Die Bedeutung von Case-Studies im Recruitingprozess

Case-Studies sind im Recruitingprozess beliebte Tools. Das Schöne: Man kann sich als Bewerber gut auf sie vorbereiten.

Case-Studies sind im Recruitingprozess beliebte Tools. Das Schöne: Man kann sich als Bewerber gut auf sie vorbereiten.

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Ein Praxisbericht von Dr. Nordal Cavadini und Dr. Michael Lierow über die Bedeutung von Case-Studies im Recruitingprozess bei Oliver Wyman im Hinblick auf Young Professionals, Junior Consultants und Consultants

Case Studies sind elementarer Bestandteil des Bewerbungsprozesses. Wer hier nicht überzeugen kann, wird es im weiteren Verlauf schwer haben. Bei Case Studies handelt es sich in der Regel um aufbereitete reale Fälle aus der Kundenarbeit unserer Branchen sowie funktionalen Practices. Eine große Herausforderung für die Kandidaten ist dabei, die gestellten Aufgaben in kurzer Zeit zu lösen. Die eine richtige Lösung zu finden, steht dabei nicht im Vordergrund. Wichtiger ist es zu sehen, wie gut Kandidaten/innen strukturieren und analysieren können. Gehen sie systematisch und mit einem gedanklichen Ziel an das Problem heran? Können sie unter Zeitdruck priorisieren?

Zur Problemlösung müssen sich die Kandidaten beispielsweise in die Rolle eines Beraters oder eines Geschäftsführers hineinversetzen. Genau hier zeigt sich, wie die Bewerber denken und welche Entscheidungen sie warum treffen würden – sei aus Berater- oder aus Kundensicht. Wir erhalten dadurch wertvolle Erkenntnisse über die Kandidaten. Denn neben Konzentrationsfähigkeit und je nach Hintergrund auch fachlichen Qualifikationen achten wir bei einer Case Study vor allem darauf, ob die Bewerber es schaffen, sich in komplexe Bereiche strukturiert und schnell einzuarbeiten. Doch auch die Kandidaten selbst gewinnen Klarheit. Sie können nachfolgend besser einschätzen, ob sie für den Beruf des Beraters tatsächlich geeignet sind.

Patentrezept gibt es nicht

Wer bei Oliver Wyman zum Vorstellungsgespräch geladen wird, tut deshalb gut daran, sich im Vorfeld intensiv mit Case Studies auseinanderzusetzen. Nicht zuletzt im Internet existiert eine breite Auswahl. Zudem lohnt sich ein Blick in den Karrierebereich unserer Website. Tatsache ist: Auch wenn jeder Bewerber/in mit eigenen Anlagen kommt, die Herangehensweise lässt sich trainieren.
Ein Patentrezept für die erfolgreiche Bearbeitung von Case Studies gibt es allerdings nicht. Nachfolgende Tipps können aber hilfreich sein:

  1. Überlegen Sie genau, welche Informationen notwendig sind. Fehlen Ihnen Informationen, fragen Sie gezielt nach. Kein Berater löst einen Case ohne intensiven Austausch mit Kunden und Kollegen.
  2. Geben Sie keine vorschnellen Antworten. Legen Sie vielmehr eine klare Struktur fest und notieren Sie diese, möglicherweise in mehreren Ebenen. Dafür können Sie sich ruhig ein paar Minuten Zeit nehmen.
  3. Priorisieren Sie. Welche Bereiche sind für die Problemlösung besonders relevant, welche nicht und warum.
  4. Steigen Sie dann aktiv in die Diskussion mit Ihrem Interviewpartner ein und führen Sie ihn entlang Ihrer festgelegten Struktur zu einem Ergebnis. Hinterfragen Sie dabei Ihre Annahmen und Ergebnisse kritisch, bevor dies Ihr Interviewpartner tut.
  5. Geben Sie nicht vorschnell Schätzungen ab, sondern plausibilisieren Sie diese.
  6. Halten Sie nicht beharrlich an einem Lösungsansatz fest. Seien Sie kreativ und denken Sie auch außerhalb von 08/15-Lösungen. Was haben Sie nicht erfasst, welche weiteren Blickwinkel wären möglich?

Für den Einstieg in die Beratung kommt es neben Case Studies aber noch auf etwas ganz anders an, systematisches und analytisches Denken allein reichen nicht aus. Wir suchen Kandidaten – ganz gleich ob Bachelor- oder Master-Absolvent, Promovierende oder Young-Professionals –, die Begeisterung mitbringen, Dinge voranzutreiben und partnerschaftlich zusammenarbeiten. Unsere Teams arbeiten international – entsprechend sollten die Kandidaten über Auslandserfahrung und interkulturelle Kompetenz verfügen. Und nicht zuletzt entscheiden soziale Kompetenz, ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten und Flexibilität sowie Motivation und Eigeninitiative mit über den Einstieg bei Oliver Wyman.


Über die Autoren:

Dr. Nordal Cavadini

Dr. Nordal Cavadini

Dr. Nordal Cavadini ist Partner und Recruiting-Verantwortlicher bei Oliver Wyman in der Schweiz.  Die Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind Category Management, Marketing, Vertrieb, Logistik und IT – und das sowohl für Einzelhändler (Lebensmitteleinzelhandel, Fachhandel, DIY) als auch für Hersteller. Er verfügt zudem über langjährige Erfahrung in der Big-Data-Analytik.

 

Dr. Michael Lierow

Dr. Michael Lierow

Dr. Michael Lierow ist Partner und Recruiting-Verantwortlicher bei Oliver Wyman in Deutschland. Seine Beratungsschwerpunkte umfassen die Themen Transport, Retail und Supply Chain. Zudem leitet er das globale Sustainability Center von Oliver Wyman.