Berufseinstieg in der Beratung: Eigne ich mich zum Consultant?

Berufseinstieg in der Beratung: Ein Self-Assessment hat die Eignung klären

Berufseinstieg in der Beratung

Self-Assessment: Was neben Anzug oder Kostüm zum Rüstzeug gehört

Diese Frage stellen sich viele beratungsaffine Studierende, die ihren Berufseinstieg planen. Hilfestellung bei der Beantwortung dieser Frage bietet das Internetportal Future:Consulting und ein Self-Assessment. Hier erhalten Interessierte umfassende Informationen über das Berufsfeld und können zugleich die Passung ihres Persönlichkeitsprofils mit den Anforderungen der Branche ermitteln. Ralph Dirksen von der Universität des Saarlandes erklärt, wie das Projekt funktioniert.

Hilfestellung bei der Beantwortung der Frage, ob man sich zum Consultant eignet, bietet das Internetportal Future:Consulting (www.future-consulting.info), das an zwei unterschiedlichen Stellen ansetzt:

1) Durch die Aufbereitung und Darbietung von Informationen und Qualifizierungsmöglichkeiten werden das Berufsbild des Consultants und Einstiegsmöglichkeiten transparenter.

2) Durch das Angebot eines Instruments zur objektiven Selbsteinschätzung (Self-Assessment) erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, ihre persönliche Passung mit dem Berufsfeld einzuschätzen und zu reflektieren.

Die Entscheidung für oder gegen eine Tätigkeit als Unternehmensberater ist aufgrund der wenigen verfügbaren Informationen und der vielen Mythen besonders schwierig. Auf der einen Seite stellt sich die Frage, ob man Consultant werden möchte – auf der anderen Seite ist nicht zwangsläufig klar, ob und falls ja, welche Schritte bereits im Vorfeld erfolgen sollten. Die Logik des Projekts, das von der Stiftung Europrofession gefördert und interdisziplinär von Professor Dr. Frank Spinath von der Arbeitseinheit Differentielle Psychologie und psychologische Diagnostik der Universität des Saarlandes, Professor Dr. Christoph Igel vom Centre for e-Learning Technology der Universität des Saarlandes, der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes und des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz und Professor Dr. Peter Loos vom Institut für Wirtschaftsinformatik im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz umgesetzt wurde, folgt dieser Herausforderung: Im Vordergrund stehen sowohl Informationen über die Tätigkeit als Consultant und entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen als auch die Anregung zur Selbstreflexion.


Studenten können prüfen, inwieweit ihre Vorstellungen vom Beruf des Beraters mit der Wirklichkeit übereinstimmen.


Die Informationen zum Thema Consulting sind analog zu den Projektpartnern in die Bereiche Human Resources, Learning Technology und Information Technology gegliedert. Dabei wurde ein möglichst umfassender Blickwinkel gewählt: So erfolgt die Darbietung von Informationen über die Branche, den Standort Saarland und der Einblicke in die Tätigkeit crossmedial. Es kommen Expertinnen und Experten zu Wort, die in kompakten Videostatements einen allgemeinen aber auch persönlichen Blick auf die Tätigkeit und die Branche an sich gestatten. Zusätzlich werden Basisinformationen und weiterführende Literatur angeboten. Um einen besseren Einblick in Karrierewege zu erhalten, sind für alle Tätigkeitsfelder auch sogenannte Success Stories verfügbar, in denen erfolgreiche Beraterinnen und Berater über ihre Erfahrungen berichten. Auf Basis dieser Informationen erhalten Interessierte einen ersten Überblick über die Tätigkeit und können so in einer Art Selbstreflexion überprüfen, inwieweit ihre Erwartungen und Vorstellungen mit der Wirklichkeit übereinstimmen.

Die Selbstreflexion wird im Modul Self-Assessment noch verstärkt gefordert und gefördert. Um beruflich am Anfang stehenden Personen die Einschätzung ihrer Passung zur Tätigkeit als Consultant zu erleichtern, wurde ein Self-Assessment konstruiert, das umfassend Persönlichkeitsmerkmale, das heißt Kompetenzen (kognitiv und sozial), Interessen, Motivation und Persönlichkeitseigenschaften, erhebt. Die Merkmale werden anhand von Aussagen erfasst, für die entschieden werden soll, inwieweit eine Aussage „gar nicht“ bis „sehr“ zutrifft. Relevant an dieser Stelle ist es zu erwähnen, dass ein Self-Assessment kein Eignungstest ist. Es gibt kein richtig oder falsch bei der Einschätzung der Merkmale.

