Studentische Projekte sollen sich auszahlen!

Frühzeitig Praxiserfahrung außerhalb des Hörsaals zu sammeln – das gewinnt beim Berufseinstieg immer mehr an Bedeutung. Praktika und Werkstudentenstellen jenseits von Kaffeekochen oder Kopieren sind meist Monate im Voraus vergeben oder kommen für viele Studenten aufgrund von klausuren- oder seminararbeitsintensiven Semesterferien nicht infrage. Als studentische Unternehmensberatung bieten wir eine Alternative an, bei der man die Praxis durch Projektarbeit kennenlernen kann – und das vor Ort neben dem Studium. Wer sich durch Projekte weiterbilden und Unternehmenskontakte knüpfen möchte, benötigt allerdings Zeit, die der knapp getaktete Stundenplan vieler Studiengänge oft nicht zulässt. Wir von Campus Consult e. V. träumen deshalb von einem Projekt, das das Ziel hat, studentische Beratungsprojekte als Studienleistung anzurechnen, um das Studium so noch praxisnaher zu gestalten. Im Einzelfall gibt es diese Option zwar immer mal wieder; wir wollen die Anrechnung aber zum Standard machen.

Ziel des Projekts wäre es, eine einheitliche Regelung an der Universität Paderborn zu erreichen, auf die sich Studierende und Dozenten stützen können. Für die erfolgreiche Durchführung des Vorhabens sehen wir eine realistische Chance, wenn wir zunächst ein Pilotprojekt an einer Fakultät starten. Da es in unserer Junior Enterprise (JE) mehrheitlich Studierende der Wirtschaftswissenschaften gibt, fokussieren wir zunächst die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften.

Anfangs muss das Team genau definieren, welche Projekte sich überhaupt eignen würden. Zu den Vorüberlegungen gehört auch die Frage, in welcher Form die Projektarbeit angerechnet werden kann und welche Module sinnvoll und denkbar sind. Dafür ist es wesentlich, dass das Team die Studien- und Prüfungsordnungen genau kennt. Sind diese Grundlagen erarbeitet, wollen wir den Präzedenzfall in Angriff nehmen: Ein Mitglied, das vor kurzem ein Projekt im Bereich Marktanalyse abgeschlossen hat und ein Marketingseminar besucht, wird eine Anfrage zur Leistungsanrechnung bei seinem Dozenten stellen. Damit dieser sich ein umfassendes Bild über die Projektinhalte machen kann, bringt der Student den detaillierten Bericht mit. Außerdem stellt das Team im Vorfeld Informationsmaterial zusammen, das die Relevanz und Sinnhaftigkeit des Engagements in einer studentischen Unternehmensberatung darlegt. Wenn der Dozent das Projekt als Prüfungsleistung anrechnet, kommunizieren wir den Erfolg auf dem Vereinstreffen und dokumentieren in einem Leitfaden, wie die Mitglieder in Zukunft vorgehen sollten.

Der nächste Schritt besteht darin, aus dem Präzedenz- einen Regelfall zu machen. Dafür möchten wir die Fakultätsleitung und die Lehrenden zu einer Informationsveranstaltung einladen, auf der wir die Projektarbeit unserer JE vorstellen und den konkreten Mehrwerte für Studium und Karriere erläutern. Hierfür laden wir auch einen Unternehmensvertreter ein, der auf die Bedeutung von praktischer Erfahrung eingeht. Außerdem wollen wir zur Unterstützung die Fachschaft mit ins Boot holen. Alle Dozenten, die bis dahin Projekte angerechnet haben, sollen bei dieser Veranstaltung als Befürworter auftreten. Nach dem Infoabend stellen wir einen konkreten Antrag für die Sitzung des Fakultätsrats. Der Rat soll den Dozenten nahelegen, die Möglichkeit der Anrechnung einer Projektarbeit als Studienleistung in Betracht zu ziehen. Das Gremium kann dies allerdings keinem Dozenten vorschreiben. Das Ergebnis wird in jedem Fall sein, dass Lehrende nicht mehr überrascht sind, wenn zukünftig solche Anfragen von studentischen Beratern kommen.

Damit auch Studierende aus anderen Fakultäten, zum Beispiel aus der IT und Elektrotechnik, von einer Anerkennung ihrer Projekte profitieren können, wollen wir dieses Pilotprojekt in anderen Fachbereichen wiederholen. Begleiten wollen wir dies mit einer PR-Kampagne, um studentisches Engagement in den Medien präsenter zu machen und die Bedeutsamkeit von Praxiserfahrung während des Studiums hervorzuheben. Dafür werden wir lokale Medienvertreter sowie die Universitätsmedien miteinbeziehen, damit diese über das Projekt berichten.

Dieser Auftrag erfordert ein gutes Projektmanagement, die Unterstützung von Lehrenden sowie eine große Portion Überzeugungskraft. Wünschenswert wäre auf lange Sicht eine einheitliche bundesweite Regelung zur Anerkennung von praxisorientiertem Engagement. Dies beinhaltet allerdings einen langjährigen Prozess, bei dem etliche Gremien, inklusive der Hochschulministerien, beteiligt sind. Das Pilotprojekt wäre der erste notwendige Schritt in diese Richtung. In jedem Fall liegt es uns sehr am Herzen, dass Projektarbeit in einer studentischen Unternehmensberatung an der Universität Wertschätzung erfährt, denn universitäre Bildung umfasst unserer Meinung nach nicht nur graue Theorie, sondern auch die Anwendung der Praxis.

Yasmin Hutchins
Campus Consult e.V. Paderborn
www.campus-consult.de