Das Praktikum als Karrierechance verstehen und nutzen

 Vor ihrer Arbeit in der Unternehmensberatung hat Marlene Zetsche an vier Universitäten studiert und Praktika im Banking und in einem Start-up gemacht

Vor ihrer Arbeit in der Unternehmensberatung hat Marlene Zetsche an vier Universitäten studiert und Praktika im Banking und in einem Start-up gemacht

Marlene Zetsche von A.T. Kearney im Interview

Wenn man am letzten Tag des Praktikums die Einladung zum finalen Jobinterview bekommt, hat man wohl ziemlich viel richtig gemacht. Die 24-Jährige Marlene Zetsche nutzte ihre Chance und ist seit gut einem Jahr Senior Business Analyst bei A.T. Kearney. Für junior //consultant nahm sie sich Zeit für ein Zwischenfazit und den Blick zurück.

Wie kam es dazu, dass Sie bei A.T. Kearney ein Praktikum gemacht haben?

Als Studentin der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim war mir der Firmenname geläufig, näher kennengelernt habe ich meine jetzigen Kollegen aber erst durch meine Teilnahme an der ’Women Career Lounge’, einem zweitägigen Recruiting Event von A.T. Kearney für weibliche Nachwuchskräfte. Zwischen spannenden Programmpunkten war immer auch Zeit, um mit den Beratern vor Ort ins Gespräch zu kommen und so auszuloten, ob es persönlich zwischen mir und dem Unternehmen passt.

Und das war offenbar so …

Das habe ich sofort so empfunden – und mich direkt nach Ende der Veranstaltung um ein Praktikum beworben. Wenige Wochen später wurde ich schon zum Auswahltag eingeladen – und direkt nach dem letzten Interview habe ich eine finale Zusage bekommen.

Was erwartet einen neuen Praktikanten dort und wie liefen die ersten Tage?

Während meines Praktikums hat es an Abwechslung nicht gefehlt: Ich durfte gleich auf drei verschiedenen Projekten mitarbeiten. Um mich darauf vorzubereiten, habe ich in der ersten Praktikumswoche das Onboarding-Training für alle neuen Praktikanten und Berater besucht.

Was waren Ihre Aufgaben und Projekte während des Praktikums?

Meine Projekte waren alle bei Kunden in derselben Industrie, aber in verschiedenen Funktionen, sodass ich einen breiten Einblick in Strategieentwicklung, Due Diligence und Restrukturierung erhalten habe und dabei trotzdem Industrieexpertise aufbauen konnte. Während jedes Projektes habe ich eine eigene Teilaufgabe übernommen, für die ich verantwortlich war. So wurde ich von Tag eins als vollwertiges Teammitglied aufgenommen und habe trotzdem immer die Unterstützung bekommen, die ich brauchte, um gute Arbeitsergebnisse zu erzielen.


Ich wurde am letzten Tag meines Praktikums zum finalen Festeinstiegsinterview eingeladen

Marlene Zetsche, A.T. Kearney


Wie lange dauerte das Praktikum – und wie ging es danach weiter?

Ein Praktikum bei A.T. Kearney dauert acht Wochen. Besonders gute Praktikanten werden danach in das Praktikantenbindungsprogramm ‘A.T. Kearney-Connect!’ aufgenommen, damit beide Seiten bis zum Ende des Studiums über regelmäßige Events in Kontakt bleiben können. Da ich zu Ende des Praktikums schon kurz vor meinem Studienabschluss stand, wurde ich bereits am letzten Tag meines Praktikums zum finalen Festeinstiegsinterview eingeladen. Dieser Schritt wird bei A.T. Kearney sehr flexibel gehandhabt – genau so, wie es zur jeweiligen Situation passt.

Haben Sie Feedback bekommen, was das Unternehmen an Ihnen besonders schätzt? Und wie wichtig sind weiche Faktoren im Vergleich mit den universitären Leistungen?

Beides ist wichtig. Sowohl die harten Fakten, als auch weichere Kriterien – beispielsweise, ob die eigene Persönlichkeit gut zu A.T. Kearney passt. Ich selbst habe öfter die Rückmeldung bekommen, dass meine Fähigkeit mich gut auf neue Teams einzulassen und stets neugierig und motiviert zu sein, die Arbeit mit mir ausmacht – das ist natürlich nur möglich, wenn man sich mit den Kollegen wohlfühlt. Dennoch sind auch andere Dinge wichtig: die akademischen Leistungen aber auch außeruniversitäre Aktivitäten. Ich habe mich während meines Studiums für eine politischen Stiftung engagiert und wurde danach auch in den Interviews gefragt. Andere Kollegen sind oder waren sportlich sehr aktiv oder betätigen sich anderweitig ehrenamtlich.


Man muss sich selbst auch für das Unternehmen
entscheiden – und nicht nur andersherum

Marlene Zetsche, A.T. Kearney


Ein Praktikum bietet wie in Ihrem Fall zu sehen ist, nicht nur Praxiserfahrung, sondern auch den direkten Weg zu einem  Festeinstieg – wenn es beiderseits passt?

Absolut. Ein Praktikum zu machen war für mich ideal – so konnte ich A.T. Kearney von innen kennenlernen und sichergehen, dass ich hier auch dauerhaft arbeiten möchte. Am Ende meines Praktikums folgte das finale Interview und danach direkt ein Angebot zum Festeinstieg. Jetzt arbeite ich seit fast einem Jahr bei A.T. Kearney und habe meine Entscheidung noch nicht einen Tag bereut.

Wie unterscheiden sich die Interviews eigentlich? Das erste für die Praktikantenstelle, und das finale mit dem Partner, wenn es darum geht, als Fulltimer einzusteigen?

Die Interviews sind alle ähnlich aufgebaut – im Normalfall geht es mit einem gegenseitigen Kennenlernen los, in dem der Interviewer unter anderem den Werdegang und die Motivation des Bewerbers verstehen möchte. Darauf folgt dann ein Case-Interview und am Ende kann der Bewerber noch offene Fragen klären. Das finde ich besonders wichtig – schließlich muss man selbst sich ja auch für das Unternehmen entscheiden – nicht nur anders herum. Wie die drei Blöcke zeitlich verteilt sind, ist unterschiedlich. Das finale Partnerinterview ist sehr individuell und der Verlauf hängt sicherlich auch davon ab, wie das Praktikum lief und welches Feedback der Interviewer vom Projektteam bekommen hat.

Noch etwas persönliches: Gibt es etwas, was Sie unbedingt in Ihrem Leben noch machen wollen – außer der Arbeit in der Beratung?

Da gibt es tatsächlich Einiges – und das Schöne ist, dass mir der Job bei A.T. Kearney erlaubt, vieles davon zu verwirklichen. Zum Beispiel nutzen viele Kollegen den “Leave of Absence” für ausgedehnte Reisen, die Gründung eines gemeinnützigen Vereins oder sogar eines Start-ups.


Marlene Zetsche, A.T. Kearney

Marlene Zetsche, A.T. Kearney

Marlene Zetsche, 24, ist Senior Business Analyst im Düsseldorfer Büro von A.T. Kearney. Sie hat Wirtschaftswissenschaften an der Universität Mannheim, der Humboldt-Universität Berlin, der HEC Montréal und der Seoul National University studiert. Vor ihrer Arbeit in der Unternehmensberatung hat sie Praktika im Banking und in einem Start-up absolviert. Auch in ihrer Freizeit geht Marlene Zetsche gerne auf Reisen – dann aber mit Rucksack statt Koffer und einem guten Buch statt Laptop.