So wie die Elemente der Informationen vor allem dazu dienen, Wissen zu schaffen und falsche Erwartungen abzubauen und nicht Wissen zu testen, stellen Self-Assessments eine Möglichkeit dar, sich selbst objektiver zu betrachten, um bessere Entscheidungen treffen zu können. Es gibt außer den teilnehmenden Personen niemanden, der die Rückmeldung zu Gesicht bekommt – sie sind selbst verantwortlich für die Richtigkeit ihrer Aussagen und für die Schlüsse, die sie daraus ziehen. Selbstverständlich wird aber Hilfestellung bei der Interpretation der Ergebnisse des Self-Assessments angeboten.

Es wurden Experteninterviews geführt (mit Auftraggebern, Consultants und Personalverantwortlichen), mit deren Hilfe ein prototypisches Idealprofil erstellt wurde. Dieses Idealprofil ist nicht als einzig denkbare Merkmalskombination zu sehen, erlaubt aber dennoch eine Einschätzung, inwieweit die eigenen Persönlichkeitsausprägungen die Tätigkeit als Consultant nahelegen. Wichtig sind dabei zwei Aspekte:

1) Es gibt keine guten oder schlechten Persönlichkeitsmerkmale – die Ausprägung mancher Merkmale erleichtert oder erschwert aber die Ausübung bestimmter Tätigkeiten. Ein introvertierter, eher zurückhaltender Consultant wird möglicherweise auch beruflich erfolgreich sein. Die Überwindung jedoch, die ihn jeder neue Kundenkontakt eventuell kostet, hat sein extrovertierter Kollege nicht zu leisten.

2) Anhand von Forschungsergebnissen aus der Psychologie lassen sich Persönlichkeitsmerkmale identifizieren, die leichter oder schwerer zu verändern sind. Hier muss jeder Teilnehmende für sich entscheiden, welche Energie er bereit ist zu investieren, ob sich die gewünschten Veränderungen wirklich realisieren lassen und welche weiteren Folgen diese Bestrebungen nach sich ziehen. Eher leicht zu Veränderndes, wie etwa das Erlernen einer weiteren Sprache, ist mit weniger Aufwand verbunden als die Veränderung eines introvertierten Menschen in einen extrovertierten Menschen.

Generell liegt der Fokus von Future:Consulting weniger auf der Eignung, sondern vielmehr auf der Passung, bei der Person und Umwelt gleichermaßen im Vordergrund stehen. Diese Betrachtungsweise enthält nicht die negative Konnotation der Eignung, die sich allein auf die Person bezieht und die impliziert, die Ursache für eine mangelnde Passung liege lediglich in der Person begründet. Die Gründe für eine fehlende Passung können ebenso in der Tätigkeit oder dem Unternehmen liegen. Ergänzend zu dem Self-Assessment werden wie für die Beschreibung der Tätigkeit, des Standorts Saarland und der Branche Informationen über Assessments, Assessment-Center und Self-Assessments im Allgemeinen als auch im Speziellen gegeben. Die Darstellung erfolgt auch hier über Video-Statements, Hintergrundinformationen und weiterführende Literaturhinweise.
Besteht nach der Beschäftigung mit der Rückmeldung und den Informationen über das Tätigkeitsfeld weiterhin Interesse an einer Karriere im Consulting-Bereich, bietet das Modul „Qualifikation“ einen ersten Überblick über Möglichkeiten, sich bereits während des Studiums relevante Qualifikationen anzueignen. Dabei wird zwischen „on campus“-Angeboten der Universität des Saarlandes und „off campus“-Angeboten unterschieden. Darüber hinaus werden Informationen über Zertifikate, die gewisse Qualitätsstandards gewährleisten sollen, gegeben. Analog zu den anderen Modulen erfolgt auch hier die Darbietung der Inhalte über Video-Statements, Hintergrundinformationen und weiterführende Literaturhinweise.

Zwar kann das Internetportal von Future:Consulting den Teilnehmern die Entscheidung nicht abnehmen, ob eine Karriere als Consultant wirklich infrage kommt. Indem Anforderungen und Besonderheiten dieses möglichen Weges aber transparenter gemacht werden, gelingt die Weichenstellung eventuell früher und die Entscheidung für eine Tätigkeit als Consultant fällt möglicherweise leichter.


Ralph Dirksen, 35, studierte Psychologie mit den Schwerpunkten Diagnostik, Testkonstruktion und Forschungsmethoden an der Universität des Saarlandes. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand in der Arbeits-einheit Differentielle Psychologie und psychologische Diagnostik an der UdS und befasst sich mit Personaldiagnostik, Testtheorie, multivariaten Methoden, Self-Assessments und onlinebasierter Testung.

Mehr Infos: www.future-consulting.info