technisches Studium sehr nahe und ist zudem bezüglich der Jobvielfalt und -chancen ziemlich aussichtsreich. Außerdem wollte ich schon damals, als ich 2011 angefangen hatte zu studieren, etwas studieren und ausüben, was auch zukunftsträchtig ist und einen positiven Nutzen schafft.

Wie kamen Sie dann in die Beratung und zu Kearney?

Nachdem ich mein Praktikum bei den United Nations Development Programme in Indonesien gemacht habe und dort mit externen Beratern gearbeitet habe, bin ich zum ersten Mal richtig auf das Berufsbild „Beratung“ gekommen. Ich fand es spannend, wie die Berater*innen – da ging es um Umweltschutzprojekte – in den verschiedenen Projekten ihre Expertise einbringen mussten. In meiner Masterarbeit habe ich an einer techno-ökonomischen Auswertung von synthetischen Kraftstoffen mitgeforscht und mich viel mit dem Thema Wirtschaftlichkeit und Kostenrechnung befasst. Ich fand diese Mischung aus technischem und wirtschaftlichem Denken sehr reizvoll.


Die Unternehmensberatung war für mich der ideale Ort, um nach dem Studium verschiedene Industrien kennenzulernen

Fiona Walman, Kearney


Zudem fand ich verschiedene Industriesektoren total interessant – Energie- und Chemieindustrie – und konnte mich nicht richtig entscheiden, wo ich mich bewerben wollen würde. So war die Unternehmensberatung nach dem Studium für mich der ideale Ort, um verschiedene Industrien kennenzulernen und meine technischen und wirtschaftlichen Fähigkeiten einzusetzen. Ich habe mich dann mit einigen Leuten aus der Branche unterhalten. Ein ehemaliger Kommilitone hat mich so auf Kearney aufmerksam gemacht.

Sind Sie als Frau mit MINT-Hintergrund bei Kearney eigentlich so etwas wie ein Einhorn oder gibt es noch andere von Ihrer Art?

Einhorn würde ich nicht sagen – ich bin nämlich nicht die einzige Frau mit MINT-Hintergrund bei Kearney. Und erst recht nicht die Einzige, die ein MINT-Fach studiert hat. Bei Kearney gibt es tatsächlich sehr viele Kolleg*innen, die keinen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund haben, das sind sogar rund 40 Prozent. Wir sind also eine bunt gemischte Truppe.

Aber natürlich gibt es immer noch viel zu wenige MINT-Frauen bei uns – wie in fast jedem anderen Unternehmen auch. Das ist sehr schade. Und ich denke, dass es auch noch etwas dauern wird, bis wir eine Gleichstellung erreichen. Denn wir brauchen viel mehr Mädchen und Jugendliche, die sich für MINT bereits in der Schule begeistern und sich für ein MINT-Studium oder eine entsprechende Ausbildung entscheiden. Daher müssen wir uns mit Gender-Fragen schon in frühem Alter viel stärker auseinandersetzen.

Wie war eigentlich die Geschlechterverteilung in Ihrem Studiengang?

In meinem Studiengang war es tatsächlich gar nicht „so schlimm“ wie in anderen Ingenieurfächern. Ich weiß es nicht genau, aber gefühlt würde ich sagen, 40 Prozent Frauenanteil waren drin. Ähnlich wie zum Beispiel in Studiengängen „Biotechnologie“ oder „Life Science Engineering“ gibt es prozentual mehr Frauen als in den klassischeren Ingenieurstudiengängen „Maschinenbau“ oder „Bauingenieurwesen“.


Im Studium lernt man, strukturiert, fokussiert und lösungsorientiert zu arbeiten – das sind alles Fähigkeiten, die ich im jetzigen Job benötige

Fiona Walman, Kearney


Ihr Industrie-Fokus bei Kearney ist Chemie und Energie. Wie viel von Ihrem Studium steckt in Ihrem jetzigen Job?

Meine Erfahrung ist, dass man im Studium vor allem lernt, strukturiert, fokussiert und lösungsorientiert zu arbeiten. Insbesondere in MINT-Studiengängen, da man ansonsten große Schwierigkeiten in den Klausuren bekommt. Das sind alles Fähigkeiten, die ich im jetzigen Job auf jeden Fall benötige. Wenn es um inhaltliche Themen geht, kann ich aber auch bestätigen, dass ich einiges an technisches Wissen aus manchen Fächern anwenden musste, wie beispielsweise aus der Wärmetechnik – komisch, ich weiß. Ich denke, dass ein großer Vorteil darin liegt, dass ich mich in die verschiedensten Themen aus der Chemie- und Energieindustrie sehr schnell reindenken kann – das spart natürlich Zeit und ist praktisch für den effektiven Austausch im Team und mit dem Kunden.

Und was haben Sie aus dem Studium mitgenommen, das Ihnen an jedem Tag in der Beratung hilft?

Man muss immer offen für Neues beziehungsweise neue Perspektiven sein und Freude am Lernen haben. Denn sowohl im Studium als auch in der Beratung lernt man unfassbar viel hinzu. Man sollte aber auch Dinge kritisch hinterfragen und die richtigen Fragen stellen können.

Mit der Erfahrung von mehr als zwei Jahren Consultingpraxis: Welche Eigenschaften sollte man für die Tätigkeit als Berater mitbringen?

Wie ich schon erwähnt habe, denke ich, dass es essenziell ist, strukturiert und lösungsorientiert zu arbeiten. Man arbeitet meistens zusammen im Team, daher braucht man eine gute Struktur, um gemeinsam Probleme anzugehen und voranzukommen. Auch mit dem Kunden muss man strukturiert arbeiten, ansonsten kann es schnell unvorbereitet oder chaotisch wirken. Als wichtig erachte ich auch sehr gute Teamfähigkeiten. Auf Projekten arbeiten wir meistens viel und eng im Team zusammen, da müssen wir zuverlässig sein und uns aufeinander verlassen können – dabei darf der Teamspirit und der Spaß aber auch nicht fehlen!

Was schätzen Sie besonders an Ihrem Job und Ihrem Arbeitgeber  – besonders im Vergleich zu einer alternativen Karriere in Industrie oder Forschung?

An meinem Job schätze ich die vielfältigen Aufgaben sehr. Jedes Projekt hat andere Anforderungen, und bietet gleichzeitig einen neuen Kontext. Auch wenn man es wahrscheinlich schon oft gehört hat: Die Lernkurve ist sehr steil und man eignet sich in kürzester Zeit viel Wissen und neue Fähigkeiten an. Außerdem macht man durch die verschiedenen Projekte, die Reisen und die unterschiedlichen Kolleg*innen zahlreiche Erfahrungen. Natürlich ist der Takt auch schneller. Ich denke, das sind die größten Unterschiede zur Industrie/Forschung, wo vieles etwas träger ist oder die Prozesse länger dauern. Man arbeitet auch häufig nicht so schnell an neuen Themen, wie es bei der Projektarbeit der Fall ist.

An Kearney als Arbeitgeber schätze ich die tollen Angebote: Sie reichen vom „Educational leave“, für beispielsweise einen MBA oder PhD, über schöne zentralgelegene Büros, bis hin zu einem breitem Mobility-Programm. Auch während der Covid-19-Zeit gibt sich Kearney sehr viel Mühe, sich um alle Mitarbeiter*innen zu kümmern – das ist nicht selbstverständlich. Das wichtigste sind allerdings die Kolleg*innen, die ich sehr schätze und mit denen die Arbeit Spaß macht.

Wissen Sie eigentlich, was Ihre StudienkollegInnen heute so machen?

Vieles! Sie arbeiten zum Beispiel in Ingenieurbüros, Bauunternehmen, Stadtwerken, Verbänden, Kommunalunternehmen, aber auch in Großkonzernen.


Fiona Walman, Kearney
Fiona Walman, Jahrgang 1992, studierte Umweltingenieurwissenschaften mit der Vertiefungsrichtung Umweltverfahrenstechnik (Master) an der RWTH Aachen  und absolvierte dabei ein  Auslandssemester an der National University of Singapore. Sie ist seit Anfang 2019 bei Kearney und auf das Thema Kreislaufwirtschaft spezialisiert. Ihre Freizeit verbringt sie mit Kochen, Wandern und ehrenamtlicher Vereinsarbeit beim Femtec.Alumnae e.V., dem Netzwerk für hochqualifizierte, technikbegeisterte und engagierte Frauen.